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Mi Oktober 15th, 2014

Städel Frankfurt zeigt Ausstellung über Albrecht Altdorfer Fantastische Welten

Das Städel Museum beleuchtet in der Ausstellung „Fantastische Welten. Albrecht Altdorfer und das Expressive in der Kunst um 1500“ vom 5. November 2014 bis zum 8. Februar 2015 wesentliche Neuerungen in der Kunst im Europa des frühen 16. Jahrhunderts, die zu dieser Zeit überraschend modern wirkende Erscheinungsformen annimmt.

Bildquelle: Plakat der Ausstellung

Knapp 50 Jahre nach der letzten umfassenden Präsentation zur Kunst der „Donauschule“ und 30 Jahre nach der letzten großen thematischen Ausstellung über Altdorfer beleuchtet die Sonderausstellung im Städel Museum anhand von markanten Spitzenwerken das Phänomen des Expressiven in der Kunst um 1500 in all seinen thematischen, künstlerischen und medialen Facetten und ermöglicht einen neuen, ganzheitlichen Blick auf diese nicht allein auf den Donauraum beschränkte Stilentwicklung. Die herannahende Reformation hatte den Künstlern der damaligen Zeit insbesondere im Feld der religiösen Darstellungen völlig neue Gestaltungsfreiräume eröffnet, die sich jedoch schon bald wieder schließen sollten. Denn nach der beendeten Konfessionalisierung verzichtete die protestantische Seite auf bestimmte Bilder gänzlich, während die katholische Kirche wieder verstärkt auf ikonografische Verbindlichkeit bestand. So existierten in der Kunst um 1500 noch narrative Spielarten, die im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts in dieser Form nicht mehr denkbar waren.

Anhand von 120 Exponaten wird anschaulich, wie eine ganze Generation von Künstlern um 1500 die Gattungen Landschafts- und Historienbild sowie Porträt neu formuliert. Fernab von einer naturgetreuen Wiedergabe entsteht ein innovatives, expressives Zusammenspiel von Lichteffekten, überschwänglicher Farbgestaltung sowie grotesker Formen und Posen – und das in allen Gattungen: Malerei, Skulptur, Druckgrafik, Zeichnung und Buchmalerei. Ausgehend von den Künstlern Albrecht Altdorfer (um 1480–1538), Wolf Huber (um 1485–1553), dem Passauer Bildschnitzer Meister IP (tätig bis nach 1520) und Hans Leinberger (dokumentiert in Landshut, 1510–1530) wird das Phänomen des „Expressiven“, das für die Künstler der sogenannten Donauschule zentral ist, erstmals in einen gesamteuropäischen Kontext gestellt. Die Werke Altdorfers, Hubers, Leinbergers und des Meisters IP werden hierfür gezielt mit Arbeiten von Zeitgenossen wie Lucas Cranach d. Ä. (1472–1553), Hans Leu (um 1490–1531) oder Albrecht Dürer (1471–1528) konfrontiert. Die Ausstellung verdeutlicht, dass ihr Schaffen in einem weiteren, europäischen Bezugsrahmen zu betrachten ist, denn zeitgleich mit den Künstlern des Donauraumes bedienen sich auch Künstler in den Niederlanden, am Nieder- und Oberrhein, in der Schweiz und in Oberitalien, in Böhmen, Polen oder Norddeutschland einer unmittelbar vergleichbaren Bild- und Formensprache. Diese wird den Besuchern in der Frankfurter Ausstellung in einer medialen und thematischen Vielfalt vor Augen geführt, wie sie zuvor noch nicht zu sehen war.

Die Ausstellung konfrontiert bewusst all jene Kunstgattungen um 1500 miteinander, an denen sich spezifisch expressive Tendenzen ablesen lassen. Dabei bilden zahlreiche Gemälde und Grafiken der Städelschen Sammlung sowie skulpturale Exponate der Liebieghaus Skulpturensammlung die Basis, ergänzt durch bedeutende Leihgaben weiterer Museen; unter anderem werden Schlüsselwerke des Kunsthistorischen Museums Wien, der Alten Pinakothek und des Bayerischen Nationalmuseums in München, der Prager Nationalgalerie, der Skulpturensammlung und der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, der Graphischen Sammlung der Universitätsbibliothek Erlangen, des Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid oder des Szepmuveszeti Muzeums in Budapest zu sehen sein. Zudem konnten zahlreiche Leihgaben aus kirchlichem Besitz für die Ausstellung gewonnen werden, wie etwa das Johannesretabel aus der Prager Teynkirche (1520er-Jahre) oder Gemälde aus dem Augustinerchorherrenstift St. Florian in Linz. Mit der Präsentation setzt das Städel die Folge seiner großen Ausstellungen zur Kunst der Frühen Neuzeit, wie zuletzt zu Albrecht Dürer, fort.

Die Ausstellung ist thematisch in sechs Abschnitte gegliedert. Zu Beginn widmet sich die vorgeschaltete Sektion „Weltenlast, Naturgewalten: Bilder des hl. Christophorus“ einer der am häufigsten wiedergegebenen Heiligengestalten im Spätmittelalter. Bilder des hl. Christophorus, der den Christusknaben auf den Schultern über einen Fluss trägt, schmückten nicht nur Kirchenwände oder Altarretabel in Form von Gemälden oder Skulpturen, sondern wurden auch massenhaft als Druckgrafiken für den Hausgebrauch verbreitet. Albrecht Altdorfer, Wolf Huber und Georg Lemberger stellen den hl. Christophorus in einer bis dahin unbekannten Weise dar. In bizarr überzeichneter Form bringen sie in ihrer Kunst die enorme Last zum Ausdruck, die der Heilige mit dem Christuskind auf seinen Schultern trägt.

Gefördert wird die Sonderausstellung durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain und die Sparkassen-Finanzgruppe. Zusätzliche Unterstützung erfährt sie durch die Art Mentor Foundation Lucerne.

Bei dem Projekt handelt es sich um eine Ausstellung des Städel Museums, der Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main, und des Kunsthistorischen Museums Wien, in Zusammenarbeit mit dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V. an der Universität Leipzig.

Nach Ende der Ausstellungslaufzeit im Städel wird die Schau vom 17. März bis 14. Juni 2015 im Kunsthistorischen Museum Wien zu sehen sein.

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