KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Di Juli 6th, 2010

Kreativland ist abgebrannt -gehts im Gesundheitsland besser?

Manchmal könnte man sich fragen, warum es eigentlich nicht möglich ist, den Produzenten von Kunstwerken, sprich den Künstlerinnen und Künstlern ein Honorar für ihre Ausstellungstätigkeit zu zahlen? Dort wo es sich um öffentliche Institutionen als Ausstellungsort handelt, werden am Ende des Jahres gegen Vorlage der Einladungen je Ausstellung 250 € durch die Künstlersozialkasse an ihre Mitglieder ausgezahlt, oder auf das eingezahlte Beitragsvolumen angerechnet. Dort wo es sich um Firmen, etc. handelt, wird das Geld den Künstlern gegen Rechnung ausgezahlt. Das wäre dann wie ein Honorar für einen Schauwerbegestalter. Der macht die Deko ja auch nicht umsonst. Warum das nicht flächendeckend passiert, kann ja der künstlerischen Organisation geschuldet sein. (Hat keiner dran gedacht, das salonfähig zu machen? Ist es peinlich, über Geld zu reden?)

Keine Ahnung, aber es ist so. Da schauen wir doch mal in einen anderen krisengeschüttelten Bereich und fragen uns z.B. ist es im Gesundheitsland besser?

Einmal redet dort jeder über Geld. Geld, das seit Jahrzehnten immer fehlt und es scheint niemanden zu stören. Denen denen es fehlt auf keinen Fall, die die es bezahlen müssen tun es ja sowieso und die die es regeln sollen haben anderes zu tun. Okay, es schein also auch anders zu gehen. Komisch ist nur, und das hat jetzt vordergründig nichts mit Kunst zu tun, das hier einfach mehr Beteiligte größere Summen bewegen und es geht. Und es sind Entwicklungen am Start die scheinbar nichts miteinander zu tun haben.

Beobachtung im Gesundheitsland:

Am 1.7.2010 müssen sich Hebammen, wenn sie noch bei der Geburt eines Kindes dabei sind, mit 3.000 € im Jahr versichern. Vorher waren die Beiträge im Jahre im Hunderter Euro-Bereich. Hausgeburten werden aber von den Krankenkassen gedeckelt, also können Hebammen entweder mehr Arbeiten als ohnehin schon oder besser bei der Geburt nicht mehr dabei sein. Hier wird also wieder ein Berufsstand über die Rahmenbedingungen kalt ausgebremst, der es vor Jahrhunderten schon mal schwer hatte. Kurzgefasst damals nannte man das “Hexenverfolgung”. Heute scheinen ja Hausgeburten immer “daneben” zu gehen, oder woher das erhöhte Risiko, das die Versicherer jetzt so hoch bezahlt nehmen?

Also muss eine Geburt dann im Krankenhaus stattfinden. Und dort sind die Kosten weitaus höher, aber die Krankenkassen zahlen den Aufwand ohne Probleme. Die Logik scheint klar: Ein kleiner Bereich wird verlagert und erleichtert den großen das Überleben auf Kosten der Verdrängung der Kleinen.

Wirklich skandalös ist dabei, dass einmal in diesem Land jeder der was Schlaues sagen will, sagt “Kinder sind unsere Zukunft”. Aber da wo Kinder geboren werden, werden die Frauen (und das evolutionstechnisch absehbar nicht zu ändern) zu einer Randgruppe, von der Krankheit ausgeht, sonst müssten sie ja nicht ins Krankenhaus, es sei denn sie wollen sich der Hausgeburts- und Hebammen-kosten-Problematik stellen und das passt nicht in das Bild der tollen Geburt. Es geht ja nicht ums Kind, sondern ums Geld. Das ist eine Art der Diskriminierung von Frauen in der Gesellschaft, die schon enorm ist. Und da es um die peinliche Seite des Geldes geht, wird wieder nicht diskutiert, oder nur da wo es “ein paar wenige trifft”.

Gänzlich genug von dem Thema war dann erreicht, als am 2.7.2010 eine der Krankenversicherer eine Coverseite seiner Mitgliederzeitung herausbrachte, auf der ein Aufmacher war “Kaiserschnitt auf Wunsch”. Genau, Gerätemedizin ist immer besser als Natur- oder klassische Heilkunst, leider nur so teuer, aber wenn man den Wunsch nach Gerätemedizin hochhält, wird es schon gehen. Schade das auch hier, das für Einfachheit und Klarheit nicht Marketing gemacht wird, sondern für Geschäfte, die vielleicht für die Beteiligten wertvolle Lebenserfahrungen unterschlagen, aber das ist dann ein anderes Thema.

Nur um noch mal Missverständnissen vorzubeugen. Gerätemedizin, dort wo ein normaler Geburtsvorgang nicht mehr möglich ist, wo Kind und Mutter großen Schaden nehmen würden, alles keine Frage, aber Geburt heißt auch Normalität, mit Blut, Schweiß und Tränen und alle dem was Menschen ausmacht, ohne das die Menschheit aussterben würde. Und da sollte man nicht mit scheinbar nicht dazugehörigen Regelungen Entwicklungen steuern, die nicht von Interesse für die Gesellschaft sind, sondern nur für ein paar wenige, die auf Kosten von Gruppen die zu bemitleidenswerten Minderheiten gemacht werden sich bereichern. Und da sind wir auch wieder in der Kunst.

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2 Kommentare to “Kreativland ist abgebrannt -gehts im Gesundheitsland besser?”

Julia eiyra sagte:

Danke für diesen Beitrag.
Es tut gut aus anderen Bereichen solidarische Stimmen zu vernehmen.
Ich bin Hebamme und wünsche und erhoffe noch viel mehr Solidarität- vor allen Dingen Solidarität von Frauen. Denn hier geht es nicht nur um unseren sprich meinen Berufsstand, sonder es geht um Frauen, Gebären – selbstbestimmt und senbstbewusst.
Was sich hier im Kleinen abspielt und auf dem Rücken der Hebammen ausgetragen wird, deutet auf ein großes Problem in unserer Gesellschaft hin:
Respektlosigkeit und Nichtachtung Frauen gegenüber.
Das zeigt sich in vielen Bereichen:

Unterbezahlung der Frauen, Kleinhalten von qualifizierten Frauen in vielen Betrieben, Retraditionalisierung in den Partnerschaften nach der Geburt des ersten Kindes- d.h. der Mann ist der Erwerbstätige, die gut qualifizierte Frau bleibt zu Hause, weil er mehr verdient oder die Betreuungsmöglichkeiten nicht gegeben sind oder sie eine “gute” Mutter sein möchte…
Ich schließe hier die Aufzählung, da meine Tastatur das Hämmern in die Tasten sonst nicht übersteht.
Ich wünsche mir Solidarität und vor allen Dingen Frauensolidarität.
Am besten wäre ein allgemeiner Frauenstreik in allen unterbezahlten “Frauenberufen” und in allen Haushalten. Dann müssten sich alle mal warm anziehen und gucken wie sie den Laden am laufen halten !!!!

Mit aufgebrachten, kämpferischen aber herzlichen Grüßen
Julia Eiyra Meyer

Mi 7. Juli 2010 at 15:07

Kreativland ist abgebrannt – Gehts im Gesundheitsland besser – 2. Teil | kunstfreunde sagte:

[...] die wirklichen Visionen finden nicht im Kreativland statt. Da ist das Gesundheitsland wirklich besser dran. Nicht nur dass dort die nicht mehr interessanten Bevölkerungsgruppen [...]

Mo 12. Juli 2010 at 12:50

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