KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mi März 10th, 2010

Buchtipp – Sarah Thornton – Sieben Tage in der Kunst

Schon seit einer Weile haben immer wieder gutmeinende Menschen zur Lektüre von Sarah Thorntons „Sieben Tage in der Kunstwelt“ geraten oder regelrecht aufgerufen.

Tenor, wenn man die Kunstwelt verstehen will, könnte man das mit diesem Büchlein am Besten. Ich war etwas skeptisch, bis ein erholsamer Inselurlaub die nötige Musse zum Lesen verschaffte.

Cover der deut. Ausgabe

Der Plot, sieben Tagen in der Kunst zu beschreiben, ist ja ganz nett. Spielt auf den biblischen Schöpfungsmythos an und lässt vor der Lektüre das ganze leicht und locker erscheinen.

Die Autorin jettet um die Welt (huch was sind wir wichtig, fast wie die „richtigen Akteure der Millionenkunst“ ) um an den unterschiedlichsten Orten dem Kunstbetrieb auf die Spur zu kommen.

Vielleicht ist das investigativer Journalismus, aber leider sehr zäh zu lesen. Vielleicht liegt es an der Übersetzung, aber die einzelnen Kapitel sind weder spannend  noch unterhaltsam und da kommt die Soziologin einfach durch. Ok, Soziologin und Kunsthistorikerin, aber wenn man vergleichendes Material nimmt wie z.B. Piroschka Dossis „Hype“ oder Saehrendt u. Kittl „Das kann ich auch“ sind diese bei weitem unterhaltsamer auch wenn Kunsthistoriker dort schreiben.

Wirklich interessant, nach dem Platzen der Blase „“Kunst“ in Millionenbeträgen“ und dem Offenlegen der Intentionen der Beteiligten, wäre die Frage, die bei Thornton immer als eine Art „Feigenblatt“ der geldgierigen Spekulanten und sozusagen – Sammler vorkommt. „Kunst ist unser Leben!“ Schön wärs, wenn dann auch mal weniger die Zockerei sondern das dauerhafte Interesse an Kunst untersucht würde.

Bei dem Kapitel ArtCrit hat man beim Lesen jedenfalls den Eindruck einer stundenlangen, schmerzhaften Prozedur, die Kunst heißt. Und das ist ja oft eben nicht die Triebfeder, sondern die Freude, die Bereicherung, der freudige Lernprozess.

Wahrscheinlich haben hier inklusive der Autorin zu viele junge Kreative das Vincent van Gogh-Leidensthema für sich entdeckt. Gut das es auch noch die andere Kunst gibt.

Fazit zu Buch: Es gibt bessere Bücher, die unterhaltsamer die Mechanismen des Kunstbetriebes offenlegen. Nur wer Soziologie mag ist hier gut beraten.

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1 Kommentar to “Buchtipp – Sarah Thornton – Sieben Tage in der Kunst”

howi sagte:

Herzlichen Dank für Ihre Einschätzung. Ich hatte das Buch auch gelesen und fand es offen gestanden lesenswert, insofern es Einblicke in Ebenen (von Höhen möchte ich hier auch nicht sprechen) erlaubt, die die Mehrzahl der Künstler nie erreichen werden. Dieses Buch scheint mir geeignet, jeden aktiven Künstler auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, was (sofern es mich betrifft) durchaus etwas Befreiendes haben kann.

Do 11. März 2010 at 16:28

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