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Do November 9th, 2017

Zeppelin Museums zeigt „Schöne Neue Welten. Virtuelle Realitäten in der zeitgenössischen Kunst“

Das Zeppelin Museums in Friedrichshafen zeigt ab dem 11.11.2017 die Ausstellung „Schöne Neue Welten. Virtuelle Realitäten in der zeitgenössischen Kunst“

Bild: Logo des Zeppelin Museums Friedrichshafen

Virtuelle Realitäten in der zeitgenössischen Kunst ist ein sehr aktuelles Thema, das in diesem Jahr bereits in zwei Ausstellungen (im NRW Forum Düsseldorf und im Haus der elektronischen Künste in Basel) aufgegriffen wurde. Mit 13 künstlerischen Positionen auf einer Ausstellungsfläche von 1.200 Quadratmetern gibt nun die Ausstellung im Zeppelin Museum nicht allein Einblick in neue Technologien, die bereits Eingang in unsere Lebensrealität gefunden haben, sondern nimmt Bezug zu höchst aktuellen gesellschaftspolitischen Themen wie die aktuelle Flüchtlingsfrage, politische Verfolgung und Queer-Identity. Das Raumkonzept zur Ausstellung wurde vom Berliner Architekturbüro „Kooperative für Darstellungspolitik“ zusammen mit der Kuratorin Ina Neddermayer entwickelt.
Mit der Einführung von Virtual Reality findet eine Bildrevolution statt, die unsere  Wahrnehmung von Bildern und unser Verhältnis zur Wirklichkeit von Grund auf ändert.  Virtuelle Räume lassen illusionäre Welten entstehen, durch die man sich bewegen und die  man damit unmittelbar erleben kann. Möglichst abgeschlossen von der Außenwelt tauchen  die Betrachterinnen und Betrachter mit allen Sinnesorganen, durch interaktive Elemente  sowie den Einsatz körpernaher Apparaturen in die Bilder ein und werden dabei körperlich  involviert. Das Publikum wird in der Virtual Reality Teil eines Bildraums, der das gesamte  Blickfeld ausfüllt und alternative Realitätswahrnehmungen eröffnet.    Massenkompatible Technologien wie VR‐Brillen, 3D‐Beamer und Fernseher oder 3D  Cardboards finden sich verstärkt im Alltag wieder. Die unterschiedlichen  Anwendungsbereiche, wie die 3D unterstützte Operationsüberwachung, in Videospielen, in  der Traumabewältigung, bei der Digitalisierung verlorener Kulturgüter und in der  Psychotherapie machen sichtbar, wie stark virtuelle Raumbilder bereits heute in die  verschiedensten Lebensbereiche hineinwirken und wie uns diese auch in der Zukunft prägen  werden.    Die Ausstellung widmet sich diesem bildtechnologischen Wandel und untersucht die  Verschränkung von virtuellen und realen Räumen. Das Eintauchen in illusionäre Welten ist  dabei keineswegs geschichtslos. Es gründet vielmehr auf einer langen Tradition. Panoramen,  Dioramen oder Stereoskopien verdeutlichen das bereits Jahrhunderte alte Interesse des  Menschen an immersiven Medien.  

Unter den vetretenen Künstlern finden sich z.B. Harun Farocki, Florian Meisenberg, der ein Auftragswerk für die Ausstellung geschaffen hat, Forensic Architecture, Halil Altindere, Trisha Baga, Banz & Bowinkel.

Die Ausstellung selbst setzt sich kritisch mit den Chancen aber auch Risiken der neuen Technologien auseinander und behandelt dabei thematisch unterschiedliche Ebenen:

1.) Gesellschaftspolitische Ebene:
Halil Altindere reflektiert in der raumgreifenden VR-Installation Journey to Mars den Umgang mit der Flüchtlingskrise, die sehr stark durch eine Angst vor „Überfremdung“ geprägt ist
Harun Farocki reflektiert in seinen Arbeiten die Rolle von Virtual Reality als Bestandteil der gegenwärtigen Kriegsführung, indem er sich sowohl dem Einsatz von VR-Brillen in der Traumatherapie von Kriegsveteranen als auch der Verwendung von Computerspielen, bei denen die Soldaten in fiktiven Kriegsszenerien auf ihren späteren Einsatz vorbereitet werden, bezieht
Forensic Architecture hat durch die Erinnerungen fünf Überlebender des Saydnaya-Gefängnisses bei Damaskus ein 3D-Modell erstellt, das neben visuellen vor allem durch akustischen Erinnerungen der Inhaftierten funktioniert
The Nest Collective zeigen eine VR-Arbeit im Stil eines Science-Fiction-Films, in der eine Gruppe Afrikaner die Erde verlassen, um auf einem fernen Planeten eine Kolonie zu gründen. Damit wirft das Künstlerkollektiv Fragen von Rassismus und Segregation auf.

2.) Medizinische/gesundheitliche Ebene:
Die Arbeit des Künstlerkollektives Salome Asega & Reese Donohue & Tongkwai Lulin im Stil einer Mediationsübung bezieht sich auf das ASMR-Phänomen und fordert die BesucherInnen auf, sich zu entspannen, um sich auf die neue Erfahrung der virtuellen Realität einzulassen. Das ASMR-Phänomen: bezeichnet ein emotionales Kopfkribbeln, das als angenehm und beruhigend empfunden wird. Dieses Kribbeln wird durch Sinnesreize aus verschiedenen Sinnesmodalitäten ausgelöst; es gibt bereits eine weltweite Anhängerschaft und Fangemeinde dieses Phänomens.

3.) Identität/Körperbewusstsein:
Die transgender Künstlerin micha cárdenas lebte für 365 Stunden mit Hilfe einer VR-Brille in Second Life, einer virtuellen Onlineplattform. Hintergrund der Performance ist die Auflage für Geschlechtsangleichungen, bei der Transgender-Personen ein Jahr in der neuen Lebensrealität gelebt haben müssen, bevor eine Operation gesetzlich möglich ist.
Sidsel Meineche Hansen zeigt einen queeren 3D-Porno

4.) Technische Ebene:
Trisha Bagas raumgreifenden Installationen sind 3D-Videos, die sich mit den physischen Objekten im Raum überlagern.
In den VR-Installationen von Banz & Bowinkel reisen die BesucherInnen in digitale Welten, die trotz ihrem Bezug zur Realität immer mit surrealen Elementen angereichert sind und in denen die physikalischen Gesetze zum Teil außer Kraft gesetzt werden.
Florian Meisenberg produzierte eine Auftragsarbeit für das Zeppelin Museum: Es handelt sich um eine aufwendige Live-VR-Simulation, die die BesucherInnen aktiv mitgestalten können. Mithilfe der Leap Motion Technologie ist es möglich sich in der virtuellen Welt ohne Handschuhe und Controller zu bewegen.

Laufzeit der Ausstellung: (11.11.-8.4.2018).




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