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Do April 15th, 2010

Was holt die Kommunen aus der Krise? Kunst und Kultur gleich Komplettstreichen

Na das ist ja mal wieder ein visionärer Schritt in Richtung Haushaltskonsolidierung, den eine bekannte Kommune in Ostwestfalen-Lippe geht. Die Stadt Bad Oeynhausen steht vor einem Defizit von 20 Millionen Euro im Jahr. Das ist bedenklich, aber nicht verwunderlich, wenn man wahrnimmt, dass lange Zeit alles systematisch klein gemacht wurde, was als “Alleinstellungsmerkmal” funktionieren könnte. Gewerbepark auf der Grünen Wiese, anstatt die Geschäfte in der Innenstadt zu halten. Auch mit dem “Bad” und oder der ”Spielbank” wurde nicht gewuchert.

Jetzt wird doll gespart, bzw. wurde eine Liste der Sparmaßnahmen vorgestellt, die hilft 6 Mill. einzusparen. Wohl genug um einen Zwangshaushalt zu verhindern, aber auch mal wieder ein Stück Zukunftsfähigkeit zu verlieren.

Der Totalwegfall, des 1972 aus einer privaten! Stiftung und Spende hervorgegangenen Deutschen Märchen und Wesersagenmuseums ist eine der großen Sparmaßnahmen. Die Institution, die für die Stadt das “Alleinstellungsmerkmal” schlechthin darstellt, soll mit seinen mickrigen 200.000 Euro den Haushalt retten. Achtung das sind 1 % des Defizits. Herzlichen Glückwunsch kann man da nur sagen. Die Summe ist lächerlich und zeigt einmal wieder deutlich, dass die bewundernswerte Arbeit die dort von wenigen Menschen für die Gemeinschaft geleistet wird, wohl überhaupt keine Lobby hat. Das Märchen in allen Kulturen der Welt ein friedlicher zivilisatorischer Baustein sind, sollte doch heute Allgemeinplatz sein. Dort wo man sich Märchen erzählt, lernt man sich kennen und schlägt sich gegenseitig nicht tot.

Bildung, Sprachförderung, Phantasie und Lesekompetenz werden durch Märchen vermittelt und schaffen gelebte Integration. Und Märchen sind ein Wirtschaftsfaktor. Vielleicht sollte sich die Stadt mit ihren Verantwortlichen mal fragen, warum die Reststadt, eben nicht Märchenstadt ist, nicht die Themen stadtweit aufgegriffen werden. Von den großen Märchenfestivals in den Weserauen oder dem Kurpark, den Jahresthemen, die alle Geschäfte und Einzelhändler mittragen, die Bad Oeynhausen eben “märchenhaft” machen ist nichts zu sehen. Kultur kostet, ganz klar, aber schafft Mehrwert. Schon August der Starke sagte zu seiner Zeit, jeder von ihm ausgegebene Taler kommt dreimal zu ihm zurück,…

Daher dort kaputtschlagen, was zukunftsfähig wäre und damit einen kleinen Beitrag erwirtschaften, der das Finanzelend der Stadt nicht verhindert. Aber so ist das mit der Kultur, oder hier mit dem Thema Märchen, nur “Pipifax” und keine harten Fakten. Das werden die tollen Sparfüchse ja noch erleben, dass ihre ganze Härte so phantasielos ist, dass die Spirale eben noch weiter nach unten geht. Lebenswertes Stadtleben sieht nämlich anders aus.

Da kann man wieder auf die andere Seite des Rheins schauen, wo die Stadt Jülich ihr kulturelles Erbe, das “italienische” entdeckt und damit an den Start gehen wird. Oder nur in Richtung Nordhessen blicken, das als ganzes Märchenregion wird.

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4 Kommentare to “Was holt die Kommunen aus der Krise? Kunst und Kultur gleich Komplettstreichen”

Rettet des Deutsche Märchenmuseum in Bad Oeynhausen | Die Ostwestfalen sagte:

[...] und zu überlegen, was machen wir daraus damit es der Stadt besser geht, überlegt der Bürgermeister der Stadt Bad Oeynhausen nun aus Kostengründen dieses Museum ganz zu schließen und den auch vorhandenen Museumshof ebenfalls zu schließen. Der [...]

Do 15. April 2010 at 11:15

Wolfgang Meluhn sagte:

Da passt ja wunderbar der Artikel, den ich heute von dpa gelesen habe:
Der ungewöhnlich harte Winter hat viele Schlaglöcher in deutsche Straßen gerissen. Tiefe Löcher klaffen aber auch in den kommunalen Haushalten. Deshalb fordern die Kommunen mehr Geld vom Bund, um die Frostschäden an den Straßen beseitigen zu können.
Nach Angaben des ADAC will der Staat mit einer Soforthilfe von 100 Millionen Euro erste Finanzlücken der Kommunen überbrücken.
Wie der Allgemeine Deutsche Art Club weiter meldet, sollen flächendeckend nach dem Gießkannenprinzip alle Künstler und Kulturschaffenden sowie alle Kultureinrichtungen finanziell gestützt werden. Der ADAC rechnet mit Kosten von mehr als 3 Milliarden Euro allein im Bereich der bildnerischen Kunst.

Do 15. April 2010 at 15:21

Superstefan sagte:

Tja, wieder mal etwas kurzsichtig gedacht. Schade.

So 25. April 2010 at 17:44

FRank sagte:

Tja, es ist unwahrscheinlich schwer, die aktuellen Probleme zu klären und sich dort zu behaupten und gleichzeitig in die Zukunft zu investieren. Bildung, Kultur und Kunst als Standortvorteile werden schnell von den Kommunen und den Ländern geopfert. Gleichzeitig wünsche ich mir aber auch mehr eigenverantwortliches Handeln der Künstler, denn ein freiberuflicher Künstler ist für mich ein Unternehmer, der eigenverantwortlich für sich und die Gesellschaft handeln muss. Wenn Finanzquellen weg fallen müssen halt neue Partner gesucht werden, dieses ist ein immer währender Kreislauf. ;-)
Beste Grüße – Frank

Sa 1. Mai 2010 at 23:46

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