KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mi November 11th, 2009

Woran liegt es das Kunst nicht ernst genommen wird? – Nehmen wir Kunst ernst?

Kunst als lebensbereicherndes, existentielles kreatives Schaffen, jenseits von Bildungschancen, Kommunikationsfähigkeit oder Ausdrucksmöglichkeiten, was die Kunst für die Menschen auf der ganzen Welt so wichtig macht. Da an Kunst aber oft keine Glaubenssätze hängen, keine Wertevorstellungen manifestiert werden, ist Kunst eben „luftig, leicht, weich, bunt, unseriös, schlampig, billig, überflüssig, Luxus oder Quatsch“.

Künstlerinnen und Künstler begegnen dem Gefasel von „freiwilligen Leistungen“ und „weichen Standortfaktoren“ vielfach mit Humor, weil sie es besser wissen, dass das nicht stimmt oder mit Boykott. Leider auch immer oft mit Demut, die signalisiert, „Tut mir leid, dass ich ein Künstler/eine Künstlerin bin, aber ich möchte auch nicht stören.“

Aber vielleicht ist es genau das. Wir alle Kreativen im Allgemeinen nehmen uns nicht ernst, vertreten unser Anliegen Kunst zu leben nicht offensiv und lassen uns von den paar Haushaltspolitikerinnen und Politikern immer gerne den Schneid abkaufen, weil die so klug schwätzen über Zahlen, und erkennen nicht, dass die da oft auch keine Ahnung von haben. Aber soweit kommt es ja nicht. Das erste Erschrecken reicht und schubs sind wir in der Demutshaltung einer Bittstellerzunft. Das können wir richtig gut. Aber vielleicht machen es die Institutionen, die angetreten sind, Kultur zu fördern ja anders, könnte man denken. So quasi per Amt ist man wichtig. Und was passiert: In gebetsmühlenhafter Häufigkeit kommen die Einladungen zum „Kultur-Marktplatz“ und zum „Bildungsdialog“.

 

In jedem harten Business wäre von Messe oder ähnlich Wirtschaftlichem die Rede. Nein die luftige Kultur muss an die „Marktplatzluft“. Das ist so schön unverbindlich oder was soll uns das sagen. Die eingeladenen Kreativen dürfen um sonst rein, (sonst ist auch keine Masse zu machen) und sie dürfen auch ab 8.30 Uhr aufbauen (nicht dass jemand dafür da wäre, geschweige den ein Messebauteam) und ein paar Handverlesene dürfen als Bittsteller auch aufs Podium. Wichtiger sind natürlich die Bildungspolitikerinnen und -Politiker, die die große Bühne gerne haben und die wieder mal Plattheiten sagen werden, „gehen Sie auf die Schulen zu“, oder „machen Sie Angebote, die in den Lehrplan passen“ und die Integrationsbeauftragten werden dazu milde nicken „hier ist Ihre (des Künstlers) Klientel“.

Aber das die Kreativen eben auch hier nicht ernst genommen werden und dass der Umbau der Bildungspolitik schon viel weiter ist, als es gerne zugegeben wird, wird auch in den Einladungen deutlich. Bei Themen wie „was passiert, wenn der Künstler in die Schule kommt“ wird vorausgesetzt, dass sich die Schule zu so toll formulierten „Kultur Orten“ eben nicht mehr aufmacht.

Natürlich ist das dann besserer Kunstunterricht, der ja sonst fehlt, da die Lehrkräfte nicht gefunden werden. Und was passiert dann? Es fehlt das Geld mit gescheiten Ölfarben auch mal malen zu können, da den Eltern das Geld fehlt. In der Schule ist eben Schule (Schimmel, alt oder toll ausgestattet, egal) und eben nicht das Atelier, die andere kreative Atmosphäre, ein Raum, in dem auch Migrationskinder aus einfachen Verhältnissen Kreativität und ernsthaftes kreatives Arbeiten kennenlernen können. (wobei gerade in manchen Migrantenfamilien Musik und Kunst hochgehalten wird, hier ist oft bei den Nichtmigranten viel mehr Nachholbedarf)  Oder verunsicherte Jungs männliche Künstler als Vorbilder kennenlernen können. Oder Mädchen erleben,  dass Friseurin nicht alles ist. Und das Erleben, dass auch wenn die Eltern Kunst für Quatsch halten, ein erwachsener Menschen seinen ganzen produktiven Tag malt, schafft, kreativ ist und seine eigene Norm erfüllt und nicht die der Stechuhr. Jemand nicht Angst um seinen Arbeitsplatz hat, oder verinnerlicht worden ist, dass Hartz 4 doch eine prima Sache ist. Hier kann so viel bewegt werden außerhalb der Schule, aber das geht ja nicht mehr, weil ja G7 ja sonst nicht funktioniert und dass ja ein politisches Dogma ist. Schade, dass niemand den Mut hat, das wieder zu verändern. Was haben wir den mit Bachleor und Masterstudiengängen, die an den Unis nicht gescheit laufen. Menschen die, weil sie im eigenen Land Krise und Angst verinnerlicht haben, gerne mal weg gehen, oder ausgebildete Künstlerinnen und Künstler die zu 90 % in den ersten drei Berufsjahren aufgeben und etwas anderes machen. Wenn das so gewollt ist, dann man weiter so, aber dann brauch sich niemand mehr zu wundern, dass diese selbst gemachte Perspektivlosigkeit auch mal in Gewalt umschlägt.

