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Di Juni 19th, 2012

Würzburg zeigt Klassiker der Moderne aus der Schweiz

Einen schönen Titel haben die Würzburger Museumsleute ihrer laufenden Sonderausstellung gegeben: „Sammeln, was man liebt“. Gemeint ist das Privileg sich so zu fokusieren, dass mit dem zur Verfügung stehenden Geld, Kunst zu sammeln, die man liebt. Genauer als Zitat einmal des berühmten Pariser Kunsthändlers Daniel-Henry Kahnweiler an seinen Jugendfreund und treuen Sammler Hermann Rupf, der zu gleich auch einer seiner Kunden war und über den Kunsthändler gemeinsam mit seiner Frau eine stattliche Anzahl von Klassikern der Moderne dort gekauft hat. Kahnweiler schrieb „Was will man noch mehr, als das sammeln, was man liebt.“
Der Berner Kaufmann Hermann Rupf und seine Frau Margrit bauten in den folgenden Jahrzehnten eine der bedeutendsten Privatsammlungen der Schweiz auf. Die Werke der Pariser Avantgarde wurden bald durch die moderne Schweizer Kunst ergänzt, denn Rupf suchte immer auch den persönlichen Kontakt zu den Künstlern. Insbesondere Paul Klee wurde zu einem engen Freund der Familie, so dass Hermann Rupf bald ein beachtliches Konvolut an Werken des Künstlers sein Eigen nennen konnte. Die Besonderheit seiner Sammlung liegt in dem Umstand, dass Rupf immer die aktuellste Gegenwartskunst erwarb: In vielen Fällen ist das Jahr des Sammlungseingangs gleichzeitig das der Entstehung eines Werkes.

Das Museum im Kulturspeicher Würzburg zeigt zum ersten Mal nun einen repräsentativen Querschnitt der Rupf-Collection in Deutschland. Zu sehen sind Meisterwerke der Klassischen Moderne etwa von Pablo Picasso, Georges Braque, Fernand Léger, Juan Gris, Lyonel Feininger und Paul Klee. Künstler wie Josef Albers, Max Bill oder Richard Paul Lohse. Vertreten sind außerdem US-amerikanische Positionen von Donald Judd, James Turrell oder Joseph Kosuth, aber auch Schweizer Künstler mit internationaler Strahlkraft: die fantasievoll-rätselhaften Werke Meret Oppenheims oder Gemälde des Schweizer „enfant terrible“ Dieter Roth. Und es gibt Neuland zu entdecken: Markus Raetz’ Spiel mit Licht und Schatten, Vaclav Pozareks vielseitige Annäherungen an das Thema Architektur oder Florian Slotawas gewitzten Umgang mit musealen Präsentationsformen.

Die Ausstellung erzählt die spannende Geschichte einer Sammlung; und sie zeigt einen Querschnitt durch 100 Jahre aktueller Kunst in Gegenüberstellungen des heute als „klassisch“ Geltenden mit Werken, die in weiteren 100 Jahren zum Kanon gehören könnten. Aber darauf kam es Hermann Rupf nicht an. Er sammelte, was er liebte.
Die Ausstellung ist noch bis zum 22. Juli 12 zu sehen.




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