KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mi Oktober 28th, 2009

Multitalente gefunden – ab jetzt ist wieder Alltag

Hätte es besser kommen können? Hätte es schlechter kommen können? Jetzt ist jedenfalls wieder Alltag und die Kunst und Kulturwirtschaft dieses Landes hat immerhin mit dem Staatsminister für Medien und Kultur einen Vertrauten behalten.

Da hat es die Börse einfacher, die hat wieder eine Stimmungskrise und alle Anleger werden panisch. Da die davon wohl kein Toastbrot kaufen müssen, geht es dort weiter wie bisher „business as usual“.

In der Kultur sieht es da ja doch anders aus. Die Krise ist mal wieder real, da die wieder mal Pleite gehenden Kommunen ihre Ausgaben drastisch kürzen werden. Alleine die „Kulturmetropole“ Köln kürzt ihren Kulturetat um 30 %. Natürlich bringt das keine Masse, aber erst mal hört sich das gut an, zumindest für Finanzpolitiker und die Personalpolitik hat ein Argument gegenüber den Mitarbeitern.

Dieses Personaletatgespare hat ja mittlerweile unredliche Züge angenommen, in deren Verlauf gerne mal Leitungspositionen nicht besetzt werden bzw. über Jahre vakant bleiben und die Arbeiten die in der Zwischenzeit ja weitergehen müssen, von schlechter bezahlten rangniederen Mitarbeitern mit erledigen zu lassen. Natürlich ohne Lohnausgleich oder Beförderung. Dass dann ein Profil eines Hauses leiden kann, was dann auch noch beklagt wird, ist schon dreist.

 

Oder man lässt ein Haus ohne Leitung und lässt einen anderen Leiter seltener eine Leiterin das verwaiste Haus mitmachen. Auch eine tolle Lösung, die auch bei den Landschaftsverbänden gerne genommen wird.

Auch wird die Zahlungsmoral der öffentlichen Kassen mal wieder leiden, sodass nicht wenige Kulturschaffende unglaublich lange auf ihr Geld warten müssen. Ach ja, das ist ja alles bekannt.

Aber gut ist es deshalb nicht. Auch die Forderung nach mehr Geld für Bildung ist in diesem Zusammenhang wieder traurig oder dummdreist, da ja schon länger die Chance vertan wird, gerade die kreativen und kulturellen Fächer zu stärken. Wie sollen die nachwachsenden Generationen denn den Wert von Kultur auch als Mittel gegen Wirtschaftskrisen und Persönlichkeitskrisen kennen lernen, wenn das Wunder der Farbe und das Wunder der Töne nicht vermittelt werden kann. Nicht in jedem zu Hause sind Instrumente und die Kunst zu Hause, aber die Schule kann diese Welten vermitteln.

Aber nur wenn die vier Euro für Farbe noch mal zusätzlich von den Eltern aufgebracht werden. Oder wenn der Wohnort die Chance gibt, ein Instrument zu erlernen. Das die Vermittlung von Kreativität keine Geldfrage ist, machen andere Kulturkreise mit deutlich weniger materiellen Möglichkeiten vor. Dort wo Eltern, auch wenn sie arm sind, den Kinder Musik und Kunst vermitteln, oder Wege finden das zu Tun, weil es zu Leben dazugehört.

Nicht die Frage nach „Kann man von Kunst leben“ ist hier die gestellte, sondern die Frage „Kann man ohne Kunst leben“ und das ist die Bildung, die Stark machen kann, gegen die Verlockungen der Konsumgesellschaft und ihrer Krise.

Selbstwert kann hier geübt und fürs Leben trainiert werden. Die Turboabschlüsse des Bachelors und Masters, damit „wir“ international wettbewerbsfähig sind, helfen hier nicht weiter. Noch nicht mal für die Auswanderungsbewegung „unserer“ jungen Akademiker und Akademikerinnen. Angst, Stress und die ungehemmte Umverteilung scheinen aber die Ziele zu sein. Schade eigentlich, dass die Chance der Krise so vertan wird.

 

 

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2 Kommentare to “Multitalente gefunden – ab jetzt ist wieder Alltag”

Tweets die Multitalente gefunden – ab jetzt ist wieder Alltag | kunstfreunde erwähnt -- Topsy.com sagte:

[…] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Kulturgezwitscher, Christiane Hoffmann erwähnt. Christiane Hoffmann sagte: Multitalente gefunden – ab jetzt ist wieder Alltag #kunst http://cli.gs/TZE0Z #Kunst […]

Do 29. Oktober 2009 at 14:05

André Debus sagte:

Der Trend geht eindeutig zum privaten Mäzen. Die Kommunen und Länder verfügen einfach über keinen Spielraum mehr. Oder sie setzen sich, wie aktuell bei uns in Nürnberg, dann an den längeren Hebel und verdrängen die Verbände aus den Entscheidungsgremien. Hier wird zwar dann nicht am Geld gespart, aber man erwartet sich doch höhere Besucherzahlen. Die Lösung dafür? Eventisierung. Tut der Kunst auch nicht unbedingt gut, ist aber in der Sache nachvollziehbar. Ich kenne übrigens einen konkreten Fall, wo ein in die Hand versprochener Ankauf seitens einer mittelgroßen Kommune im Umkreis Nürnbergs wegen „plötzlichen“ Geldmangels wohl nicht mehr stattfinden wird. Für den betroffenen Künstler geht es buchstäblich um seine Ateliermiete.

Fr 30. Oktober 2009 at 09:39

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