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Mo Juli 27th, 2015

3D-Rekonstruktion in der Restaurierung – Beispiel Lenbach Haus München

Das ist ja mal sehr interessant, was die 3D Scan und Druckertechnik auch für die Restaurierung bzw. die Rettung von kunsthistorisch wertvollen Objekten leisten kann. Oft sind diese Objekte ja immer wieder, natürlich zeitlichbezogenen Restaurierungen unterzogen worden. Diese haben nicht immer das Original und die Entstehungszeit beachtet, gerne aber den eigene Zeitgeschmack. Daher sind die Objekte oft weit entfernt von den Ursprüngen.
Und Teile fehlen oft ganz, so dass entweder etwas weiter Fehlt (Hand, Arm, Kopf etc.) oder es wird rekonsturiert. Die neuen Möglichkeiten von Scanverfahren und 3D-Druck sind schon erfreulich weit, wie jetzt das Lenbach Haus in München mitteilt.
Dort wird immer mal in Ausstellungen die eigene Sammlung die Franz von Lenbach als Kunstsammler zusammengetragen hat gezeigt. Künstler, auch Zeitgenossen von Lenbach waren oft kundige Sammler alter Kunst, nicht nur als Vorbilder oder Motivfundus für das eigene Werk, sondern oft auch als bewundernde Betrachter, die Werke vergangener Epochen zu schätzen wußten, als der zeitgenössische Mainstream diese nicht schätzte. Denkmal und Objektpflege sozusagen gleich mit.
Seid Juni 2015 wird nun erstmals in München ein lebensgroßes Kruzifix präsentiert, das 2014–15 im Zentrum der Restaurierungsaktivitäten des Lenbachhauses stand.

Lenbachkruzifix Bildquelle: Lenbach Haus, München

Die Skulptur ist durch Ausdrucksstärke, klare Formensprache und Feinheit des Schnitzwerks unverwechselbar und zählt zu den bedeutendsten Beispielen spätmittelalterlicher Kruzifixe aus dem süddeutschen oder Tiroler Raum.

Das Werk zeigt Spuren einer bewegten Geschichte: Es gelangte vom Kirchenraum ins Freie, von dort in den Kunsthandel und letztlich in Lenbachs Sammlung. Diese Vergangenheit ist am heutigen Erscheinungsbild der Skulptur deutlich ablesbar. Die ursprüngliche polychrome Fassung ist weitgehend verloren gegangen, mit ihr mehrfache spätere Überarbeitungen. Das Holz liegt großflächig frei, womit nicht mehr die Farbe, sondern die herausragende bildhauerische Qualität den Gesamteindruck prägt.

Durch eine intensive Untersuchung und Konservierung konnten fragmentarisch erhaltene Farbfassungen sichtbar gemacht und zeitlich zugeordnet werden. Damit wissen wir heute, dass das Kruzifix insgesamt drei Mal überfasst war. Jede dieser Überfassungen war farbig anders gestaltet, insbesondere die letzte wich deutlich vom originalen Stil ab.

Um das Kruzifix zu rekonstruieren und die verloren gegangenen Farbgebungen zu visualisieren, kam im Lenbachhaus erstmalig modernste 3-D-Technik zum Einsatz. Im Rahmen einer Kooperation mit Prof. Joerg Maxzin und Gerd Brändlein von der Technischen Hochschule Deggendorf wurde die originale Skulptur gescannt, virtuell teilrekonstruiert (Finger und Zehen) und in verkleinertem Maßstab 3-D-gedruckt. Auf Grundlage der Untersuchungsbefunde konnten in einem weiteren Schritt die Grundierung, Vergoldung und farbige Fassung auf den 3-D-Modellen ausgeführt werden: Modell 1 zeigt die originale, spätmittelalterliche Fassung, Modell 2 zeigt die dritte und letzte Überfassung. Beide Rekonstruktionen machen die Bedeutung der Farbgestaltung für die Wirkung des Kruzifixes auf eindrückliche Weise nachvollziehbar.

Im Rahmen der Konservierung wurde die äußerst gefährdete Skulptur erfolgreich in einen stabilen Zustand gebracht. Alle Fassungsreste sowie einige Holzpartien wurden gefestigt und lose Holzteile angebracht. Die Ergebnisse der Oberflächenreinigung ermöglichten wertvolle Hinweise für die Rekonstruktion der Farbgebungen. Unsere Rekonstruktionen stützen sich auf eine Vielzahl an Hinweisen, die hauptsächlich am Original gewonnen, aber auch durch Vergleichsbeispiele und den Austausch mit Experten ergänzt wurden.

Beispielsweise leitet sich die Formgebung der Finger und Zehen von der Schnitztechnik eines noch erhaltenen Fingers ab. Die Darstellung der Dornenkrone und des Strahlenkranzes basiert auf einer historischen Aufnahme des Kruzifixes um 1900, die noch beide Attribute zeigt.
Unsere Präsentation erlaubt die Zusammenschau von Original und Modell. Im Ergebnis stellen die zwei Modelle eine weitgehende Annäherung an die früheren Erscheinungsbilder dar. Der markante Unterschied der beiden Fassungen verdeutlicht die Rolle, die der Farbe als Gestaltungselement in der Gattung Skulptur zukam. Ein Element, das heute durch die Spuren der Geschichte verändert und sogar oft verloren ist.

Öffnungszeiten: Di 10-21 Uhr // Mi – So 10 – 18 Uhr
www.lenbachhaus.de




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