KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Sa 31. Juli 2010

Thomas Baumgärtel und die ruhr2010

“Alles Banane oder was” ist nur einer von vielen Kommentaren zu dem Projekt des berühmten Künstlers und Bananensprayers Thomas Baumgärtel anlässlich der ruhr2010.

Logo des Thomas Baumgärtel-Projektes in Dortmund

Das Projekt mit dem schönen Namen“Phoenix aus Asche” spielt nicht nur mit der griechischen Mythologie, sondern auch mit der Geschichte der Region und seiner Entwicklung. Daher ist die Idee hochpoetisch und die künstlerischen Mittel unverwechselbar und interessant.

So wie originäre Kunst sein sollte. Baumgärtels Idee das Motto der ruhr2010 “Wandel durch Kultur” mit einer Stahlskulptur am Hochofen auf dem Gelände Phoenix West in Dortmund in seiner eigenen Formensprache zu zeigen, ist genial und witzig zugleich.

Die geplante über 30 m grosse Skulptur aus Stahl soll am Hochofen 5 in Dortmund auf dem Gelände Phoenix-West in 65 Meter Höhe installiert werden.  Der Bauantrag wurde im Juni 2010 genehmigt, so dass die Arbeiten jetzt auf Hochtouren laufen.

Natürlich bleibt diese Skulptur, die eben keinen Bergmann irgendwo zeigt nicht unwidersprochen und ist sie auch kein traditionelles “U” auf der ehemaligen Brauerei, aber sie ist unverwechselbar und auch sehr ruhrgebietig, da die Menschen der Region ja auch sehr humorvoll und eigen sind. Eine Mischung, die z.B. auffällt, wenn man dort Vorträge hält. Überall in der Republik sind die ersten Stuhlreihen leer, dort sind sie immer voll. Eben immer mitten drin und das verbindet Baumgärtels Anliegen in der Kunst und mit der Kunst.

Das vor Ort Gegenstimmen laut werden, ist nicht verwunderlich, schließlich wird mit der Skulptur eine neue Landmarke in Sachen Kunst geschaffen und das gemütliche der heimischen Kunstproduktion fällt mal wieder auf, und das will eben nicht jeder.

Wer sich noch für Baumgärtels Projekt engagieren will, ist noch herzlich willkommen, da noch Geld für das Projekt fehlt. Kontakt hier




Mi 28. Juli 2010

Wenn Experten, Kunsthallen und Museen zu Dienststellen werden

Bei dem großen Stühlerücken in Hamburg erschien es von Außen so, dass die Gelegenheit zum Türmen allseits genutzt wurde. Jeder Sessel der nicht mehr gemütlich war, wurde verlassen. Dabei hat doch die zurückgetretene Kultursenatorin Karin von Welck wegweisende Dinge in ihrem Bereich Kultur erreicht.

Mit dem nur wenige Monate vor ihrem Rücktritt durchgesetzte neue Stiftungsgesetz, sollten doch Weichen für die Zukunft der Museumsstiftungen in Hamburg und vielleicht auch darüber hinaus gestellt werden.

Einmal sah die neue Regelung eine Personenreduzierung in den Stiftungsräten vor und stufte die Museen zu Unterabteilungen der Kulturbehörde herab. Jedes eigenständige Handel wird damit erschwert und vergrößert die Bürokratie, die notwendig wird, um Ausstellungen machen zu können. Denn die Direktoren der Museen müssen sich nun mit ihren Ausstellungsprojekten um ein zentrales Budget bewerben. Damit entscheidet eine von der Kulturbehörde eingesetzte Jury, welche großen Ausstellungen in Hamburg gezeigt werden.

Das ist ja super, da wieder mal die Closed shop-Politik greift. Früher sagte man Hinterzimmerdiplomatie. Hilft dann, wenn z.B. Sammler dringend mal den eigenen Bestand durch eine Museumsausstellung aufwerten wollen, um ihn dann zu verkaufen,… Auch das die “Doppelspitze” aus Museumsdirektor und kaufmännischem LeiterIn die sich durchaus bewährt hat, verändert werden soll.  Besonders schön ist die Empfehlungshoheit für die möglichen Ankäufe für Museumsbestände. Ja auch hier zeigt sich wieder der Geist, dass Kunst eben jeder kann und auch vorallem beurteilen kann. Fachleute sind also nicht mehr gefragt. Fehlt nur noch der Satz: “Meine Frau malt auch sehr schön!…”

Planung, Zusagen, Projekte und die zeitgenössische Kunst bleiben damit auf der Strecke, da diese ja erst in 100 Jahren einen Wert bekommt.

