KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Do März 19th, 2009

Peter August Böckstiegel und die Bauern

Vielleicht hat es wenige so glückliche und unaufgeregte Symbiosen zwischen Maler und seinen Motiven gegeben, wie bei Peter August Böckstiegel.

Der aus Westfalen stammende Expressionist hat wie vielleicht nur noch Van Gogh das Leben der Bauern in seiner westfälischen Heimat mit einer Intensität, Würde und Farbgewalt dargestellt, wie es vielleicht nur die Kunst zwischen 1900 und 1933 konnte.

Böckstiegel geriet in der Zeit des Nationalsozialismus in den Sog der „entarteten Kunst“, obwohl vorher so mancher Zeitgenosse und Künstlerkollege noch meinte Böckstiegels Zeit sei gekommen.

Wie kein zweiter hat er tiefe Zuneigung für die Menschen, die Bauern waren, empfunden und diese mit seinen am Spätimpressionismus und am Expressionismus der „Brücke“ geschulten malerischen Mitteln auch in seinen Bildern geäußert.

Der Inhalt und die Achtung vor dem unsagbar harten täglichen Los der Bauern in Westfalen und ihrer Lebensfreude, trotz der scheinbar armen Verhältnisse hat Böckstiegel immer fasziniert. Hier hat er die Tiefen Wunder des Lebens immer wieder erlebt, gepaart mit Demut und Dankbarkeit, den diese einfachen Menschen für ihr Leben empfanden.

boeckstiegelfenster Bildquelle: Glasfenster von P.A. Böckstiegel

Ein Zauber ging davon aus, der Böckstiegel davor bewahrte kitschig zu malen oder zu einem Blut-und-Bodenmaler zu verkommen. Nach dem zweiten Weltkrieg und dem Ende der Nazidikatur verblieben ihm nur noch 6 fruchtbare Jahre, die allerdings auch viele Enttäuschungen bargen. Nicht er und seine verfemten Kollegen wurden als Wegbereiter der Kunst in der werdenden Bundesrepublik gefeiert, es musste die „neue Kunst “ von außen sein. Nicht das Böckstiegel Erfolg nicht auch anderen gönnte, dass was ihm zusetzte, war die weitere Nichtbeachtung seinem Werk gegenüber. Mit Otto Dix stellte er im Ruhrgebiet aus und bemühte sich redlich wenigstens in seiner Westfälischen Heimat wahrgenommen zu werden.

Sein Dresdener Atelier war 1945 mit der Stadt untergegangen und so blieb ihm „nur“ noch die Heimat, der er als Künstler egal war. Dem unermüdlichen Einsatz seiner Frau und seinen beiden Kindern ist es zu verdanken, dass sein Nachlass mit vielen Ölgemälden und grafischen Werken heute in einer Stiftung zusammengefasst ist, den der heimische Kreis Gütersloh und ein Freundeskreis trägt.

Auch hier ist es wieder die scheinbare Provinz, die ungeheuerliche Dinge schafft, vielleicht auch aus dem Gefühl der späten Wiedergutmachung dem Künstler gegenüber, aber egal. Hier wird richtig was getan und auch Geld in die Hand genommen, um diesen Schatz der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Vielleicht langsamer als in der ein oder anderen Metropole, aber es wird gemacht und das mit Perspektive und das ist in dieser Zeit ein tolles Beispiel für öffentliches Engagement.

Ein Mosaikstein dieses Erschliessens ist ein just erschienenes Kunstbuch mit dem Titel „Peter August Böckstiegel und die Bauern“. Es ist sehr aufwändig und liebevoll gemacht, hat tolle Farbabbildungen und ist mit einem Preis von 29 Euro echt bezahlbar.

gruppe-bock Bildquelle: Stiftungsvorstand Thomas Kuhlbusch, Herr und Frau Heistermann, Herausgeber Klaus Kösters, Landrat Adenauer bei der Vorstellung des Buches

Ein Kunsthistoriker ordnet das Werk Böckstiegels in die Kunstgeschichte ein; ein Fachmann beschreibt Böckstiegels Maltechnik sehr anschaulich und eine Historikerin fasst zeitgenössische Fotografien der Motive Böckstiegels zusammen. Networking at its best, da keine Profession alleine den Blick wirft und so ein interessantes Panorama entwickelt, das hilft die farbenfrohe und intensive Kunst Böckstiegels anschaulich zu verstehen. Und das ist viel für ein Kunstbuch. Lesenswert!

 




2 Kommentare to “Peter August Böckstiegel und die Bauern”

Kunstmuseum Bochum zeigt 200 Werke der Expressionisten | kunstfreunde sagte:

[…] qualitätvolle Expressionisten gesehen werden sollen, kann noch auf die Ausstellung “Peter August Böckstiegels Menschen” in Soest im Wilhelm-Morgner-Haus hingewiesen werden. Böckstiegel war nach dem 2ten […]

Sa 28. März 2009 at 20:49

Wiederentdecktes Böckstiegel-Bild wirft Fragen auf | Die Ostwestfalen sagte:

[…] im Atelier der Restauratorin konnte das Bild zum ersten Mal gewendet und die Rückseite, die Böckstiegel zehn Jahre zuvor gemalt und dann wohl verworfen hat, begutachtet […]

Fr 19. Juli 2013 at 09:19

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