KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Do November 19th, 2009

Kosten sind nicht alles – VDI meldet Insourcing – Ändern sich Einschätzungen auch gegenüber der aktuellen Kunst?

Was hat der VDI mit Kunst zu tun, kann man fragen? Vielleicht mehr als man denkt, wenn man in einer aktuellen Studie des VDI lesen kann, dass mehr Firmen wieder nach Deutschland zurückkehren als das Firmen auslagern. Die Quote ist so niedrig wie vor 15 Jahren. Und das in Zeiten der Krise, die „Kostenoptimierung“ (Verlagerung in Länder mit niedrigere Lohnkosten, niedrigere Produktionskosten, etc.) nicht mehr der Weisheit letzter Schluss ist, da auch in Europa und im Rest der Welt die Lohnkosten gestiegen sind, die Produktionsqualität nicht so ist wie „zu Hause“, die Kommunikationswege doch recht lang sind und „Made in Germany“ eben doch, was zählt. Vielleicht erleben wir ja noch den Boom der heimischen Textilindustrie, nachdem wir bis zur Krise ja das Boomen der Eisen-, Stahl und Kohleindustrie bestaunen konnten? Ein Paradigmenwechsel? Wir werden sehen.

kunstisttheanswer

Bildquelle: Kunst is the answer

Was hat das mit Kunst und Kultur zu tun? Ganz einfach, einmal sind diese Zeichen erfreulich für Europa und Deutschland, schließlich leben hier auch noch ein paar Menschen. Und vielleicht kommen die Krisenerscheinungen ja wie Haushaltslöcher und Arbeitslosenrekorde, dann doch nicht so groß daher. Zum anderen kann man sich anhand der Entwicklung fragen, ob die Weisheiten der Wirtschaft, vielleicht doch nicht so unumstößlich sind. Vielleicht sind diese Konzepte wie Verlagerung, Outsourcing, Rund-um-die-Uhr-Programmierung der doch komplexer als die Theorie erlaubt, weil Inder eben auch Menschen sind, weil Sprachen und Kulturen eben auch komplexer sind und nur weil alle englisch sprechen, verstehen sie sich trotzdem nicht, da Bedeutungen schon mal variieren können, man und frau was anders verstehen und der kulturelle Hintergrund doch nicht so egal ist.

Menschen können Veränderungen machen, können Erkenntnisse entdecken und manchmal aus Fehlern lernen. Warum sollte das nicht auch in der Kulturpolitik, der Förderarithmetik und der Wertigkeit von Kultur möglich sein. Und dann könnte noch was anderes greifen. Kunst kann auch von Künstlerinnen und Künstlern gut sein, die älter als 35 Jahre sind, kann auch gut sein, ohne dass sie in New York oder Berlin leben, ohne Shootingstarcharakter zu haben.

Allen gemeinsam ist aber, Künstlerinnen und Künstler müssen gesehen werden, brauchen Ausstellungen, brauchen Öffentlichkeit und Menschen die Freude haben sich mit den Werken auseinanderzusetzen. Eine Kultur des Wertschätzens und des aufeinander zugehen. Natürlich kann das nicht jeder Betrachter oder jede Kunstfreundin, dass sie oder er ständig in Ateliers gehen, aber da sollte es doch die Zwischeninstanzen geben. Museen mit Sonderausstellungsmöglichkeiten, Galerien, kurz Räume für Kunst in denen auch Gruppen von Künstlerinnen und Künstlern durch gemeinsame Ausstellungen voneinander profitieren können. Natürlich sind Einzelausstellungen gut, aber auch die sich nicht das Allheilmittel, ebenso wenig wie das denken „ich bin genial und wer mich nicht versteht, ist doof“. Beide Seiten brauchen die Chance, zeigen und sehen dürfen, zeigen dürfen und sehen können. Hier sind die vielen Institutionen gefordert sich nicht mit dem Kopf in den Sand in die Krise zu geben und hoffen das bald alles vorbei ist.

Lobbyarbeit ist wichtig, aufmerksam machen auf das Gut Kultur, jeder und jede an seiner Stelle. Und beim Sparen ist der Kulturetat mit seinen 1.9 % eben nicht die Masse. Diese Weisheiten immer wieder hochhalten. Andere gesellschaftliche Gruppen machen es gerade wieder vor. Die Landwirte der Republik bekommen wieder massenhaft Unterstützung, warum, nicht nur weil die Deutschen so landromantisch sind, weil die Lobbyarbeit stark ist und VIEL Geld verteilt wird. 20 Euro pro Kuh. Da wäre doch 20 Euro pro gemaltem Bild ein Klacks in Sachen Unterstützung. Oder die 1%-Beteiligung der Kunst- und Kulturförderung vor Ort an den Einnahmen des ruhenden und des geblitzten PKW Verkehrs.

Paradigmen sind möglich, Kultur und Kunst sind mehr als „freiwillige Leistungen“ der öffentlichen Hand.

Wie wär´s den mal mit: Gutes Geld für gute Kunst, Sammlungsetats in jeder Gemeinde in der Republik, viel positive Öffentlichkeit für Firmen die Kunstförderung und Förderung von Künstlerinnen und Künstlern in den eigenen Statuten haben, Aufnahme des Atelierbesuchs bei Künstlerinnen und Künstlern in die Schulcurricula mit finanzieller Honorierung durch ein Mengenmodell für die „Kopfanzahl“ der beteiligen Mitglieder der Lerngruppen, in jeder Kreisstadt einen Frühling- und Herbstsalon im wertigen Ambiente und zusammengestellt von unabhängigen Jurys. Subventionierter Sprit für Kunsttransporte, steuerliche Absetzbarkeit für Kunstkäufe, und, und, und.

Wer noch schöne Ideen zur Kunst- und Kulturförderung hat, kann gerne die Liste per Kommentarfunktion erweitern. Oder wer ein Impulsreferat für die Durchführung solcher Maßnahmen braucht, kann sich ebenfalls gerne melden.

[ad#ad-fuer-beitraege]




hier kommentieren to “Kosten sind nicht alles – VDI meldet Insourcing – Ändern sich Einschätzungen auch gegenüber der aktuellen Kunst?”

Dieser Beitrag wurde bislang nicht kommentiert.

Hinterlassen Sie eine Nachricht

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>