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Mi Juli 20th, 2016

José de Ribera – die Druckgraphik in Berlin

Ist schon lustig, dass das ehrwürdige Kupferstichkabinett in der Gemäldegalerie parallel zu der großen Übersichtsausstellung „El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez“ die Grafische Schau José de Ribera – die Druckgraphik. mit dem Untertitel: Er war jung und brauchte das Geld versieht. Üblicher Weise wird dieser Satz für unglückliche Versuche von Schauspielern oder anderen Künstlern genutzt wenn „Jugendsünden“ erklärt werden sollen. Hier geht es um einige wenige Meisterwerke, die kaum zu erklären sind. Aber das meinen die Ausstellungsmacher selber dazu:

José (Jusepe) de Ribera (1591-1652) gilt als der beste spanische Druckgraphiker vor Goya und als einer der virtuosesten Radierer des 17. Jahrhunderts überhaupt. Dies ist umso erstaunlicher, als wir eigentlich nur 18 Radierungen von seiner Hand kennen. Seine druckgraphische Karriere scheint zudem auf den relativ kurzen Zeitraum zwischen 1620 und 1630 beschränkt gewesen zu sein. Die Tatsache, dass er seine Radierungen innerhalb nur einer Dekade und eher zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn geschaffen hat, legt die Vermutung nahe, dass diese für ihn eine Möglichkeit waren, sich den Lebensunterhalt zu verdienen, während er als junger spanischer Künstler in Italien Fuß zu fassen versuchte. Mit Hilfe der Druckgraphik konnte er seine Kunst einem breiteren Publikum bekannt und potentielle Auftraggeber auf sich aufmerksam machen.

In Rom ist der junge Spanier wahrscheinlich erstmals intensiver mit der Kunst der Radierung in Berührung gekommen. Dort konnte er damals nicht nur ihre technischen Grundlagen und Finessen sowie ihre künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten kennen und anwenden lernen, sondern insbesondere auch ihren strategischen Einsatz bei der Vermarktung von Kunst beziehungsweise bei der Selbstvermarktung eines aufstrebenden Künstlers. Denn durch gezielten Vertrieb über einschlägige, gut vernetzte Verleger konnten druckgraphische Blätter an den Mann gebracht werden. Neben dem finanziellen Zugewinn hatte dies auch den Effekt, dass sich Bilderfindungen rasch verbreiten und den Bekanntheitsgrad des Schöpfers steigern konnten. Durch die inschriftliche Widmung einer Graphik konnte man gar die längerfristige Gunst von zahlungskräftigen Auftraggebern erlangen.

Solche Strategien und Möglichkeiten der Druckgraphikproduktion waren für einen Künstler, der noch am Anfang seiner Karriere stand, nicht uninteressant. (jung und brauchte das Geld) Ribera zog gegen Ende des Jahres 1616 von Rom nach Neapel – in dieser Zeit spanisches Territorium –, wo er sich niederließ. Erst dort versuchte er sich selbst als Radierer. Nach zwei eher zögerlichen Versuchen produzierte er eine Reihe spektakulärer Blätter. Allesamt beeindrucken sie durch besonders einfallsreiche Kompositionen, die souveräne Beherrschung der Technik und die Durchdringung der spezifisch graphischen Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums. Zu Riberas virtuosesten Werken zählt das Blatt mit dem trunkenen Silen (1628). In einer großen Vielfalt von langgezogenen Linien und Schraffuren, von unterschiedlich geführten kurzen Strichlein und teils einzeln gesetzten, teils gehäufelten Pünktchen stellt der Künstler verschiedenste Texturen und Oberflächen dar. So gilt Ribera bis heute als der wichtigste spanische peintre-graveur, was er aber erst in Italien und in der dort besonders ausgeprägten Kultur der künstlerischen Druckgraphik werden konnte. Kurioserweise bilden die Blätter des Spaniers somit, wie Friedrich Lippmann, der ehemalige Direktor des Kupferstichkabinetts schreibt, „unstreitig den Glanzpunkt der italienischen Radierung“ des 17. Jahrhunderts.

„José de Ribera – die Druckgraphik. Er war jung und brauchte das Geld“ ist nach „Fiesta in Sevilla. Eine Illustrationsfolge des Goldenen Zeitalters in Spanien“ (26. April – 17. Juli 2016) die zweite Kabinettausstellung, die das Kupferstichkabinett in der Gemäldegalerie anlässlich der groß angelegten Übersichtsausstellung „El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez“ (1. Juli – 30. Oktober 2016 in der Gemäldegalerie) präsentiert. Sie ist zugleich Teil des Programms „Kabinett in der Galerie“, mit dem das Kupferstichkabinett seit 2009 in verschiedenen Häusern der Staatlichen Museen Ausschnitte seiner breit gefächerten, international herausragenden Sammlungen vorstellt




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