Aber bevor es soweit ist, wäre es doch schön, die Kunst mal ernst zu nehmen und nicht  nur als Folie, wo Hedgefondsmanager zurecht ihre Kohle versenkt haben. Ist das Kunst oder kann das Weg? Aber genau da stehen anscheinend viele Macherinnen und Macher und Kultur- und Bildungspolitiker. Und weil sie auf der spärlichen Kohle in Form von Fördertöpfchen sitzen, wird gerne dort gekuscht. Und das sind die wirklichen Mangelverwalter in der Republik. Die großen Summen sitzen, wo anders und da kommt, man und frau nur hin, wenn man sich erstmal selber ernst nimmt und das auch Mal herüberreichen kann.

Was kann man tun? Mal nicht hin gehen. Vielleicht mal eine eigene Messe organisieren, Netzwerke mit den Akteuren vor Ort pflegen, die persönlichen Kontakte zu den Kunstlehrerinnen und Kunstlehrern knüpfen und mit ihnen Projekte aushecken, usw. nur Marktplätze haben wir schon genug. Und im Zeitalter des Web ist es fast schon eine Frechheit, zu meinen Künstlerinnen und Künstler könnten sich nicht vernetzen. Aber dass wird von Leuten vertreten, die sich ihre Emails von der Sekretärin ausdrucken lassen. Träumt weiter!

 

 

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3 Kommentare to “Woran liegt es das Kunst nicht ernst genommen wird? – Nehmen wir Kunst ernst?”

Brunopolik sagte:

Die Träume eines Künstlers heute:

Durch Kunst und Kultur ist der Mensch erst Mensch. Kunst und Kultur sollte daher nicht von bürokratischen Institutionen abhängig sein. Im Gegenteil. Sie begreifen Kunst lediglich im Rahmen ihrer spießigen Kleinbürgerwelt. Kunst muss sich der Institutionen bedienen und nicht umgekehrt, wie es heute und immer wieder überall geschieht. Aber Kunst braucht natürlich auch Förderung und Freiräume, will sie sich entwickeln und die Menschen erreichen. In diesem Paradox bewegt sich Kunst, und zwar immer schon. Aber Kunst, wenn sie denn welche ist, hat die Kraft, sich der Märkte zu entledigen. Sie findet den Weg. Da bin ich ganz optimistisch. Und das Web wird eines der heutigen Mittel von Kunst werden.

Mi 11. November 2009 at 20:15

utophantastoph sagte:

Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, was so der Gedanke hinter diesen Zeilen zur Kunst kritisiert. Mittel erlangen sich nur durch errungene Preise oder durch einen breiten Publikumszuspruch, wenn jemand nun aber in seinem Stil schreibt und auch gestaltet, dann ist damit kaum auch nur der plakative Blumentopf zu gewinnen, denn es ist eben nicht so jenes, was denn für eine Vorliebe einer Masse wirklich zuträglich ist. Ich bin nun ein durch und durch ästhetischer Mensch, ich habe ein sehr ausgeprägtes Kunstverständnis, habe bereits auch schon einige Bilder gemalt, beschäftige mich mit alter Literatur, also jene aus dem 19. und 20. Jahrhundert, schreibe selbst auch surreal anmutende Texte, doch ich bin nicht sehr selbstbewusst, ich sehe mich zudem nicht als für die Öffentlichkeit gemacht, denn jede Kunst ist doch auch die den Menschen über sich selbst hinaus erhebende Gestaltung eines inneren Erlebens. Der Künstler empfindet jene Zeit, in der er lebt, wohl kaum als eben jene Zeit, die ihm (ihr) denn freigiebig seine (ihre) Ideen zu verwirklichen hilft, Kunst zu schaffen ist immer innerer Kampf, eine Weitsicht, eine veränderte Denkweise, ein Drang in dieser Form eine verzerrte Realität zur Verzerrung ihrer selbst zu machen. Sehen Sie sich vielleicht mal diese Seite an, die ich als meine Webseite angegeben habe, das ist dort zwar eine sehr auf diese vielfältig von mir kritisierte Lebensweise hin ausgerichtete Plattform, auf diese Weise enstehen aber keine Kosten und eben darum ist es ja als künstlerlisch ambitionierter, doch nicht sehr gefragter oder überhaupt gar nicht mal bekannter Schöngeist und Idealist und Autodidakt,..nicht so sehr gut bestellt. Ich habe jedenfalls diesen Text mit Interesse gelesen und kann diese Ausführungen, dass also die Kunst im Leben an sich einen zu geringen Stellenwert besitzt, wirklich von mir aus mehr als bestätigen.

Viele freundliche Grüße,

Utophantastoph

Fr 20. November 2009 at 21:05

Margit Hohenberger sagte:

Hallo, ich denke, dass Kunst etwas anderes ist als Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und eigenen Gesetzen folgt. Wenn Kunst nicht selbstbewußt auftritt, liegt es vielleicht auch am Künstler. Und doch ist Kunst auch ein Weg sich selbst bewußt und dann an die Öffentlichkeit zu treten. Mir wird eher Angst, wenn Kunst gefördert – und damit vereinnahmt wird. Ich für meinen Teil versuche mit meiner Keramik Kunst einfach Kunst zu machen und nutze alle Wege an die Öffentlichkeit. Ob mich immer alle verstehen? Ich nehme mich und meine Kunst ernst und damit ist der Anfang gemacht. Viele Grüße, schöner Blog, Margit

Sa 5. Dezember 2009 at 17:05

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