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Di Dezember 3rd, 2013

Zoltán Jókay – Ausstellung im Sprengel Museum Hannover

Seit mehr als 25 Jahren setzt sich der Fotograf Zoltán Jókay (*1960) mit den Möglichkeiten und Grenzen zwischenmenschlicher Nähe auseinander. Über die Jahre hinweg bleibt Zoltán Jókay seinen Fragestellungen treu. Fotografieren ist stets auch Recherche in eigener Sache, ist Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Miteinanders als Essenz menschlicher Existenz. Die Bildform des Porträts bietet sich dafür an: Sie setzt eine Zweisamkeit, eine Begegnung voraus, in der eine quasi modelhafte Situation entsteht, die ihren Abdruck im Bild findet.
Zoltán Jókay reagiert auf diese Situation mit dem Bedürfnis, denen, mit denen er arbeitet, die er betreut, jene Würde und Individualität zurückzugeben, die ihnen die Umstände häufig verweigern. Nach zwei Jahren beginnt er zu fotografieren, und in den folgenden drei Jahren entsteht eine mehr als 60 Bilder umfassende Serie von ebenso magischer wie veristischer Poesie. In einem solchen Zusammenhang offenbart die Bild-Text-Kombination ihre herausragend Fähigkeit: Eine von Krankheit und Alter gezeichnete Hand oder eine Rückenansicht, ergänzt um eine Textzeile, erzeugen einen poetischen Raum, in dem ein Moment der Empathie, die Ahnung einer Biografie und damit ein Gegenüber entsteht. Zwar scheint der Verlust von Erinnerung auch die Bilder zu löschen. Doch speichern die farbigen Flächen die mit ihnen verbundenen Emotionen als Niederschlag des Reichtums gelebter Leben.
Mrs. Raab wants to go home, die jüngste Arbeit des Fotografen, thematisiert nun menschliche Sozialität aus der Perspektive größtmöglicher Einsamkeit. Seit 2007 arbeitet Zoltán Jókay in einer am Rande Münchens gelegenen Siedlung mit einkommensschwachen Bewohnern, anfänglich als Quartiers-, später als Betreuer in einem Altersheim. Umgeschult zur billigen Hilfskraft kümmert er sich um an Demenz leidende Menschen. Dass hier auch Fotografieren möglich sein würde, spielt anfänglich keinerlei Rolle. Diese Arbeit dient erst einmal schlichtweg dem Lebensunterhalt.
Die Ausstellung im Sprengel Museum ist vom 04. Dezember 2013 – 16. März 2014 in Hannover zu sehen.

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