Sa Januar 9th, 2010
Lebensgefühl und Wirklichkeit – ist Berlin die Stadt für Kunst?
Zugegeben mal war es Paris, mal Berlin, mal New York, immer haben Metropolen eine Zeit lang Künstlerinnen und Künstler angezogen. Diese lebten dann ihr Leben, nahmen sich unübliche Freiheiten heraus, malten unverstandene Bilder, schrieben über ihre Lebenssituationen, Lebenspartner und ihr Weltbild. Leben konnten sie immer mehr recht als schlecht, ein paar begannen irgendwann zu verkaufen, es gab Streit und Neid, die Netzwerke lösten sich oder schlossen sich anders zusammen und dann reagierte alles noch auf die Weltgeschichte.
Seit der Wiedervereinigung ist Berlin als Metropole für jede Form von Kreativität ein Anziehungspunkt geworden. Die Mieten sind billig, alles ist schmuddelig und daher kann man auch mal ein Bild einfach an einen Nagel hängen, ohne die nervigen Galerieschienen zu benutzen und es stört niemanden wie man selber lebt.
Erst kürzlich schrieb z.B. Simone Jung in der taz über die in Berlin träumenden französischen Künstler. Auch gibt es Schätzungsweise 600 Galerien in Berlin. Da könnte man meinen, ok die Szene ist da, dann wird auch wohl das Käuferpotential da sein, das die Galerien und Künstlerinnen und Künstler durch Käufe erhält. Aber dann erstaunt doch eine Notiz wiedie in der Faz, dass der bekannte ehemalige Kölner Galerist Rafael Jablonka seine Berliner Galerie geschlossen hat. Mehr Museum mit schauenden Leuten als Käufer hätte er gehabt und die Verkäufe wären in die alten Bundesländer respektive Köln gegangen.
Das ist vielleicht ein Einzelfall, aber viele der Galerien in Berlin sind 1-Raum Galerien, die nach Galerieschluß zum Club werden, oder “nur” Dependancen von anderen Galerien in Leipzig, Stuttgart oder Köln und Düsseldorf sind.
Das macht etwas den Eindruck, dass Berlin zwar schwer Hip ist, aber die Sammlerstruktur mit Geld für Kunst nicht in dem Maße vor Ort zu finden ist. Und dass das ganze Stadtterritorium eben auch nur ein herruntergekommenes Quartier ist, das darauf wartet hinter den Künstlerinnen und Künstlern her, die Leute mit Geld anzuziehen. Wie in so vielen anderen Metropolen s. Hamburg, München etc es in kleinen Bezirken immer wieder zu beobachten ist.
Was kann man da tun? Keine Ahnung, nur muss ab und zu der Rubel rollen, sonst kann keine Kunst produziert werden und auch kein Galerist oder seine Galerie mit den fixen Kosten überleben. Ob die französischen Künstlerinnen und Künstler staatliche französische Unterstützung bekommen ist nicht klar, aber oft ist die nationale Karte hier nicht von Nachteil. Nur in Deutschland funktioniert das selten. Auch kann es sein, dass die potentiellen Kunden auch mal gerne an den Galerien vorbei, direkt im Atelier kaufen. Aber das ist ist eine Unart, die nur ausstirbt, wenn alle Beteiligten das auch wollen und das ist eher fraglich.
Arm aber sexy ist Berlin, sagte mal der Bürgermeister, hoffentlich kostet das nicht viele Künstler- und Galeristenleben bevor die Sonne wieder aufgeht. Und was sich am Ende der Ruhr.2010 im Ruhrgebiet getan haben wird, könnte zu einer Westbewegung weg von Berlin führen. Wir sind gespannt.
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Christiane Hoffmann, ist Inhaberin der






1 Kommentar to “Lebensgefühl und Wirklichkeit – ist Berlin die Stadt für Kunst?”
Ich bin Urberlinerin und ich bin Zeichnerin.
Berlin ist Hipp und hat seine Szene. Berlin hat überhaupt keine Sammlerstruktur.
Jeden Tag finden soviele Vernissagen statt, dass es schwierig ist, ausreichend Besucher dafür zu finden.
Es gibt aber nicht nur die Mitte Berlins. Es gibt auch die anderen Bezirke. In diesen Bezirken sieht die Kunstlandschaft zum Teil anders aus. Jeder Bezirk hat seine extra kleine Szene. Es gibt viele “Lokalmatadore”.
Ich habe zuerst in Reinickendorf, dann in Mitte und jetzt in Steglitz gearbeitet. Es ist unglaublich, wie unterschiedlich ich die Bezirke empfinde. Ich habe mich in der hippen Mitte nicht wohl gefühlt.
Ich empfinde es nicht so, als ob ich in einem heruntergekommenen Revier arbeite.
Ich lebe von meiner Kunst bin aber vom Standort her sehr flexibel. Ich stelle z.B. auch in Hamburg oder in Bonn aus. Aufgrund dieser Flexibilität kann ich überhaupt von der Kunst leben.
Ein interessantes Thmea.
Gruß Susanne
Sa 9. Januar 2010 at 19:22
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