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Sa Juli 15th, 2017

Wechselblicke. Zwischen China und Europa 1669–1907 in Berlin

Die Sonderausstellung der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin präsentiert anhand von rund 100 Kupferstichen, Fotografien, Porzellanen, Gemälden und kunsthandwerklichen Objekten die bisher wenig beachtete Wechselseitigkeit des kulturellen Austausches zwischen China und Europa vom Ende des 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Rezeption chinesischer Kulturgüter in Europa wird seit langem als „Chinoiserie“ bezeichnet; weit weniger bekannt ist die gleichzeitige Übernahme und Interpretation kultureller Merkmale aus Europa – der sogenannten „Europerie“ – während der Qing-Dynastie (1644–1911) in China. Die Ausstellung veranschaulicht die Prozesse und Wechselwirkungen, die nicht nur Chinoiserien hervorbrachten und das China-Verständnis vieler Europäer prägten, sondern auch Europerien erzeugten – also Architekturen und Artefakte, die das Europa-Bild Chinas widerspiegeln.

An Kupferstichen und Fotografien der sogenannten europäischen Paläste in Peking, Gegenständen aus Porzellan wie einem Gartenpavillon und der Tür eines chinoisen Kabinetts lassen sich die unterschiedlichsten Arten der Auf- und Übernahme kultureller Merkmale nachvollziehen. Die Exponate sind chinesischer und europäischer Herkunft und weisen meistens sowohl chinesische als auch europäische Facetten auf. So überrascht ein Gemälde auf Seide aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der Szene chinesischer Hofdamen in europäischer Kleidung beim Brettspiel in der Rokoko-Einrichtung der europäischen Paläste in Peking. Weiterhin sind chinesische Guckkastenbilder zu sehen, worin mit Linearperspektive und europäischen Architekturlandschaften experimentiert wird; darüber hinaus erstaunen die Fotografien Ernst Ohlmers (1847–1927), der die Ruinen der europäischen Paläste in Peking aus chinoisem Blickwinkel inszeniert.

Die Sonderausstellung zeigt, inwiefern das Verständnis Chinas in Europa sowie das Verständnis Europas in China sich in Architektur, Kunst und Kunstgewerbe über einen Zeitraum von rund 250 Jahren entfalteten. Die Exponate verdeutlichen darüber hinaus Austausch- und Aneignungsprozesse, die auch Materialien und Techniken wie Porzellan, Schmelzfarben der famille rose und Kupferstechen sowie Darstellungsformen wie Linearperspektive und Schraffurtechniken einschlossen. Genauso vielfältig waren die Motivationen der Hersteller und Auftraggeber, denn sie reichten von ökonomischem Profitstreben bis zur Realisierung utopischer Vorstellungen.

Gezeigt werden Sammlungsstücke des Museums für Asiatische Kunst, des Kunstgewerbemuseums und der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin, der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz sowie Leihgaben aus weiteren deutschen öffentlichen Sammlungen.

Die Ausstellung entsteht in enger Kooperation mit der Max-Planck-Forschungsgruppe „Objects in the Contact Zone – The Cross-Cultural Lives of Things“ am Kunsthistorischen Institut in Florenz – Max-Planck-Institut und wird auf der Basis mehrjähriger Forschungen von Prof. Dr. Matthias Weiß kuratiert.

Zur Ausstellung wird eine Vortragsreihe in Kooperation mit dem Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin organisiert. Es erscheint eine umfangreiche Publikation im Michael Imhof Verlag.

Auf dem Weg zum Humboldt Forum

Die Sammlungen des Museums für Asiatische Kunst und des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin werden auch während des Umzugs ins Humboldt Forum für die Besucherinnen und Besuchern sichtbar bleiben. Unter dem Motto „Auf dem Weg zum Humboldt Forum“ finden bis Frühjahr 2019 zahlreiche dialogische Sonderausstellungen und -präsentationen sowie Veranstaltungen der außereuropäischen Sammlungen am Kulturforum und auf der Museumsinsel Berlin statt. Weitere Informationen zum gesamten Programm finden sich auf der Webseite www.smb.museum/auf-dem-weg-zum-humboldt-forum.




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