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Mi Januar 30th, 2008

Das Portrait für die Ewigkeit – 100 Menschen 100 Köpfe von Tilmann Krumrey

Beim Vorbereiten eines Vortrages über Konstantin den Grossen, bin ich über das Projekt des Künstlers Tilmann Krumrey gestolpert. Dort wird ein Kopf eines Zeitgenossen oder Zeitgenossin vom Künstler gefertigt und in Bronze oder Silber gegossen. Eine Miniauflage max. 4 Stück entstehen. Einer für den Künstler, einer fürs Modell und nach Bedarf die beiden anderen. 10 % werden an eine gemeinnützige Organisation gespendet.

Erstmal finde ich das Projekt so herrlich „anachronistisch“, da wir heute doch gewohnt sind, dass man sich entweder fotografieren lässt oder maximal malen. Aber als Skulptur, genauer ein gegossener Kopf, das ist klasse.

Mit der Kaiser- und der Nazizeit war es ja vorbei, dass man lebende Grössen in Bronze oder Stein goss und so versuchte zu verewigen. Grossartig, weil so etwas eigentlich nur noch im Museum vorkommt oder bei den römischen Kaisern. Von denen haben wir ja einige Köpfe in Museen, weil die Figuren dazu oft zu Klump gehauen wurden. Bei Kaiser Konstantin z.B. ist bei der Trierer Ausstellung „Konstantin der Grosse“ computeranimiert der Rest des erhaltenen Kopfes aus den Kapitolinischen Museen erstmals wieder rekonstruiert worden.

Das Zeitgenossen, zugegeben für einen guten Preis, sich als Portraitkopf verewigen lassen können, ist deshalb neu, weil wir als Blogosphäre ja von „Normalos“ ausgehen, so Leuten wie Du und ich und nicht von Geistes-, Kultur- oder sonstwie Größen. So wird Verewigungspotential sozusagen demokratisiert. Kritiker könnten meinen, der Preis sei für alle Menschen zu hoch, aber es sollen ja auch nur 100 werden und nicht 90 Millionen und die Arbeit, siehe Internetseite des Künstlers, ist so aufwendig und dicht dran am Modell, dass das schon gerechtfertigt ist.

Die Portraitköpfe sind lebensnah, also realistisch. Das ist ja auch ein wenig aus der „Kunst“-Mode gekommen und werden per Web 2.0 als Blogprojekt öffentlich gemacht. Das ist ein weiterer Baustein der „Verewigung“, da uns ja z.B. die römische Geschichte lehrt, dass auch tausendfach vorkommende Marmorportraits nicht das Überleben 2000 Jahre lang garantieren. Vielleicht ist die Materialität und das Cyberspace hier ja hilfreich und kann sich gut ergänzen.

Bin auf die Entwicklung gespannt und überlege ob ich nicht auch,….

Viel Erfolg




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