Dieser Ansatz führt direkt zur Auflösung der Kulturbehörde, da ja Hamburg vormacht, dass Kultur mal wieder von jedem und jeder gemacht werden kann. Mal schauen, wann dann Bestände der Museen verhöckert werden. Die nächsten Schritte sind ja so naheliegend.

Die Freundeskreise der Museen in Hamburg haben sich gegen diese Entwicklung unter dem Motto “Flagge zeigen – Kunst ist kein Luxus” zusammengeschlossen und einen offenen Brief an den neuen Senat in Hamburg geschrieben.

Hier der Link zum o-Ton: Freunde für Erhalt der Kulturbehörde 2010-7-28




Di 20. Juli 2010

C/O feiert sein 10jähriges Bestehen- wo gehts wohl weiter?

Das C/O Berlin feierte vom 15. bis 18. Juli 2010 sein 10jähriges Jubiläum mit einer großen MAGNUM-Ausstellung und den Photography Days zum Thema „Shifting Media . New Role of Photography“.

Das Fest über vier Tage war ein Besuchermagnet – zur Eröffnung am Donnerstag kamen über 3.000 Besucher und feierten im Postfuhramt bis in den frühen Morgen den runden Geburtstag von C/O Berlin. Täglich 350 Interessierte besuchten die zahlreichen Paneldiskussionen, Lectures, Präsentationen und Führungen der C/O Berlin Photography Days. Zum ersten Mal in Berlin erörterten 35 internationale Wissenschaftler, Fotografen und Experten die aktuellen Entwicklungen in der Fotografie. Die MAGNUM-Ausstellung hatte bereits am ersten Wochenende über 2.000 Besucher. Der Entertainist Chilly Gonzales begeisterte mit seinem Open-Air-Konzert am Freitag Abend 600 Gäste im Hof des Postfuhramts.

Klaus Wowereit, regierender Bürgermeister von Berlin, und Prof. Monika Grütters, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag, stellten die Bedeutung der privaten Kulturinstitution als Leuchtturm der Kreativwirtschaft in Berlin heraus und sagten in ihren Laudationes ihre aktive Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Gebäude für C/O Berlin zu. Bis heute ist die Standortfrage offen.

Man kann nur hoffen, dass es bald eine Lösung für das C/O gibt, da es in die Innenstadt gehört, aber auch ein bisschen Platz braucht. Vermutlich ist Berlin eben doch auf dem Weg aller Metropolen, die sich im Inneren immer schicker geben, unbezahlbarer und monotoner. Wie titelte Pia-Luisa Lenz kürzlich bei Spiegel-online: “Gentrifizierung in Berlin Mitte – Arm und sexy? Teuer und öde!”




Di 20. Juli 2010

Das Informel – Le grand Geste in Düsseldorf

Die Düsseldorfer Ausstellung Le grand geste! konzentriert sich auf die Jahre zwischen 1946 und 1964, fokussiert hier die Höhepunkte des deutschen Informel bis hin zu der Zeit, als Pop Art die internationale Kunstszene zu dominieren begann und abstrakt-expressionistische Tendenzen weitgehend verdrängte. Deutlich sichtbar wird der existentielle Anspruch dieser gestischen, abstrakt-expressionistischen Malerei, ein Anspruch, der sich nicht zuletzt in den großen Formaten vieler Hauptwerke dieser Kunstströmung manifestiert.

Bildquelle: Plakat der Schau

Die Düsseldorfer Schau im Museum Kunstpalast zeigt zahlreiche bedeutende Werke aus amerikanischen und europäischen öffentlichen und privaten Sammlungen.

