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Di Juni 28th, 2016

Retrospektive von Michael Buthe in München

Die Retrospektive zeichnet diese Entwicklungslinien nach und stellt das Oeuvre von Michael Buthe (1944-1994) in Chronologie vor. Dabei ist das Werk von Michael Buthe keine Wiederentdeckung im eigentlichen Sinn; es erlangt jedoch durch Buthes Assimilation von anderen Kulturkreisen, insbesondere dem Nebeneinander von Visionen westlicher und östlicher Mystiker, neue Aktualität.

Sein räumliches Denken wird in der ursprünglich für die documenta IX geschaffenen Installation „Die Heilige Nacht der Jungfräulichkeit“ (1992) greifbar. Die Installation besteht aus Ritzzeichnungen, für die Michael Buthe den Körperumriss von Freunden eingefangen hat, und einem spiralförmigen Leuchter mit zahlreichen Grablichtern, von zwei goldenen Ovoiden bekrönt. Dieses alle Sinne ansprechende Erlebnis von helldunkel schimmerndem Gold und Kupfer, die abstrahlende Wärme der Kerzenflammen umfängt den Betrachter im „schwebenden Gedanken einer Kosmologie der Utopia Generale“ (Michael Buthe). „Die Heilige Nacht der Jungfräulichkeit“ ist Buthes letzte große Installation mit dem Rang eines Gesamtkunstwerks. Die Ausstellung vereint mehrere große Installationen; auch die „Taufkapelle mit Papa und Mama“, 1984 in einer Einzelausstellung in der Villa Stuck zu sehen, kommt für diese Ausstellung zurück nach München.

Von 1970 an pendelte Michael Buthe zwischen seinem Zuhause im Rheinland und Marokko hin und her. Ähnlich wie für Robert Rauschenberg auf dessen Reisen nach Italien, Frankreich, Indien und Israel, ergab sich für Buthe in Marokko die Zusammenarbeit mit Stofffärbern. Von der Veranlagung her ein Exzentriker mit Persönlichkeitsanteilen eines Egomanen, zeugen seine archaisch wirkenden Assemblagen, leuchtenden Papierarbeiten, intensiv bearbeiteten Leinwände, Collagen und Gemälde in Gold gleichzeitig von einer spirituellen Ausrichtung.

Die Retrospektive leitet hin zu der grundsätzlichen Frage, vor der die Kuratoren stehen: Wie ist mit der Inszenierung von Buthes Werke heute umzugehen? Die Räume der Installationen, die er zu Lebzeiten geschaffen hat, sind bruchstückhaft dokumentiert – weil die Dokumentation von Ausstellungen damals nicht stringent üblich, und Michael Buthes Interesse am Akribischen gering war. Für ihn blieben auch die erschaffenen Werke veränderlich; wie z.B. das „Mäusenest“ aus Papier, Farbe, Wachs, Goldfarbe und Mäusekot, das zwischen 1970 und 1982 mehrere Stadien durchlief.

Im Spätwerk häufen sich bunte, vielgestaltige Assemblagen mit integrierten Fundstücken; beispielhaft hierfür steht „Landschaft (Spanische Energie)“. Demgegenüber scheint die Wandskulptur „Fliegende Landschaft“ im Begriff, sich in die Schwerelosigkeit zu erheben. Tatsächlich ist sie jedoch aus einer Eisenbahnschwelle gefertigt. Sie entstand 1992, zwei Jahre vor Buthes Tod.

Der Film „When love goes wrong nothing goes right“ (28 min; mit Udo Kier) wird im Treppenhaus gezeigt. Er zeigt Buthes engen Freund Udo Kier als flamboyanten Transvestit, der eines der Tagebücher durchblättert. Der Film reflektiert das nicht realisierte Projekt für die documenta 5. Buthe hatte vergeblich versucht, mit ihm befreundete marokkanische Musiker vom Volk der Gnawa nach Kassel zu bringen. Deren Gemeinschaft weist Ähnlichkeiten auf mit den Orden der Sufis. Ihre Musik ist dazu angetan, Spieler wie Zuhörer in ekstatische Zustände zu versetzen und wird im Film mit westlichen Post-Punk-Klängen zusammengeführt.
Laufzeit der Ausstellung Michael Buthe vom 8. Juli bis zum 20. November 2016 im Haus der Kunst München




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