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Do Juni 23rd, 2016

Heike Iserlohe in der Villa Thiede Berlin

Für ihre Schau über Leben und Überleben unter allen Umständen hat die international renommierte Kölner Künstlerin Heike Iserlohe (Jahrgang 1962), die unter anderem bereits in London, Paris, New York, Peking und Seoul ausgestellt hat, eine besondere Kulturstätte gewählt.

Auch Iserlohes starke Affinität zum Judentum, zu seinen Traditionen und seiner Geschichte, die ihr gesamtes künstlerisches Schaffen beherrscht, spiegelt sich in der aktuellen Ausstellung wieder. „Die Geschichte des Nationalsozialismus und der Shoa wurde mir von meiner Großmutter nahe gebracht“, erinnert sich Heike Iserlohe. „Sie sprach vom Ghetto als Refugium, das zur Todesfalle wurde. Sie beschrieb jüdisches Leben, wie sie es als Hausangestellte in einem jüdischen Haushalt erfahren hatte. Nur in Fragmenten sprach sie über Vertreibung und Vernichtung, aber die heraufbeschworenen Szenen setzten sich in meinem Kopf fest. Ich, die deutsche Christin, fühlte mit diesem Volk. Mehr noch, ich fühlte mich ihm zugehörig. Und das ist bis heute so geblieben: Im Herzen bin ich Jüdin.“

Prof. Dr. Jörg Thiede wird die Vernissage „überLeben“ am 30.06 um 19 Uhr eröffnen und über das Schaffen der Künstlerin Heike Iserlohe sprechen. Der Experte erläutert, was sich hinter den wiederkehrenden Motiven verbirgt, die sie in expressiven Farben und mit forciertem Pinselschwung auf die Leinwand bannt, und inwiefern ihre Arbeit durch virtuelle Bilderwelten beeinflusst wird. Die modernen Frauendarstellungen etwa, die allesamt durch eine melancholische Grundstimmung geprägt sind. Oder die Stiere, die für die Künstlerin die „Inkarnation von Freiheit, Leidenschaft und ungezügelter Lebenslust“ verkörpern.

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Bildquelle: Heike Iserlohe: Szenen aus dem jüdischen Ghetto.

Die Beschäftigung mit dem Thema Ghetto in all seinen Facetten sei für sie Seelenarbeit, sagt Heike Iserlohe: „Meine Kunst gibt mir die Möglichkeit, sichtbar zu machen, wohin es führt, wenn Toleranz, Respekt und Menschlichkeit auf den Scheiterhaufen kommen. Die Kunst gibt mir die Chance, das Leben im Ghetto, die Verfolgung, den Widerstand und die Vernichtung der Juden emotional aufzuarbeiten – aus der Distanz wieder Nähe zu schaffen – für mich und für alle, die sich geschworen haben, dass es nie wieder so weit kommen darf.“

Zum Hintergrund: Die denkmalgeschützte Villa Thiede, 1906 von Paul Baumgarten als Sommersitz für den Erfinder Johann Hamspohn erbaut, war eine wichtige Begegnungsstätte für Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft. Mit dem Erwerb des historischen Baus vor zehn Jahren hat der Berliner Wirtschaftswissenschaftler, Unternehmer und Mäzen Prof. Dr. Jörg Thiede das Anwesen zu einem Ort des „Erlebens mit allen Sinnen“ gemacht. In lichtdurchfluteten Salons und dem Skulpturengarten präsentiert der Kunstkenner und Gründer einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die berufliche Förderung benachteiligter Jugendlicher engagiert, Werke aus seiner privaten Sammlung sowie regelmäßige Wechselausstellungen. Laufzeit der Ausstellung 30.6. bis 10.07.16.

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