Di April 27th, 2010
Künstler und ihr Publikum – ein Problem von heute?
Das Künstler und Künstlerinnen ihrer inneren Berufung folgen und ihre Kunst mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln entwickeln, zeigen und zum Kauf anbieten ist ein Kreislauf, der öfter an dem Punkt “Verkaufen” stockt.
Das geneigte Publikum findet die Arbeiten nicht kaufenswert. Schade. Entweder macht der Künstler und die Künstlerin weiter und hofft irgendwann einen Käufer zu finden oder gibt den Beruf auf.
Wenn man in der Kunstgeschichte schaut und sich fragt, ob das ein altes oder neues Phänomen ist, kann man feststellen, dass zwei Dinge dieses Kreislaufes älter sind als man denkt. Einmal einen Markt finden, ist eigentlich einfacher geworden, da mehr Haushalte Geld, das sie nicht zum Leben brauchen übrig haben und schwieriger, da immer mehr Menschen “Kunst” machen (und das was Deko ist und unpräzise mit Kunst beschrieben wird) und sowieso jeder weiß was Kunst ist.
Seine umfassende Berufung in der Kunst zu finden, sein ganzes Leben dem Streben des Kunstschaffens zu unterwerfen und Bilder zu finden die individuell vom Künstler gestaltet ausgestellt werden, startet eigentlich in Deutschland mit dem Künstler Philipp Otto Runge (1777-1810). Dieser fand seine Kunst, in dem Verlangen Gott den Menschen durch Kunst sichtbar zu machen. Er glaubte, dass seine Kunst eine große Hieroglyphe ist, die es schafft, mithilfe der Natur Gott und dessen Schöpfung den Menschen nahe zubringen. Sozusagen den Rest des Paradieses nachfühlbar und emotional erlebbar zu machen. Naturmystik ist eines der Schlagworte die für diese symbolische Malerei geprägt wurde. Runge war wichtig, dass diese neue (religöse) Inhaltlichkeit eine neue Kunst begründete. Seine Zeitgenössische hielt er für im Niedergang begriffen und leer.
Auch wenn der religiöse Inhalt für Runge elementar war und heute sicher dieser Ansatz schwer zu verstehen ist, war es doch seine Pioniertat individuell aus sich heraus seine Motive zu finden und mit der traditionellen Ikonografie zu brechen und so Symbolebenen zu begründen, die zeigen, dass hier der Künstler die Auswahl für seine Kunst schafft und das Publikum schauen soll und nicht urteilen, geschweige denn Mitsprache hat. Anders als sein Zeitgenosse Caspar David Friedrich erfindet Runge keine Landschaft, er nutzt die realistische Landschafts- und Figurenmalerei um seine Symbolebenen zusammenzubringen. Seine Hauptwerke sollten als Hausdekorationen Gesamtkunstwerke zur Erbauung werden. Ein krasser moderner Ansatz vor der Moderne, der auch die anderen Künste miteingeschlossen hätte. Aber schon Runge formulierte, dass die alte Vertrautheit zwischen Publikum und Künstler und seiner Kunst und der Verkaufbarkeit von Kunst zerbrochen sei und das die neue Zeit, neue Grundlagen liefern müsste.
Ja, das ist dann wohl unterblieben, zeigt aber dass das Kunstschaffen als existentielle und lebensbegründende sinnvolle Tätigkeit mit ihrer wirtschaftlichen Grundlage schon länger schmerzhaft diskutiert wird. Wie wichtig Kunst für das Leben im ganzen ist.
Aber vielleicht ist das ja auch alles virtuell und nur auf psychologischen Auswirkungen ausgelegt. Da ja auch eine Firma ein ganzes Land oder gleich mehrere in seinem Wert (!?) abstufen kann. Land, Staat, Heimat als Allgemeingut von Menschen wird von einer Firma, kapitalistische Unternehmensform, Besitzer des Kapitals, Interessengemeinschaft von wenigen abgestuft und alle drehen durch. Hört sich eigentlich wie die Glaubensthesen von Runge an,…
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Christiane Hoffmann, ist Inhaberin der






1 Kommentar to “Künstler und ihr Publikum – ein Problem von heute?”
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von howi erwähnt. howi sagte: Leseempfehlung: Künstler und ihr Publikum – ein Problem von heute? von @kulturzwitscher http://is.gd/bQT4o #KuMi [...]
Mo 3. Mai 2010 at 13:23
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