Do November 5th, 2009
Diskussion um die Art.Fair in Köln – Jammern auf hohem Niveau
Eigentlich könnte man meinen, der Messe- und Kunststandort Köln hat in den letzten Jahren genug federn gelassen, sodass die just zu Ende gegangene Art.Fair nicht als Lichtblick zu werten wäre.
Tolles Programm, viele Leute, die Stimmung nicht nur krisengeschüttelt, sondern langsam wieder optimistisch und fröhlich, Abschlüsse und kein Minus. Was will man mehr, sollte man meinen. Und dann kommt die Nachricht, dass der Verbleib der Messe nicht sicher ist, weil die Stadt die Räume anderweitig nutzen wird und die heimische Kölnmesse, den Alternativstandort Rhein-Parkhallen nicht an die Art.Fair vermieten möchte, da es sich um ein Konkurrenzprodukt gegenüber der art cologne handelt.
In den Kölner Zeitungen war von, “Kölnmesse schadet der Stadt“ zu lesen. Und da haben die Kollegen recht. Aber der Reihe nach. Durch Strukturfehler und durch die Veränderung der Kunstlandschaft hat Köln als Kunststandort und die Art Cologne mächtig gelitten, keine Frage. Viel selbst gemacht, nach dem Motto, wenn es einem zu Gut geht, verschläft man schon mal die Konkurrenz. Aber Berlin ist nicht alles, noch gibt es Künstlerinnen und Künstler die gerne in der Rheinmetropole leben und arbeiten. Noch gibt es ein paar Galeristen, die die Basisarbeit Kunst mit Leidenschaft und gerne machen. Aber es steht auf Messersschneide und die Stadtväter und Mütter wären gut beraten, in Sachen bezahlbarem Atelierraum und einem stabilen Umfeld für Künstlerinnen und Künstler was zu tun. Wenn jetzt eine privatwirtschaftliche Messe es schafft, den angeschlagenen Ruf wieder ein bisschen aufzumöbeln und den Standort wieder zu stärken, sollte das als wichtiges positives Signal für alle Beteiligten gesehen werden.
Dass die heimische Messegesellschaft dann das “Konkurrenzprodukt” vertreiben will, ist schon interessant. Wahrscheinlich ist dort noch nicht angekommen, dass a) Konkurrenz das Geschäft belebt und b) viele Standortverstärker in Köln dringend notwendig sind, da die rosigen Zeiten eben vorbei sind.
Diese Form von Protektionismus ist mit freier Wirtschaftsform überhaupt nicht vereinbar und zeigt auch, dass Sonderreglungen eben kein Allheilmittel sind. Wenn der eine Primus vor Ort eben am Markt vorbei agiert und keine Kraft alleine, gegen sich ändernde Denkweisen anzugehen hat.
Die Folge wird Sterben sein. In anderen Segmenten erleben wir ja gerade, dass Managementfehler nur kurzfristig mit Sonderrechten verdeckt werden können und eine verfehlte Modellpolitik eben daneben geht. Und da würde Köln in Sachen Kunstmesse nicht verschont. Man kann gespannt sein, ob der Oberbürgermeister von Köln der sich jetzt in die Diskussion eingeschaltet hat, die Sache noch dreht. Die art.fair aus Köln zu vertreiben ist wohl das Dümmste, was dort passieren kann.
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Christiane Hoffmann, ist Inhaberin der






1 Kommentar to “Diskussion um die Art.Fair in Köln – Jammern auf hohem Niveau”
Die Kölner SPD-Fraktion hat dazu folgende Pressemitteilung veröffentlicht:
05.11.2009
Neue Sachlage
Der kommissarische Aufsichtsratsvorsitzende der Koelnmesse, Axel Kaske, fordert eine konstruktive Lösung im Umgang mit der Art.Fair im Sinne der Kunst- und Kulturstadt Köln sowie des Messestandortes Köln
Axel Kaske, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion und – nach dem Ausscheiden von OB Fritz Schramma – auch kommissarischer Aufsichtsrats-vorsitzender der Koelnmesse plädiert für einen neuen Umgang mit Kunstmesse Art.Fair: „Dadurch, dass das Schauspiel die Hallen der Expo XXI als Interimslösung nutzt, ist eine neue Sachlage entstanden. Es geht nunmehr darum, dass die Kunst- und Kulturstadt Köln zeigt, dass sie in schwierigen Situationen imstande ist, gemeinsam konstruktive Lösungen zu erarbeiten. Wenn dies gleichzeitig dem Messestandort Köln dient, umso besser!“
Kaske kündigt an, sich in der nächsten Aufsichtsratssitzung dafür einzusetzen, dass der bestehende Beschluss, der eine Vermietung der Rheinparkhallen für die Art.Fair untersagt, noch einmal überdacht wird. Kaske: „Der damalige Beschluss wurde auch vor dem Hintergrund der notwendigen Neu-Positionierung von ART COLOGNE und Cologne Fine Art getroffen. Bis 2007/2008 war die Koelnmesse seitens Galeristen, Sammlern und den Medien steigender Kritik ausgesetzt.“
Inzwischen haben sich aber alle drei Kunstmessen wechselseitig klar voneinander abgegrenzt und sind substantiell von so hoher qualitativer Stärke, dass ein gedeihliches Nebeneinander am gleichen Ort zu unterschiedlichen Jahreszeiten möglich sein sollte. Kaske abschließend: „Seinerzeit wäre es fahrlässig gewesen, die positive Neuausrichtung der ART COLOGNE unnötig zu gefährden. Nunmehr wäre es fahrlässig, der Koelnmesse mit ihrem strukturellen Defizit in Millionenhöhe ein sinnvolles Mietgeschäft zu untersagen.“
Fr 6. November 2009 at 13:16
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