Die Deutsche Bank, genauer die Verantwortlichen der Kunsthalle der Deutschen Bank Berlin, früher auch als Standort des deutschen Guggenheimablegers bekannt, haben nach dem Ende der Zusammenarbeit mit den Amerikanern die Kunsthalle wieder eröffnet.
Mit einer Aktion die kaum hipper sein könnte. Alles via Facebook begleitet, das Dilemma einer Hauptstadt ohne Kunstausstellungsräumen im öffentlichen Raum, aufnehmend und daher in aller Munde.
Die Idee, alle Kreativen der Hauptstadt können eine eigene Arbeit für eine temporäre Ausstellung zur Verfügung stellen. Und der Clou, alles wird genommen.
Weit über 2.000 Arbeiten sind in drei Tagen abgegeben worden und die Berichte über die Einlieferer sind schon interessant. Kunststudenten, die die Ausstellung für die Vita haben möchten, Leute die schon immer verkannt waren, die endlich mal an einem Ort ausstellen dürfen, der keine Kneipe ist, Profis und Laien die entdeckt werden möchten, Leute die gerne mehrere Stunden in Schlangen warten usw.
Da kann man sich fragen, ist das die Zukunft der Kunstpräsentation? Was treibt die Eigentümerin Deutsche Bank dazu, den Standort ihrer Kunsthalle so zu nutzen? Ist der Imageverlust des systemrelevanten Bankhauses so groß, dass der Endkunde so interessant ist, damit man hier punktet? Ist der Leidensdruck der Kreativen in der Hauptstadt durch das Fehlen einer oder mehrere Kunstorte, die auch Mittelmaß und Hobbykunst zeigen so dringend? Was ist da los?
Einmal ist es interessant, dass die Aktion, die ja durchaus durch die Mittuenden in der Vita als Imagegewinn gesehen wird, den Ort total entwertet. Wer sich diese Menge und das Sammelsurium angesehen hat und in weiteren Ausstellungen ansehen kann, hat außer Petersburger Hängung, viel Farbe gesehen. Eine Entdeckung kann wie in jeder Galerie oder Museumsausstellung auch “geschehen” oder auch nicht gemacht werden. Nur alles viel größer. Ob bekannte Blockbuster die noch leben an diesem Ort noch ausstellen wollen, ist fraglich. Aber vielleicht soll die Ausstellungshalle einen anderen Namen bekommen, wer weiß.
Aber bei den gesammelten O-Tönen wird man den Verdacht nicht los, hauptsache Happening, endlich mal menschliche Nähe und Kontakt, dazu Kaffee und Gulaschsuppe in der Schlange. Da fehlt was anderes als Kunstakzeptanz.
Dann kann man was den Imagegewinn angeht, sehr schön sehen, was die Mitbewerberin UniCredit mit ihrer 20.000 Werke umfassenden Sammlung gerade macht. Auch dort ist alles Facebookbegleitet, dort wird auch eine Mischung zwischen Kunstförderung, eigener Darstellung und längerer Sammlungstätigkeit vorgestellt. Die eigenen zum Teil aus dem 15. Jahrhundert stammenden Werke, die auch oft in Ausstellungen ausgestellt und an Museen verliehen, sind aber eben “systemrelevante Kunst”, soll heißen Kunst die heute auch zu den Meilensteinen der Kunstgeschichte gehören. Qualität eben und nicht nur Masse. Was dort heute gesammelt wird ist, wie für alle Institutionen auch, immer an der Frage gemessen, was wird bleiben, was sagt etwas über die Entstehungszeit aus, aber durchaus in einem Kontext, der nicht nur Bemühen, sondern auch System erkennen lässt.
Das die Deutsche Bank für das Land Berlin dann die Räumlichkeiten schafft, die auch für die Hobbykünstler und zeitaktuelle Künstler Foren schafft, bleibt offen. Mal sehen welche Schlüsse die Verantwortlichen ziehen.
Jedenfalls wäre den Kreativen der Hauptstadt mehr mit dem Aufbau einer Sammlerklientel gedient, Menschen die Kunst kaufen und zwar öfter und auch zu Preisen, die über Flohmarktniveau liegen. Die Hobbykünstler der Hauptstadt unterscheiden sich nicht von denen im Rest des Landes, die die lokalen Bankfillialen und Kneipen und Cafes und Krankenhäuser bestücken. Hauptsache ein (Ausstellungs-)Skalp mehr am Gürtel, bloss nicht an sich selber arbeiten und kritisch sich fragen, ob die eigenen Therapiekreativität auch gezeigt werden muß. Jeder darf malen, wenn er oder sie möchte, keine Frage, aber nicht jeder muß ausstellen. Das ist wie mit der Musik, wer kein Instrument spielen kann, muß auch kein Konzert geben.
Und was die Bankkunsthalle angeht, vielleicht ist es doch nur eine lokale Bankfiliale, wer weiß.
