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Mi April 4th, 2018

Nicole Zepter: Kunst hassen – eine enttäusche Liebe

Wenn man das kleine Buch von Nicole Zepter: Kunst hassen – eine enttäuschte Liebe zur Hand nimmt, hat man vielleicht genau so eine Erfahrung schon gemacht. Oder man oder frau ist neugierig, wie „Kunst heute“ funktioniert. Oder man hat Langeweile und das herrlich kleine Format passt gut zu einem Nachmittag mit Tee oder Kaffee in der Sonne.
Egal wie es zu der Begegnung Leser-Buch kommt, das Buch ist ehrlich, klug beobachtet, es wurden kluge Fragen an kluge Menschen gerichtet und am Ende ist man klüger, was die Frage des Kunstmarktes heute betrifft.
Und das ist viel, wenn man zu Grunde legt, das auch in diesem Buisness viel, sehr viel Geld verdient wird und Klarheit da oft nicht erwünscht ist.
Aber von Anfang an. Kunst heute zu hassen ist erstmal ein Statement, da Kunst in so viele Winkel des Lebens vorgedrungen ist. Nie war so viel Kunst wie heute, bzw. haben talentierte oder untalentierte Menschen kreativ-gestalterisch gearbeitet. Kreativ zu sein ist herrlich, heilsam und es kann Lebenszweck für viele Menschen sein. Aber das bedeutet nicht, dass sie alle Kunst oder auch noch gute Kunst machen. Da diese Form der Kunst so inflationär überall ist, auch in jedem Bankfoyer und jedem Friseurladen, spricht auch jeder Geschäftsstellenleiter und jeder Maestro über „Kunst“ die meist keine ist. (In der Musik würde auch niemand ein Konzert geben, wenn er oder sie das Instrument nicht beherrscht).
Und daher ist Kunst überall. Jeder kann darüber etwas meinen und das findet sich in den gesellschaftspolitischen Strömungen unserer Zeit wieder. Auch in den kleinsten Kommunen und Parlamenten wurde in den 90er Jahre über die Effektivität und Kostenreduktion gestritten und genau diese eingeführt. Eine der ersten Bereiche die Zusammengestrichen wurden war die Kultur, die Kunstankaufetats und die Kunstförderung. Auch weil die Kreativen, kreativ und verständnisvoll ihren Beitrag auch leisteten.

Cover des Buches Nicole Zepter: Kunst hassen – eine enttäuschte Liebe

Das hat keine andere Gruppe der Bevölkerung so bereitwillig getan. Die Landwirte haben gelacht und munter weiter gefordert. So geht wirkliche Lobbyarbeit. Aber das ist vielleicht der einzige Bereich, der in dem klugen Buch fehlt. Warum die öffentliche Hand mit der Aufgabe ihrer Sammlungsetats den Einfluss auf die Kunst verloren hat und sich in die Hände der privaten Sammler begeben hat.
Sonst ist es genau so. Wer zu Kunstvernissagen geht, kommt in schwarz und lacht nicht. Es ist eher noch fremder, als wenn Fremde an einer Bushaltestelle warten. Die haben die Erwartung des Busses gemeinsam und manchmal spricht man auch. Aber selten. So wie auf einer Vernissage, nur hier gibt es keine gemeinsame Erwartungshaltung. Das sind die Reste des bildungsbürgerlichen Verhaltens, tief inhalliert von den Enkeln, die nur noch die Form kennen, den Inhalt die „Erbauung“ verloren haben und noch etwas stylischer kommen, als die Eltern. Die kommen in Kleid sie, er in Schlips und Sakko und die Großeltern, die am lockersten sind. Die Alten kennen noch Form und Inhalt und kommen weil es zu ihren Ritualen gehört und sie dabei gut unterhalten werden.
Daher werden die Generationen der Kunsthistoriker auch steif bleiben, da sie so sozialisiert wurden. Interlektuelles Geschwurbel ist wichtig und wer nicht reden kann und dann noch nervös abliest macht wenigstens so Eindruck. Durch Langeweile und Unverständnis.
Wer Kunst liebt, dem kommen auch Zweifel, der bleibt neugierig und sieht oft wiederkehrend Ähnliches. Die Blockbusterausstellung in den großen Museen haben sich längst von dieser Lust am Entdecken abgekoppelt. Da kommen die Sammlungen die in „tiefer Dankbarkeit“ gezeigt werden dürfen und danach mit dem Museumsstempel versehen teuerer verkauft werden. Da kommen die Leihgaben die ein Minister eingeworben hat. Die sind sündhaft teuer wieder nichts neues, eher „alt“ vom Lebensalter des Künstlers gesehen, wenn er oder sie noch leben. Diese Ausstellungen werden viele Menschen die durch den Marketingapparat angelockt werden und die Großstadt sowieso besuchen wollen erreichen. Auch mit diesen Menschenmassen, werden die Kosten die diese Events brauchen nicht mehr decken. Aber hier muss man gewesen sein, hier das Event in der Schlange zu stehen genossen haben,….

Zeitgenössische Kunst heute ist nicht an allen Stellen unrelevant und es würden bestimmt auch Meisterwerke irgendwann darin zu entdecken sein, aber wir sind in der Bilderflut wieder da wo uns die Geschichte hat starten lassen. Der „Überlieferungszufall“ wird entscheiden was überhaupt von heute morgen noch da ist. Das war auch schon in Zeiten wie der Renaissance so. Angesagte Künstler damals wie Hans Rottenhammer interessieren heute nur noch Spezialisten. Und warum? Weil einfach viel mal verbrannte, unterging und die wenigen Dinge in den falschen Depots hinter dem Eisernen Vorhang lagen. Auch ein Genie wie van Gogh ist durch die Schrift des Kunsthistorikers Julius Meier-Gräfe erst ein Genie geworden und so weiter.

In neuem Sprech ausgedrückt, ist es immer eine Frage des Marketings. Und die großen Namen der Kunstzunft sind genau damit angetreten, jetzt reich zu werden und nicht erst die lachenden Erben zu beglücken. Und die Förderer wollen eben Schlagzeilen die diese Leute bringen und da findet sich der Kreis.
Für wirkliche Kunstliebhaber sind die Zeiten hart, in denen jeder zur Kunst eine nämlich seine Meinung hat. Vielleicht hat Nicole Zepter hier einen guten Weg aufgezeigt, den des Hasses und der Ablehnung. Eigentlich ja mehr ein Bruch mit den aktuellen Konventionen, den sich Kunstjournalisten eigentlich auch wünschen, aber ihre Reiseetats eben auch nur noch die großstädtischen Megaausstellungen abdecken und keine kleinen Kunstvereinsausstellungen, seien sie noch so wegweisend eben nicht. Niemand fährt nach Buxtehude, Nordhorn oder Bielefeld.
Jedenfalls ein kluges Buch, ein Buch das Fragen enpassend aufwirft und die Antwort vielleicht genau richtig ausfällt. – Lesenswert.

Und wer das tun mag, einfach hier in die Kommentarfunktion schreiben wir verlosen ein Exemplar des Buches Nicole Zepter: Kunst haseen – eine enttäuschte Liebe.




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