“Das Ziel der Schau ist nicht nur, den längst überfälligen pointierten Blick auf eine wichtige Epoche der Nachkriegskunst zu werfen, die hier zudem in zahlreichen, zum Teil erstmals präsentierten Dokumenten kontextualisiert wird. Sie will ferner Bühne sein für ein „Fest der Malerei“ und hier Bildern mit frischem, unverstelltem Blick begegnen, die lange aus dem kunsthistorischen Bewusstsein verschwunden waren.” (Beat Wismer, Generaldirektor museum kunst palast)

Und das hat die Schau tatsächlich geschafft. Eine Verlängerung über den 1.8.2010 hinaus wäre sicher wünschenswert.




Mo 12. Juli 2010

Kreativland ist abgebrannt – Gehts im Gesundheitsland besser – 2. Teil

Zugegeben die wirklichen Visionen finden nicht im Kreativland statt. Da ist das Gesundheitsland wirklich besser dran. Nicht nur dass dort die nicht mehr interessanten Bevölkerungsgruppen (Schwangere Frauen und Hebammen) dank flankierender Hilfe aus dem Versicherungssektor ausgegrenzt werden, nein die Konzentration auf das wirklich wichtig ist dort schon viel weiter als im Kreativland.

Um die Kosten des Gesundheitswesens einzudämmen, nachdem man sich bei den Versicherten weiter bereichert, sollen jetzt auch die wenigen homöopatischen Leistungen ganz aus dem Versicherungsschutz herausgenommen werden. Prima, die alternative Medizin wieder in die Steinzeit schießen, schonende Verfahren nicht fördern, sondern auch auszugrenzen und sich nur auf die teure Schulmedizin stützen. Alternativen, die vielen Menschen ohne Nebenwirkungen helfen, die aber aus einer natürlichen Pflanze (wie primitiv!) kommen, das kann ja nichts sein. Also ist nur gut was richtig teuer ist, woran an Tieren munter geforscht wird und wo jahrelange Patente drauf liegen, so dass nur einige wenige verdienen. Viel effektiver kann Lobbyarbeit wohl kaum sein.
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Di 6. Juli 2010

Kunstsammlung NRW eröffnet wieder – K20 wieder da

Nach zweijähriger Bau- und Renovierungszeit wird das K20 (die Kunstsammlung NRW am 10. Juli 2010 wiedereröffnet. Zur Feier des Tages wird vom  10. bis 25. Juli 2010 im K 20 und K 21 kein Eintritt erhoben.

Die Kunstsammlung am Grabbeplatz wurde saniert und um 2000 m² Ausstellungsfläche erweitert. Hauptwerke der Sammlung und neue künstlerische Projekte bespielen die Räume und locken mit Vertrautem und Flüchtigem.

Für alle die am Samstag, den 10. Juli 2010 Zeit haben und in Düsseldorf sind ist  ab 14 Uhr das Publikumsfest am Grabbeplatz ein Tipp.

Und für alle die mehr wissen wollen, hier der Link zur Wiedereröffnungsseite.

Viel Spaß!




Di 6. Juli 2010

Roy Lichtenstein in Köln – Ausstellung Kunst als Motiv

So hatte Kandinsky die Punkte jedenfalls nicht gemeint, die der Amerikaner Roy Lichtenstein dann quasi persönlich berühmt machte. Die Rasterpunkte der Pop Art. Lichtenstein (1923-1997) und seine Punkte sind heute weltberühmt. Nach Motiven aus der Comic- und Konsumwelt schuf Lichtenstein Gemälde, die er aus Punkten und Farbflächen zusammensetzte.

Das Museum Ludwig widmet nun einer andere Seiten Lichtesnsteins eine Schau. In rund 100 Exponaten, überwiegend großformatigen Gemälden sowie begleitenden Zeichnungen und Skulpturen wird Lichtensteins Auseinandersetzung mit kunsthistorischen Stilrichtungen von Expressionismus und Futurismus bis Bauhaus, Art déco oder der Landschaftsmalerei Ostasiens nachvollziehbar.

