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Fr Dezember 16th, 2011

Vor dem Gesetz – letzte Ausstellung von Kaspar König – Ende einer Aera

Wenn ein profilierter und bekannter Ausstellungs- , Kunst und Museumsmensch in den wohlverdienten Ruhestand geht, wie jetzt der Leiter des Kölner Museum Ludwig, Kaspar König, der u.a. auch für die Skulpturen Projekte in Münster und die Städlschule in Frankfurt die bestimmende Persönlichkeit war, kann man schon vom Ende einer Ära sprechen.
Seine letzte Schau im Amte trägt den Titel „vor dem Gesetz“ und fasst eine Kunstgattung an die lange wenig Beachtung findet, obwohl sie im klassischen Kunstmarkt in der Form der Bronzeplastik bis heute nicht wegzudenken ist. Die Skulptur oder Plastik.
Spannend daran ist, dass die Unmittelbarkeit der Darstellung heute vielleicht verletzender Wirkt, als in ihrer jeweiligen Entstehungsphase. Kriegskrüpel, Figuren die drahtig oder zerklüftet daher kommen und auch so bleiben, weil sie nicht weggammeln, oder schmelzen, passen so gar nicht in die perfekte Stylingwelt der Zeit, die vor keinem Po, Nasenbein oder was auch immer beim lebenden Objekt halt macht.
Und das ist vielleicht das tolle, dass König noch einmal die Wirkmächtigkeit von Kunst in einer Ausstellung verdeutlicht. Was vermag die Kunst, wenn sich Sprache verweigert, oder Bilder nur noch geschönt oder gefakte sind.
Die Kunst kann über Jahre und Jahrzehnte hinweg, Zeit und Zeitgeschehen sichtbar machen und gesellschaftliche Fragen stellen: Was ist menschliche Existenz, physisches Dasein? Was ist menschlich, was unmenschlich? Wo liegen die Grenzen, wenn es um das Konzept der Menschenwürde und die Verletzung der Menschenrechte geht? Wie geht man in Zeiten der Globalisierung mit der Heterogenität der Welt um? Wie positioniert man sich als Individuum? Die Ausstellung „Vor dem Gesetz“ zeigt künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weisen und zu verschiedenen Zeiten auf den Menschen einlassen und versuchen, ihn als politisches Wesen auszumachen und zu positionieren. Sie verweisen dabei nicht auf spezifische Konflikte, sondern behandeln Themen, die das Menschsein an sich betreffen.
„Vor dem Gesetz“ meint daher künstlerisches Handeln im existenzialistischen Sinne, und selbst in den zeitgenössischen Positionen klingt der Tenor der Nachkriegsjahre an. Die Erfahrung einer intensiven Unmittelbarkeit einerseits und die Reflexion über die conditio humana andererseits sind wesentliche Ausgangspunkte der Ausstellung. Zu sehen sein werden sowohl aktuelle Arbeiten, unter anderem von Bruce Nauman, Pawel Althamer und Jimmie Durham, als auch Werke aus den 1950er Jahren, von Künstlern wie Germaine Richier, Reg Butler und Ossip Zadkine. Alle setzen sich auf subtile Weise mit der Verletzlichkeit des Menschen in einer Welt auseinander, in der das Konzept der Menschenwürde immer aufs Neue gefährdet ist.
Danke Kaspar König und alles Gute!
Die Ausstellung ist vom 17. Dezember 2011 bis zum 22. April 2012 im Museum Ludwig zu sehen.




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