KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mi Januar 27th, 2010

Zeit online fragt Sammeln wir die falsche Kunst – wer ist wir?

Mit Interesse habe ich den Artikel von Peter Raue im Kunstmarkt vom 15.1.2010 bei Zeit-online gelesen. Die Frage ist „Sammeln wir die falsche Kunst?“, wobei das „Wir“ im Laufe des Artikels auf wenige Galeristen, Sammler und Sammlungen fokussiert wird.

Die spannende Frage ist ja, was bleibt, was ist so gut, dass 100 Jahre später die Werke bestand haben und wie funktioniert der Kunstmarkt, der kein objektives Kriterium für Qualität etc. besitzt. Den Preis eines Bildes z.B. nach den Quadratzentimetern zu bemessen ist ja ein hilfloser Versuch der Objektivierung oder die Maldauer (da kommen ganz schnell „normale“ Monatsgehälter zusammen) zu berücksichtigen, usw.

Das Problem stellt sich doch schon ein, wenn nur Künstlerinnen und Künstler unter 35 Jahren interessant sein können. Oder Hochaltrige wie wir es in New York mit Louise Bourgoise und Carmen Herrera erleben. Interesse und gegenseitiges Hochpuschen und ein virtuoses Spiel mit den Medien ist die Mischung. Und dann ganz viel freies Geld, das Rekordsummen überhaupt möglich macht. Und dann haben wir ja gelernt, dass viele Menschen die viel Vermögen haben, eben gerne noch mehr Vermögen hätten. Man kann es auch Gier nennen. Und wenn schon alle so reich sind, dann ist vielleicht die richtige Namensliste der Sammlung ein Unterscheidungskriterium.

Diesen Menschen, die so gar nichts mit dem „normalen (Künstler-)Leben“ noch gemein haben, kämen wahrscheinlich Atelierbesuche menschlich viel mehr zugute, aber die Sphären sind da so weit auseinander, dass der Limousinenshuttle und der Champagnerempfang beim Hip-Galeristen wohl sein muss und z.B. eine Scheune im Ostwestfälischen würde da nicht hineinpassen.

Der Zugang einmal zur Kunst und einmal zu Menschen, die ihr Geld da hineingeben wollen, ist wie immer das Zaubertor. Aber es wäre Illusion zu meinen, dass es im Kunstmarkt anders läuft als z.B. bei den Aktien. Glauben, Insiderwissen oder zu vermuten, dass es Insiderwissen gibt und laut und lesbar darüber schreiben und reden ist wie immer die Bewegungsmaschine.

Kommunikation hilft auch hier, aber was bleibt, ist eben Zufällen (Krieg, Erdbeben, Brand) aber auch Ankäufen oder guten Ausstellungsmachern in der Zukunft anheimgestellt.

Was der normale Kunstfreund oder die Kunstfreundin machen kann, ist trotzdem bei Künstlern der Zeit kaufen, trotzdem sich beschäftigen und Geld ausgeben, wenn welches da ist, da Kunst eben mehr ist als Dekor an der Wand. Sie ist mehr als eine Wertanlage, mehr als Zeitvertreib. Kunst ist für die wirklichen Künstlerinnen und Künstler (auch hier lohnte sich ein Kriterienkatalog) Lebensmotor, ist für Kunstkäufer seelische Erweiterung und für Menschen die kreativ tätig sind (keine Profis) auch Hilfe zur Bewältigung des Lebens oder von Krise oder bei den Kindern angefangen sichtbares Zeichen des eigenen kindhaften Könnens in einer Welt der Erwachsenen. Kunst kann so viel und ist für alle Menschen so wichtig.

Leider gibt es oft nichts dazwischen zwischen Kunsthandwerk und Malen nach Zahlen und Millionenbildern und das ist das Versäumnis der Zeit, nicht das Problem der „falschen Bildersammlungen“, das kommt erst in der Zukunft und diese Sichtweise können wir heute nur marginal kontrollieren, auch wenn es Interessenten gibt, die uns das vormachen wollen.  Jetzt ist das einzig Wichtige und jetzt können wir alle was tun.

In diesem Sinne ist „Kunst is the answer“.

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