Fr Februar 19th, 2010
Thomas Dworzak im C/O Postfuhramt in Berlin
In Lagos‘ Broadstreet und New Yorks Wall Street herrscht die gleiche Atmosphäre globalen Glücksrittertums – eine Mischung aus kühlem Finanzpoker, überschwenglichem Amüsierwillen und einer All-you-can-get-Attitude. Dabei war Lagos lange Zeit keine Megacity wie New York.
Die größte Stadt Nigerias zählte 1901 gerade mal 37.000 Menschen, zwanzig Jahre später waren es bereits 100.000 und 1971 schon 1,2 Millionen. Heute leben im gesamten Bundesstaat 9 Millionen Einwohner, im Jahr 2020 werden es über 14 Millionen sein. Immer neue Satellitenvororte entstehen, lassen das Gebilde aus Lagos Mainland und seinen sumpfigen Inseln zu einer wuchernden Krake werden, die aus den Tiefen des Meeres zu kommen scheint und alles verschlingt. Lagos ist eine von zur Zeit 19 Megacities weltweit, in zehn Jahren werden es fast 30 sein. Was haben wir von diesen Städten zu erwarten, welches sind die Trends, die sich schon jetzt abzeichnen, wie ist die Stimmung in ihnen, wie der Einfluss der Architektur auf den Einzelnen, gibt es so etwas wie eine sichtbare Jugendkultur, ein urbanes Sein, aus dem sich etwas über die Zukunft ablesen lässt?
Es ist diese Dynamik, die die heutigen Megacites kennzeichnet, die Schnelligkeit, die Kompromisslosigkeit, die Verrücktheit. Und inmitten des Overkills sind es die Menschen, die versuchen, in ihnen zu überleben, die Hoffnung haben und Visionen und eine unbändige Energie. Die Modernität als Chance begreifen, um der Zukunft ein Bild zu verleihen, in dem sie selbst gern Teil sein möchten. Davon erzählt Thomas Dworzak in seinen Fotografien im Rahmen der Ausstellungsreihe The Megapolis Tour.
C/O Berlin präsentiert den dritten Teil von The Megapolis Tour. Zusätzlich wird eine Auswahl aus den ersten beiden Ausstellungen gezeigt: New York von Peer Kugler und Bombay von Johann Rousselot.
The Megapolis Tour stellt die 14 Städte vor, die 2010 am größten sein werden: Von Tokio mit prognostizierten 36,4 Millionen Einwohnern über Bombay, Sao Paulo, Mexiko City, Delhi, New York, Dhaka, Kalkutta, Shanghai, Karachi, Kairo, Lagos, Manila bis hin zu Buenos Aires. Je ein Fotograf zeigt seine subjektive Sicht einer dieser Stadtlandschaften. Zu jeder Serie gibt es einen eigenen Katalog mit allen Fotografien.
Thomas Dworzak, geboren 1972 in Koetzing, Deutschland, reiste zu Ende seiner Schulzeit durch Europa und den Mittleren Osten und begann, erste Fotoarbeiten zu realisieren. Er lebte in Avila, Prag und Moskau, studierte spanisch, tschechisch und russisch. Der Bürgerkrieg im früheren Jugoslawien brachte ihn nach Tiblis, Georgien, wo er von 1993 bis 1998 lebte. In dieser Zeit dokumentierte er die Konflikte in Tschetschenien, Karabakh (Azerbeidschan/Armenien) und Abchasien und arbeitete an einem länger angelegten Projekt über die Kaukasus-Region und ihre Bewohner. Von Paris aus begleitete er ab 1999 die Kosovo-Krise, hauptsächlich für US News und World Report.
Seit 2004 lebt Dworzak in New York – sein Fokus liegt seitdem auf der amerikanischen Politik und ihren Einfluss auf den Krieg im Irak. Zur Zeit arbeitet er zudem an dem Projekt „Valiassr“, einem fotografischen Essay über Teherans Hauptsstraße. Die Ausstellung läuft vom 6. bis 28. Februar 2010 im C/O Berlin, altes Postfuhramt.
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Christiane Hoffmann, ist Inhaberin der






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