Do November 19th, 2009
Ist die Zukunft virtuell? – Was wird aus dem Kunstbuch und dem Kunstkatalog
Zu Beginn der Digitalisierung und des Computerzeitalters waren im Kunst und Kulturbereich verschiedene Strategien im Umgang mit dieser Entwicklung festzustellen.
Erstmal fanden angefangen von den großen Museen und Einrichtung bis zu den kleinen Häusern, fast alle diesen “neumodischen Schnickschnack” eher lächerlich und was für spielende Jungs, die nicht erwachsen werden wollen.
Dann kam die Zeit des ersten Hypes und da war es eher das unglaubliche Wirtschaftspotential, was staunend machte und die eigenen Objektsammlungen etwas antiquiert erscheinen ließ. Dann kam die Krise und alles war wieder gut, da die Blase sich als Blase und nicht ernstzunehmend herausgestellt hatte. Zwischendurch revolutionierte die Digitaltechnik den Buchdruck, Vollfarbkataloge wurden erschwinglich, Grafikdesign und andere Kenntnisse auf Computerprogrammen basierend wurden bestauntes Arbeitsmittel. Wenige junge beherrschten die neuen Techniken und die Preisgestaltung war noch etwas üppig.
Trotzdem wuchs die Nutzerinnengemeinde und so langsam merkten die Häuser, dass sie nicht mehr kulturell “gesetzt” waren, sondern sich gegenüber einer jungen Generation gegenüber sahen, die auch sehr gut ohne sie auskam. Wer nicht im Netz ist, findet nicht mehr statt. Heute noch mehr als früher. Viele altersmäßig vor der Internetzeit sozialisierten Macherinnen und Macher haben da so ihre Schwierigkeiten und oft rächt sich hier der fehlende Apparat, die Nachwuchsstellen gestrichen zu haben. Wenn nur der Volontär die eigenen Museumsseiten oder Kunsthallenseiten pflegen kann, ist es blöd, wenn man keinen mehr hat, ….
Aber zurück. Die Angst ging um, dass die digitalisierten Bestände nur noch via Computer und nicht mehr via persönlichem Besuch angesehen werden könnten. Ein leeres Museum, da können gleich die Lichter ganz ausbleiben. Aber hier hat sich die Menschheit als erstaunlich objektfixiert geoutet. Viele Internetseitenbesuche führen auch zu dem Wunsch das Original sehen zu wollen. Führen zum Finden (wenn man den da ist) im Netz von kleinen Spezialsammlungen, die gezielt besucht werden. Der Austausch und die Vernetzung bzw. das Hinweisen auf abgefahrene Sammlungen oder tolle kleine Ausstellungen geht rasend schnell. Der Wunsch das zu sehen verbreitert sich. Aber man kommt eben nicht ständig wieder, vergisst auch mal das Kleinod, es sei den, genau dort ist ein “Event” ist eine tolle Eröffnung, ein Künstlergespräch, ist was, was so dort noch nicht war.
Für die Häuser bedeutet das, dass die Ausstellung oder das Programm nicht mehr alleine funktioniert, es muss ein Programm sein, es muss ein Event kreiert werden, es muss abgewichen werden von den alten immer gleichen Pfaden. Das tut so manchem Mief und Ritual gut. Aber es zeigt auch was anderes: die Menschen die kommen wollen Anteilnehmen, scheuen vor einem Konzept nicht zurück. Und bei aller Flüchtigkeit kommt der Aspekt des Bleibenden eine neue Rolle zu.
Was bleibt den nämlich von einem Ausstellungsbesuch? Die Erinnerung? Vielleicht. Wenn gekauft und vorher produziert aber der Ausstellungskatalog. Die Kombination der Bilder, den das Buch zur Ausstellung bietet, schafft etwas, was so dem flüchtigen Medium Ausstellung bestand verschafft. Bleibendes, wenn die Bilder auch wieder in aller Welt verschwunden sind. Die haptische Qualität mit dem nicht zu unterschätzenden, dann kostenlosen Bildreservoire, den absehbar das Netz nur noch als kostenpflichtigen “Content” bieten wird. Auch eine ausgedruckte Lieblingsseite wird ihren Charme durch die Knickanfälligkeit verlieren.
Das Kunstbuch als Manifest des bleibenden, des hochästhetischen Genusses im heimischen Sessel und langfristig als Sammelobjekt in den Händen einiger weniger. Vielleicht ist das die Zukunft. Kunstkataloge werden ja von den Verlagen nur noch als Nischenmarkt betrachtet, der nur bei ganz großen Ausstellungen überhaupt noch Hoffnung auf Verkauf der Auflage macht. Und dann ist von lächerlichen 1.000 Büchern die Rede. Die “alten” Sammlerinnen und Sammler sagen, “ich hab schon genug”, die jungen scheuen die Kosten (?) Oder finden ein Buch uncool, bis sie oder er genau diese Fragestellung, dieses Bild für irgendwas braucht und dann ist die Ausstellung zu Ende, im Netz nur ein Thumbnail zu finden und dann werden horrende Preise für den Katalog gezahlt. Auch hier könnte man Vorratshaltung empfehlen. Auch die Katalogproduktion für die eigenen Werke ist nicht uninteressant, wenn in 50 Jahren, der Datenverlust zu einem alltäglichen Phänomen geworden ist. Der Fachbegriff ist dann “Überlieferungszufall” und wer möchte schon ein Zufall sein, …
Was Kataloge können, beweist jedenfalls z.B. der bekannte Dumontverlag mit seinen aktuellen Katalogen wie “Der deutsche Impressionismus” oder “Erwin Wurm” oder “Fetting”. Schön gemacht, nicht zu klein oder zu groß, liebevolle Gliederung mit Binnenstrukturen, tollen Abbildungen und einem haptischen Erleben.
Welchen Weg diese Bücher machen, ist nicht sicher, aber vielleicht führt der Weg doch aus der Nische, in dem die großen Namen mit guten Verkaufszahlen helfen, dass auch kleine wieder eine Chance bekommen. Oder nach den Kleinen trifft es die großen und dann sind Kunstbücher und Ausstellungskataloge mit Auflagen von 10 Stück nur noch teurer Sammlerobjekte, die im Safe und nicht im Bücherregal stehen. Alleine die letzten 15 Jahre haben gezeigt, dass sich viel bewegt. Wir werden sehen.
Ähnliche Artikel:

Christiane Hoffmann, ist Inhaberin der






1 Kommentar to “Ist die Zukunft virtuell? – Was wird aus dem Kunstbuch und dem Kunstkatalog”
Ich denke auch, dass die Entwicklung schwer abzusehen ist…Bei Büchern allgemein ist natürlich ein Abwärtstrend vorprogrammiert, auch dank Kollegen wie IPad und co.
Ob der Bereich Kunst stark davon betroffen sein wird…vermutlich ja
Do 28. April 2011 at 15:53
Hinterlassen Sie eine Nachricht