KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mi Februar 16th, 2011

Vermittlung wohin man schaut – aber woher kommt der Inhalt?

Es ist schon erstaunlich in diesem Land. Die öffentliche Förderstruktur für Kunst- und Kulturprojekte hat sich unter dem europäischen Diktat der Metropolen und dem Pisaschock doch sehr verändert.
Jede Institution und jeder Kunstverein und jeder Ausstellungsveranstalter, egal ob Kommune, Galerie oder Altenheim muß unbedingt nicht nur Kunstausstellungen zeigen, damit sich im Haus was tut, oder damit der Schauwerbegestalter gespart wird, es muß unbedingt ein Vermittlungsprogramm her.
Früher etwas sperrig „Museumspädagogik“ genannt, heute z.B. Kulturscouts, Kulturstrolche, Kulturkids, Junge Vhs, etc. Gemeint ist die gruppengerechte soll heißen (Kinder-, Jugend-, Alten-, etc. ) Führung. Und vielleicht noch malen im Museum oder was auch immer.
Vermittlung muß sein, sonst gibts kein öffentliches Geld. Das ist ganz toll, weil einmal die Institutionen das immer schon gemacht haben und zum anderen, weil früher auch noch Mittel für das Personal, dass eben diese Führungen machen konnte da war. Heute nicht mehr.

Und noch etwas anderes wird nicht mehr unterstützt. Der Ankauf von Kunst. Das ist einmal für die bestehenden Sammlungen schlimm, da sie sich nicht weiter aufbauen können bzw. ganze Zeitabschnitte von zeitgenössischer Kunst gar nicht mehr in Sammlungen vorkommen und zum anderen, dass die Künstlerinnen und Künster die den „neudeutsch: Vermittlungscontent“ produzieren nicht mehr verkaufen können.

Also ist immer weniger Medienkunst, Kunst die den Zeitgeist reflektiert in Museen und Ausstellungen zu sehen. Nicht weil es ihn nicht gibt, nein, die Sammlungen können nicht mehr ankaufen. Und das in dem ganzen öffentlichen Bereich. Nicht nur kommunale Sammlungen haben keinen Ankaufsetat mehr, Kunstmuseen jeder größe Kunstvereine etc.

Wer noch kaufen kann, dass ist der private Sammler mit größeren Mitteln, so dass Werkreihen oder typische neue Techniken nur dort vorkommen. Das mag ja verkaufstechnisch für die Künstlerinnen und Künstler gleichbedeutende sein, ist es aber vermutlich nicht, aber für das kollegtive Gedächtnis ist die Konzentration auf wenige anstatt früher auf viele eher schlecht.

Wenn nur drei der großen privaten Sammlungen mal brennen, schlägt der Überlieferungszufall zu und es gibt jede Menge zeitgenössische Kunst nicht mehr.

Das war früher anders und auch die Breite der Künstlerinnen und Künstler die von den Ankäufen der Städte und Gemeinden profitiert haben hat deutlich abgenommen.
Und das ist eine der wirklichen Kunstprobleme zur Zeit. Allein aus der Vermittlungssicht, sollten die städtischen Sammlungen wieder ankaufen müssen und Bugets dafür da sein. Kunst im öffentlichen Raum z.B. darf auch mal ohne Sponsor auskommen. Und dann war da früher das Gießkannenprinzip, dass überall hin Geld für Kultur gab.
Bildquelle: Kunst aus dem Automanten, Regina Stolzmann

Heute regiert die Metropole, obwohl der demografische Wandel und die entvölkerten Regionen, erst 2050 leer sind. Bis dahin wird es noch ein paar Menschen geben, die durchaus auch kulturell interessiert sind und Kunst als Lebenselexier brauchen. Denn Invenstmentbanker kann nicht jeder sein und Geld kann man noch nicht mal essen. Aber Lebensqualität, Zeit und kreative Beschäftigung z.B. um nebenbei noch ein paar Patente zu entwickeln, dafür braucht es wenig Metropole.

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1 Kommentar to “Vermittlung wohin man schaut – aber woher kommt der Inhalt?”

Wolfgang Meluhn sagte:

Vermittlung ist ja gut, darauf warten wir Künstler ja seit über 150 Jahren; aber wer hat denn die Zeit?! Höchstens die albanischen Joghurtesser. Das ist zwar auch ne Kunst, aber nicht die, die wir meinen. Und was ist dann Kunst, so wie wir sie meinen? Nach dem, was die großen Häuser ausstellen, ist das das Neueste und Aktuellste, wie sie sagen. Purer Zeitgeist im Kunstmantel. Und da fängt unser Problem wieder an: Wir kennen Ragout im Blätterteigmantel, aber Zeitgeist im Kunstmamntel…? Ja da brauchen wir Vermittlung. Wie das Sprichwort schon sagt: … ein reines Katzengeschäft. Und zum Schluss ein kleiner Tip zur aktuellen Kunst des Zeitgeitz: Nachdenken hilft manchmal bei der Einordnung.

Sa 19. Februar 2011 at 11:47

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