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Mo September 28th, 2009

Wuppertal gibt sich Biedermeierlich – Kunstausstellung Von Tugend und Glück — Die private Welt der Bürger

Eine neue Zeit bricht 1815 an, das sogenannte Biedermeier. Napoleon ist geschlagen und die Bürger haben die Nase von Politik voll und ziehen sich in ihre vier Wände zurück. Überall ist diese Tendenz zur Häuslichkeit, heute würde man Cocooning sagen, zu merken. Das Wuppertaler vonder Heydt-Museum widmet diesem Phänomen jetzt eine Kunstausstellung. Vom 26.09.2009 bis zum  31.01.2010 ist die Ausstellung „Von Tugend und Glück — Die private Welt der Bürger 1815 – 1850“ an insgesamt vier Stellen in Wuppertal zu sehen: Von der Heydt-Museum – Historisches Zentrum – City-Kirche Elberfeld – Völkerkundemuseum.

Die romantische Sehnsucht, den gesellschaftlichen Zwängen zu entkommen und in phantastische Welten zu entfliehen, traf in den Kreisen des wohlhabenden Bürgertums auf eine grundlegend konservative Haltung. Der Rückzug ins Private kennzeichnet das Biedermeier. Das bürgerliche Leben vollzog sich zwischen den Polen Arbeit, Glaube, Geselligkeit und Familie.

Für die Industrialisierung der Städte im Tal der Wupper war das Wirtschaftsbürgertum die treibende Kraft. Alteingesessene Familien bildeten den kleinen Kreis der Wohlhabenden. Fleiß und Fixierung aufs Geschäft verbanden sich mit Tugendhaftigkeit und Mäßigung, Frömmigkeit und kirchlichem Engagement. Das wachsende Selbstbewusstsein führte zur Ausbildung einer neuen bürgerlichen Kultur, die ihren Ausdruck in der Ausgestaltung des privaten Wohnbereichs und der Pflege der eigenen Ahnengalerie fand. 

Die Ausstellung im Von der Heydt-Museum zeigt die idealistisch eleganten Bildnisse Heinrich Christoph Kolbes. Die detailreichen Innenraumdarstellungen Peter Schwingens und die revolutionären Charakterporträts von Richard Seel, Johann Peter Hasenclever und Adolf Köttgen sind ebenfalls Zeugnisse des bürgerlichen Selbstverständnisses auf höchstem künstlerischen Niveau. Auch die Baukunst diente der Selbstdarstellung und eine der wichtigsten Bauaufgaben war der Garten. Mit der „Hardt“ stifteten die Bürger nicht nur die erste öffentliche Parkanlage Wuppertals, sondern sogar einen der frühesten Bürgerparks in Deutschland.

Heinrich Christoph Kolbe, Die Kinder des Künstlers, um 1820

Die religiöse Orientierung des Bürgertums im Wuppertal bestimmte sowohl das unternehmerische Handeln als auch das Engagement in der Gesellschaft. Die vielfältigen Aktivitäten der führenden Persönlichkeiten – nachzuvollziehen in der Ausstellung der City-Kirche – reichen von der Funktion im Presbyterium, der Initiative bei Vereinsgründungen, einer reichen Spendenpraxis bis zur eigenen Bibelübersetzung. Die bemerkenswerte Sammlung außereuropäischer Kunst im Völkerkundemuseum ist Zeugnis globalen Engagements. So reisten schon 1828 vier junge Missionare nach Südafrika und bauten dort die Missionsstation „Wupperthal“ auf.

Vom 26.09.2009 bis zum  31.01.2010 ist die Ausstellung „Von Tugend und Glück — Die private Welt der Bürger 1815 – 1850“ an insgesamt vier Stellen in Wuppertal zu sehen: Von der Heydt-Museum – Historisches Zentrum – City-Kirche Elberfeld – Völkerkundemuseum.

 

 

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