KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mi Juli 28th, 2010

Wenn Experten, Kunsthallen und Museen zu Dienststellen werden

Bei dem großen Stühlerücken in Hamburg erschien es von Außen so, dass die Gelegenheit zum Türmen allseits genutzt wurde. Jeder Sessel der nicht mehr gemütlich war, wurde verlassen. Dabei hat doch die zurückgetretene Kultursenatorin Karin von Welck wegweisende Dinge in ihrem Bereich Kultur erreicht.

Mit dem nur wenige Monate vor ihrem Rücktritt durchgesetzte neue Stiftungsgesetz, sollten doch Weichen für die Zukunft der Museumsstiftungen in Hamburg und vielleicht auch darüber hinaus gestellt werden.

Einmal sah die neue Regelung eine Personenreduzierung in den Stiftungsräten vor und stufte die Museen zu Unterabteilungen der Kulturbehörde herab. Jedes eigenständige Handel wird damit erschwert und vergrößert die Bürokratie, die notwendig wird, um Ausstellungen machen zu können. Denn die Direktoren der Museen müssen sich nun mit ihren Ausstellungsprojekten um ein zentrales Budget bewerben. Damit entscheidet eine von der Kulturbehörde eingesetzte Jury, welche großen Ausstellungen in Hamburg gezeigt werden.

Das ist ja super, da wieder mal die Closed shop-Politik greift. Früher sagte man Hinterzimmerdiplomatie. Hilft dann, wenn z.B. Sammler dringend mal den eigenen Bestand durch eine Museumsausstellung aufwerten wollen, um ihn dann zu verkaufen,… Auch das die “Doppelspitze” aus Museumsdirektor und kaufmännischem LeiterIn die sich durchaus bewährt hat, verändert werden soll.  Besonders schön ist die Empfehlungshoheit für die möglichen Ankäufe für Museumsbestände. Ja auch hier zeigt sich wieder der Geist, dass Kunst eben jeder kann und auch vorallem beurteilen kann. Fachleute sind also nicht mehr gefragt. Fehlt nur noch der Satz: “Meine Frau malt auch sehr schön!…”

Planung, Zusagen, Projekte und die zeitgenössische Kunst bleiben damit auf der Strecke, da diese ja erst in 100 Jahren einen Wert bekommt.

Dieser Ansatz führt direkt zur Auflösung der Kulturbehörde, da ja Hamburg vormacht, dass Kultur mal wieder von jedem und jeder gemacht werden kann. Mal schauen, wann dann Bestände der Museen verhöckert werden. Die nächsten Schritte sind ja so naheliegend.

Die Freundeskreise der Museen in Hamburg haben sich gegen diese Entwicklung unter dem Motto “Flagge zeigen – Kunst ist kein Luxus” zusammengeschlossen und einen offenen Brief an den neuen Senat in Hamburg geschrieben.

Hier der Link zum o-Ton: Freunde für Erhalt der Kulturbehörde 2010-7-28

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