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Fr April 7th, 2017

Belgien – ein Land verändert sich – ein Kulturselbstversuch

In der letzten Märzwoche fand eine Journalisten- und Bloggerreise nach Brüssel, Ostende und Gent statt. 10 Kolleginnen und Kollegen hatten an 2 Tagen die Gelegenheit mit belgischen Kuratorinnen und Kuratoren insgesamt fünf große Ausstellung zu besuchen. Die perfekte Organisation von BeneDeLuxe machten die Tage zu einer sehr intensiven Zeit. Auch Zeit für die Kolleginnen und Kollegen sich intensiv auszutauschen.

Bildquelle: Dr. Strupp aus Aachen und die Kunstfreundin. Bild P. Kammann

Und einer der Eindrücke war, dass Belgien durch die Anschläge in dem vergangenen Jahr ein anderes Land, zumindest partiell geworden ist. Die Reise durch das Land fand per Bahn statt, Thalys, IC und Regionalbahnen. Dadurch war der Besuch von Bahnhöfen obligatorisch. Und der erste Eindruck war in der Tat, viele Sicherheitskräfte, die in unterschiedlich farbigen schusssicheren Westen, mal besser mal schlechter zu sehen waren. Militärfahrzeuge und stark bewaffnete Polizei. Das verlor sich an den 2 Tagen und die Wirkung war erstaunlich normal am 2ten Tag. Und das Sicherheitsgefühl war eigentlich wie vorher. So wie es ist, wenn man als Reisender durch eine quirlige Metropole läuft. Wer in dem Tempo nicht aufpasst, kann zu Schaden kommen, aber das Gefühl des normalen Lebensrisikos war eben normal.

Die Gespräche mit den Kuratoren berührten auch diese Themen und das erschreckende war, dass die belgische Hauptstadt Brüssel wohl gut 80 % weniger Touristen im letzten Jahr hatte. Damit sind nicht nur die klassischen Tourismusbereiche betroffen, auch die Museen, Galerien und Kulturinstitutionen, die eben auch nicht mehr besucht werden. Und das ist sehr schade, weil dort eine tolle Arbeit gemacht wird, die auch europaweit Ausstrahlung hat.

 

Bildquelle: Plakat der Ausstellung Rik Wouters, Brüssel KMSKB

Besucht wurden im Königlichen Museum der Schönen Künste, @KMSKB die Ausstellungen „Rik Wouters“, und im @BOZAR die Ausstellung „Yves Klein- Das Theater der Leere“ mit einer Performance vorab und dort auch die Ausstellung „Pol Boury“.
In Ostende ging es ins @MUZEE um den neu eingeweihten Trakt James Ensor und Willam Spilliaert zu sehen und die neu eröffnete Sonderausstellung zu „Frans Masereel – Widerstand in Bildern“ und den Abschluss bildete in Gent die sehr spezielle Ausstellung „Ur, die Wurzeln Flanderns“ im ehemaligen Karmeliterkloster ganz in der Nähe der Genter Burg.

Alle Museumsleute und Ausstellungsmacher waren wohltuend entspannt, wenn man über die Sicherheitslage sprechen wollte und unglaublich engagiert, wenn es um ihre Themen und die Kunst ging. Auch war der einhellige Tenor, sich nicht beeindrucken zu lassen. Und damit ist in Belgien einmal die Sicherheitslage gemeint, aber auch die für den Aussenstehenden schwer zu verstehenden internen Probleme der beiden Landesteile und der Region um Brüssel miteinandern. Natürlich ist das auch historisch bedingt und fällt bei Nachbarn, vorallem wenn sie sich so ähnlich sind wie die Flamen und Wallonen zusätzlich ins Gewicht. Aber die Gastfreundschaft, die Esskultur, die Bierkultur und die Entspanntheit, trotz eines hektischen Ausstellungsgeschäftes waren toll und mitreissend bzw. entspannend.

Das Fazit der Reise fällt durchweg positiv aus. Tolle und sehenswerte Ausstellungen, in sehr schönen Gebäuden, in einem Land das sich nicht unterkriegen lässt. Belgien ist auf jedenfall eine Reise wert. Auch 2017. Und die friedliche Begegnung mit Menschen, die natürlich um die nicht immer einfache Geschichte der jeweiligen Heimatländer wissen und auch um das Glück, dass die europäische Einigung allen Frieden und Austausch und auch Freundschaft gebracht hat. Und das macht Mut zur EU zu stehen und auch die eigenen anstrengenden Themen, die in Deutschland ebenfalls klare Kante erfordern anzunehmen.

Danke an die belgischen Freunde und die teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen der Reise.

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