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Di Oktober 20th, 2015

Odzuck-Pavillion in Rheda-Wiedenbrück

Der Odzuck-Pavillion in der renaturierten Emsaue, die entlang des ehemaligen Landesgartenschaugeländes und der Ems entstanden ist, ist in mehrfacher Hinsicht ein gelungenes und gutes Projekt.
Die vermutliche Gestalt der Emsaue ist an dieser Stelle seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten für die Bewohner kein Ort des öffentlichen Bewußtseins gewesen. Nun hat sich dieses durch die neue Wegeführung, dem Wasserverlauf, dem Rückbau der Industriefläche verändert und es ist öffentlicher Raum gewonnenen worden.
Gefühlt zwischen den Stadtteilen, entlang an dem neuen Emsarm ist ein Pavillon des ersten Brachum-Kunstpreisträgers mit viel öffentlichem Engagement entstanden. Aus dem Un-Ort ist ein Ort geworden. Er ist Landmarke, er ist anders als die Umgebung und besteht aus aktuellen, zeitgemäßen Materialien. Er ist demokratisch und für alle offen. Anders als die seit der Antike und vor allem im Barock gebauten Pavillions die nur für den Adel als Ziel des eigenen Zeitvertreibs gedacht waren. Hier kann jetzt jeder und jede diesen Pavillion als Ruheplatz, als Landmarke oder einfach als gestalterisches Element wahrnehmen.

Bildquelle: Eröffnung des Odzuck-Pavillions 2015

Die Idee des Turmes als Aussichtspunkt ist nur angedeutet: Angesprochen sind damit Ideen wie: Schutz, Sicherheit und Fernsicht, über das alltägliche Hinaus oder einfach mal die eigene Sichtweise ändern, „über den Tellerrand hinaus schauen“.
Die Straßenlaterne die im Inneren eingearbeitet ist, besteht aus unterschiedlichen Teilen von unterschiedlichen Straßenleuchten-Modellen, die in der Stadt vorkommen. Durch das „Sample“ wird die ganze Stadt exemplarisch eingebunden und so kommt im übertragenen Sinne das Licht der Lampe in alle Stadtteile. Macht sie zu einem Teil des Pavillions. Macht Licht hier und überall in der Stadt.
Auch ist an die Rast „des Wanderers“ gedacht. Eine klassische Funktion eines Pavillion. Die betongegossene „American Diner Sitzbank“ lässt das Verweilen zu; lädt zum Hinsetzen ein. Der Platz lässt einen guten Blick auf und in den Pavillion zu. Sogar in der Dunkelheit kann man den Sternenhimmel anschauen, wenn man den möchte. Die populäre Zeiterscheinung „Systemgastronomie“ wird hier vom Künstler zitiert und kann erkannt werden. Auch hier kein elitärer Ansatz, lebensnah und klar.

Alles in allem sind viele poetische Elemente der europäischen Kultur und Geistesgeschichte zitiert und in einem frischen, humorvollen Stil mit zeitgemäßen Mitteln umgesetzt worden. Der Ort hat das Potential als Bereicherung wahrgenommen zu werden. Als Stein des Anstoßes gerne auch. Und so funktioniert Kunst.

(Text entstand auf Einladung der Tageszeitung Die-Glocke über den Wert der Kunst und das Kunstwerk im Besondern am 20.10.2015)

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1 Kommentar to “Odzuck-Pavillion in Rheda-Wiedenbrück”

Skulpturenprojekte Münster startet in die 5te Auflage | kunstfreunde sagte:

[…] in Rheda-Wiedenbrück (Brachum Kunstpreis) auf sich aufmerksam machten dabei: Andreas Bunte und Christian Odzuck. Herzlichen Glückwunsch von dieser […]

Do 23. Februar 2017 at 12:47

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