KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mo April 26th, 2010

Der Boxkampf in der Kunst – Mythos und Wettkampf

Zivilisationen die sich zugute halten eine höhere Stufe erreicht zu haben, brauchen trotzdem einen Nervenkitzel. Und was läge da nicht näher, sich dem Boxen zuzuwenden. Die Trendsportart der Weimarer Republik, in der Antike mit einfachen Mitteln und keiner Sportkleidung ausgeführt, (wenn man sich die antiken Vasen ansieht) und in der deutschen Nachkriegsgeschichte auch gerne und oft von Künstlern ausgeführt.

Legendär der  Boxkampf von Joseph Beuys gegen den Studenten Abraham David Christian, der am 8. Oktober 1972 am Ende der 5. documenta im Raum von Ben Vautier im Fridericianum stattfand. Für alle die nicht dabei waren, Beuys gewann nach drei Runden mit einem Punktsieg.

Den Boxsport aktiv auszuführen ist Künstlern und zunehmend Künstlerinnen nicht fremd. Das zeigte 1995 eine Ausstellung mit dem Titel: Ausstellungen / “Sport und Kunst, Boxen”, die die Galerie Ricarda Fox zeigte. Meistens handelte es sich jedoch um die malerisch ausgeführte Faszination des Themas.

Kraft, Durchhaltevermögen, Ästhektik und athletischer Körperbau, gepaart mit Dynamik und Bewegungsabläufen, die alles koordinieren: Beinarbeit, Taktik, Schlagbewegungen und das alles ohne wirklich lange Pausen, immer offen, immer im Vorwärtsgang. Jeder Selbstzweifel oder aufkommende Angst, kann zur Niederlage, zum K.O. führen.

So gesehen sind die Momente die für Künstler am Boxkampf interessant sind vielfältig. Das zeigt auch eine klassische Kampfsituation, die der britische Maler David Beavan festgehalten hat. In leichter Untersicht werden die beiden muskulösen, nackten Kämpfer beim Schlagabtausch gezeigt. Der linke Kämpfer trifft mit seiner linken Schlaghand den Kopf des Gegners. Sein Mund ist aufgerissen und einen den Schlag begleitenden Stöhnlaut kann man erahnen. Entschlossenheit und Spannung im Körper und Gesicht des Kämpfers lassen ihn überlegen erscheinen. Sein Gegner trifft mit seiner Führhand ins Leere, seine linke Schlaghand ist noch nicht zum Kopf des Gegners unterwegs. In diesem Moment trifft ihn der Schlag am Kopf. Wird es ein Wirkungstreffer sein? Kann er kontern? Ist der Kampf gleich aus? Diesen Moment hat der Maler eingefangen und stellt den erbarmungslosen Kampf offen für die eigenen Interpretationen dar.

Einen anderen Weg sind die beiden Künstler Matthias Poltrock und Wolfgang Meluhn bei ihrem malerischen Boxkampf gegangen. Auf 15 Runden angesetzt, an den legendären Kampf Ali gegen Foreman angelegt, haben beide sich für “Giganten”-Formate im Schwergewicht entschieden.

Beide malten abwechselnd an vier Boxportraits der ehemaligen Schwergewichtsweltmeister Muhammad Ali, George Foreman, Mike Tyson und Evander Holyfield. Die 2,30 x 1,40 Meter großen Leindwände wurden so zum Schauplatz zweier unterschiedlicher Maler. Meluhn der figurativ arbeitet und Poltrock der abstrakte Malerei favorisiert waren so im Gegensatz der eigenen Arbeit und mussten sich den Bedingungen des jeweils anderen stellen.

Zur Freude der Zuschauer, die zahlreich über zwei Tage dem “Boxspektakel” beiwohnten lieferten sich beide nicht nur malerische sondern auch verbale Duelle, die bei beiden eloquenten Künstlern zwischen humorvoll, sarkastisch, bissig und immer treffend hin und her schwankten. Bei der Schwergewichtsdistanz von 15 Runden konnten die Zuschauer tatsächlich phasenweise Überlegenheiten und Taumeln, Gleichwertigkeit und Mattigkeit aber auch die zweite Luft erleben.

Der Kampf ging über die volle Distanz und endete Remis, da der Malerfuchs Meluhn seine ganze Erfahrung von 30 Jahren Künstlerschaft ausspielen konnte und der jüngere Poltrock zwar seinen Trainingsvorsprung und seine Dynamik gepaart mit Schlaghärte einsetzte, Meluhn es in kritischen Momenten aber immer verstand so klug auszuweichen und selber zu treffen, dass das Unentschieden gerechtfertigt war.

Wie bei den großen Fights der Meister waren Prominente aus Politik und Gesellschaft ebenfalls am Ring. Jedenfalls hat der malerische Boxkampf wieder bewiesen wie groß die Faszination der Kunst und des Boxens ist. Die vier geschaffenen Werke werden mit den während des Kampfes entstandenen Zeichnungen in einer Ausstellung gezeigt werden.

Ähnliche Artikel:

  1. Imperium-Konflikt-Mythos: Kunst und Geschichte im Dreierpack
  2. Düsseldorf goes Mode und Kunst – Voices of Fashion
  3. Kunst is the answer – Wolfgang Meluhn – der Film




3 Kommentare to “Der Boxkampf in der Kunst – Mythos und Wettkampf”

Wolfgang Meluhn sagte:

Das war ein hartes Wochenende, ganz im Gegensatz zu den Gute Nacht-Ansichten von Bielefeld. Da konnten die Zuschauer sehen, wie um ein gutes Bild gerungen wird. Beide Maler suchten die Deckungslücken beim anderen, um dann mit gezieltem Schlag wahren Eindruck zu erwecken. Zum fairen Kampf gehörte es, klare Treffer auch einstecken zu können. Und die Zuschauer genossen die unterschiedlichen Bildeindrücke, die die Kontrahenten auf der Leinwand vorlegten.
Wie ein Zuschauer formulierte: Ein klasse Kampf mit einem klasse Ergebnis.

Mo 26. April 2010 at 22:32

André Debus sagte:

Wussten Sie auch, dass Jan Hoet ein begeisterter Boxfan ist? Er hat früher selber geboxt und heute hat er so seine Theorien über die Verbindung zwischen Boxen und Kunst. In einer der letzten Ausgaben der Kunstzeitung gab es ein Interview mit ihm in der er viele Verbindungen zwischen Künstlern und dem Boxsport nennt.

Di 27. April 2010 at 22:10

kunstfreunde-blog.de sagte:

Hallo André, ja vielen Dank für den Hinweis. Schade das er nicht mehr MARTa-Chef ist, dann hätten wir das Event bestimmt dort machen können.

Di 27. April 2010 at 22:15

Hinterlassen Sie eine Nachricht

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>