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Mi April 29th, 2015

Schirn Außen und Innen mit Doug Aitken

Für den Sommer 2015 hat sich die Schirn Kunsthalle Frankfurt Besonderes vorgenommen: Die Frankfurter Kulturinstitution widmet ihre gesamte Ausstellungsfläche im Innen- und Außenraum dem eindrücklichen Werk des US-amerikanischen Multimedia-Künstlers Doug Aitken.

Der in Los Angeles lebende Aitken arbeitet genreübergreifend mit anderen Künstlern, Schauspielern und Musikern zusammen und hat ein globales kreatives Netzwerk etabliert. Dabei ist vor allem die Musik das verbindende Element: Sie bestimmt den Rhythmus und die Atmosphäre seiner Bilder. Für seine Videoinstallation „SONG 1“ ließ er mehrere Variationen des zentralen Liedes „I Only Have Eyes For You“ (1934, Dames) von zeitgenössischen Musikern wie Beck, Bjoerk, Devendra Banhart oder den High Places produzieren. Auch mit bekannten Hollywood-Schauspielern wie Tilda Swinton oder Donald Sutherland realisiert er seine Arbeiten und lässt sie in seinen Filmen auftreten. In „Black Mirror“ spielt Chloë Sevigny eine Frau, die auf einer nomadischen Reise in einem Kreislauf der Errungenschaften und Gegebenheiten der modernen Zivilisation – Flughafen, Hotel, Internet, Highway, Smartphone, Tabletten – gefangen zu sein scheint. In „migration (empire)“ steht nicht der Mensch, sondern die Natur im Zentrum der Erzählung. Es sind die Tiere, die leerstehende und vom Menschen verlassene Motel-Zimmer am Rande einer Metropole einnehmen und zurück erobern. Für das eindringliche Landschaftspanorama „diamond sea“ verbrachte Aitken Monate in der Namibischen Wüste im Südwesten Afrikas und setzt die einst hochgesicherten und heute zerfallenden Anlagen der Diamanten-Minen mit der unverwechselbaren Natur in Beziehung.

Es ist nicht nur die erste große Einzelpräsentation von Aitken in Deutschland, sondern auch eine raum- und grenzüberschreitende Ausstellung: Raumfüllende Filminstallationen und ausgewählte Skulpturen im Innenraum sowie eine ortsspezifische Soundinstallation im Außenraum der Schirn lassen die wesentlichen Etappen seines kreativen Schaffens im Überblick sichtbar werden. Der 1968 in Redondo Beach, Kalifornien geborene Aitken überschreitet mit seinen vielfach ausgezeichneten Arbeiten Grenzen. Dynamisch verbindet er Film und Musik, Architektur, Performance und Skulptur. Seit mehr als 20 Jahren schafft er dadurch Kunstwerke von faszinierender audiovisueller Intensität und suggestiv-verführerischer Kraft. Nicht ohne Grund gehört Aitken zu einer einflussreichen Generation von Künstlern, welche die Inszenierung des Mediums Film neu und nachhaltig bereichert haben: Seine Arbeiten zeugen von einer eingehenden Beobachtung der Wirklichkeit und sind Ausdruck einer philosophischen Betrachtung der gegenwärtigen Welt. In seinen Projekten hat Aitken die Formen des Ausstellens neu formuliert und hierdurch weltweite Aufmerksamkeit erlangt. Er illuminiert seine Arbeiten an den Außenfassaden von Museen, wie dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York und dem Hirshhorn Museum and Sculpture Garden auf der National Mall in Washington D.C. Oder er inszeniert unvergleichliche Happenings, wie „Station to Station“, in dem er mit Künstlern und Musikern wie Cat Power, Dan Deacon und Suicide einen mehrwöchigen Road Trip per Zug von New York nach San Francisco unternahm.

Die Schirn wird Aitkens kaleidoskopisches Universum auf mehr als 1400 m² Ausstellungsfläche entfalten. In atmosphärischen Räumen werden die Kunstwerke „SONG 1“ (2012), „Black Mirror“ (2011), „migration (empire)“ (2008) und „diamond sea“ (1997) mit korrespondierenden Skulpturen, wie beispielsweise „Sunset“ (2011) und „Listening“ (2011), gezeigt. Die Arbeit „Sonic Fountain“ (2013) wird die öffentliche und frei zugängliche Rotunde im Außenraum der Schirn in einen akustisch-sphärischen Ort verwandeln. Doug Aitken nimmt den Betrachter seiner Film- und Soundarbeiten mit auf eine synästhetische Reise um die Welt und zu sich selbst – in einen Sog aus ausdrucksstarken und rhythmisierten Bildern. Er stellt existenzielle Fragen des Lebens, liefert jedoch keine einfachen Antworten. Stattdessen bringt der Künstler eine fast naive Begeisterung für das Menschsein und das gemeinschaftliche Zusammenwirken zum Ausdruck. Seine Themenwelt kreist fortwährend um die menschliche Zivilisation: die Entfremdung des Einzelnen und die Vereinzelung in der Masse, der Umgang des Menschen mit Natur und Technik und die Auswirkungen dieser Faktoren auf das Zusammenleben, auf die menschlichen Beziehungen an sich.

Arbeiten von Doug Aitken wurden bereits in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit präsentiert, u. a. im Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington D.C. (2012), im MoMA in New York (2007), in der Kunsthalle Zürich (2003), den KunstWerken Berlin (2001), in der Serpentine Gallery in London (2011) oder der Secession in Wien (2000). Aitken nahm an zahlreichen Biennalen, u. a. in der Tate Liverpool (2012), an der Kunstfilmbiennale im Centre Pompidou in Paris (2009), der Biennale of Sydney (2000) oder der Biennale di Venezia (1999) teil. In bedeutenden Gruppenausstellungen waren seine Werke u. a. im Stedelijk Museum Amsterdam (2007) und in der Schirn Kunsthalle Frankfurt (2004) zu sehen. Happenings und Performances realisierte er z. B. im MOCA in Los Angeles (2010) und während des Athens Theater Festival (2011). Parallel zur großen Einzelausstellung in der Schirn präsentiert das Barbican Centre in London die Ausstellung „Station to Station: A 30 day Happening“.

Zur Ausstellung „Doug Aitken“ erscheint ein umfassender Katalog in deutscher und englischer Sprache. Herausgegeben von Matthias Ulrich und Max Hollein, mit einem Vorwort von Max Hollein und Essays von Joseph Akel, Dominic Eichler, Jörg Heiser, Martin Herbert, April Lamm, Katya Tylevich und Matthias Ulrich.

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg 60311, Frankfurt DAUER 9. Juli – 27. September 2015 INFORMATION www.schirn.de E-MAIL welcome@schirn.de TELEFON +49.69.29 98 82-0 FAX +49.69.29 98 82-240 EINTRITT 10 €, ermäßigt 8 €, Familienticket 18 €; freier Eintritt für Kinder unter 8 Jahren ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Di 17 Uhr, Mi 19 Uhr, Do 20 Uhr, Fr 11 Uhr, Sa 17 Uhr, So 15 Uhr KURATOR Matthias Ulrich




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