Bildquelle: Plakat der Ausstellung

Werke und stilistische Eigenarten von Künstlerheroen wie Monet, Matisse, Mondrian und Dalí tauchen als Themen und Versatzstücke auf, von Lichtenstein gleichermaßen ironisch wie meisterhaft in seiner eigenen Bildsprache interpretiert.

Auch Picasso erscheint in diesen Verarbeitungen in völlig neuem Licht, wird zum Pseudo-Comic, der das klischeehafte Bild des Künstlers spiegelt.

Die eindrucksvollen Gemälde aus der Serie der „Brushstrokes” zeigen nichts als gigantische, stilisierte Pinselstriche. Sie zeugen von Lichtensteins grundlegender Reflexion über Malerei und können als Kernstück der Ausstellung verstanden werden. Eine sehenswerte Schau, die noch bis zum 3. Oktober 2010 in Köln zu sehen ist.




Di 6. Juli 2010

Neutra Gebäude in den USA retten helfen

RICHARD NEUTRA-ARCHITEKTUR – IN EUROPA GEFEIERT, IN DEN USA VOM ABRISS BEDROHT

Während sich im Marta Herford die Ausstellung „Richard Neutra in Europa – Bauten und Projekte 1960-1970“ größter Beliebtheit bei den Besuchern erfreut, in die Schweiz und die USA tourt, und die internationalen Medien nur einhelliges Lob dafür finden, kämpft in den USA der 84-jährige Dion Neutra einen verzweifelten Kampf um den Erhalt eines öffentlichen Baus seines weltberühmten Vaters (1892-1970).

Die 1961 im Military Gettysburg National Park von Richard Neutra gebaute Cyclorama Center Gedächtnisstätte ist vom Abriss bedroht, um einem neuen historisierenden Nachfolgebau zu weichen. Dion Neutra verweist in seinen Aktivitäten auf den im Vergleich zu Deutschland oder England unzureichenden amerikanischen Denkmalschutz für Nachkriegsbauten.

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Di 6. Juli 2010

Frida kann alles sogar als Googledoodle

Es ist ja immer wieder nett, wenn google seine doodles raushaut. Heute zu Ehren von Frida Kahlo. Wers noch nicht gesehen hat, es ist wirklich nett und nimmt Bezug auf das Plakat der zur Zeit laufenden Frida Kahlo Ausstellung im Berliner Gropius Bau, die ebenfalls in der Jubiläumszeit läuft.

Die Kahlo, die  vom 6. Juli 1907 bis zum 13. Juli 1954 lebte, hätte heute Geburtstag gehabt. Das ihr Werk bis heute geschätzt wird, ließen kürzlich auch die Ausstellungsmacher verlauten und stellten fest, dass überdurchschnittlich viele Frauen die Berliner Ausstellung besuchen würden. Um Wartezeiten zu vermeiden, kann man auch versuchen Eintrittskarten im Vorfeld zu erwerben.

Und hier der Link zum doodle:




Di 6. Juli 2010

Kreativland ist abgebrannt -gehts im Gesundheitsland besser?

Manchmal könnte man sich fragen, warum es eigentlich nicht möglich ist, den Produzenten von Kunstwerken, sprich den Künstlerinnen und Künstlern ein Honorar für ihre Ausstellungstätigkeit zu zahlen? Dort wo es sich um öffentliche Institutionen als Ausstellungsort handelt, werden am Ende des Jahres gegen Vorlage der Einladungen je Ausstellung 250 € durch die Künstlersozialkasse an ihre Mitglieder ausgezahlt, oder auf das eingezahlte Beitragsvolumen angerechnet. Dort wo es sich um Firmen, etc. handelt, wird das Geld den Künstlern gegen Rechnung ausgezahlt. Das wäre dann wie ein Honorar für einen Schauwerbegestalter. Der macht die Deko ja auch nicht umsonst. Warum das nicht flächendeckend passiert, kann ja der künstlerischen Organisation geschuldet sein. (Hat keiner dran gedacht, das salonfähig zu machen? Ist es peinlich, über Geld zu reden?)

Keine Ahnung, aber es ist so. Da schauen wir doch mal in einen anderen krisengeschüttelten Bereich und fragen uns z.B. ist es im Gesundheitsland besser?

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