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Do Februar 11th, 2010

Retrospektive Roger Melis in Berlin

Bröckelnde Fassaden und regennasse Pflasterstraßen, selbstbewusste Arbeiter, stille, misstrauische Bauern, Halbstarke auf dem Rummel und Kohlenträger in der Rauchpause, Ehrenwache haltende Tauben, verträumte Kinder, melancholische Dichter und provokante Künstler – Roger Melis ist ein Chronist und genauer Beobachter der ostdeutschen Lebenswelt, der seine Umgebung jenseits von Propaganda und staatlich gelenktem Fotojournalismus en détail zu lesen vermag.

Das Berliner C/O Berlin, International Forum For Visual Dialogues, präsentiert vom 6. März bis 2. Mai 2010 die Ausstellung Roger Melis.  Melis ist ein aufmerksamer Flaneur. Sein Credo ist die Gewissenhaftigkeit.

Bildquelle: Roger Melis, C O Berlin

Roger Melis ist einer der bedeutendsten Vertreter des ostdeutschen Fotorealismus. Seit Anfang der sechziger Jahre entstanden seine schlichten, meisterhaften Porträts von Schriftstellern und bildenden Künstlern, seine Arbeiterreportagen, Landschaftsaufnahmen und Modefotografien. Ob berühmte Intellektuelle wie Anna Seghers, Heiner Müller, Christa Wolf, Robert Havemann und Sarah Kirsch oder unbekannte Bauern und Arbeiter – jedem Porträtierten begegnet Roger Melis mit dem gleichen, zurückhaltenden Respekt. Durch seine abwartende Art öffnen sich die Menschen vor der Kamera, so dass Skepsis und Selbstachtung, Resignation und Mut unmittelbar sichtbar werden. Roger Melis blickt nüchtern und kritisch auf eine desillusionierte Gesellschaft, jedoch mit großer Zärtlichkeit für all die Nicht-Helden des Alltags.

C/O Berlin ehrt den im Herbst 2009 verstorbenen Fotografen mit einer ersten Retrospektive in seiner Heimatstadt Berlin. Die Ausstellung umfasst ca. 200 Fotografien – im Fokus stehen seine Bilder aus der DDR, Städteporträts von Paris und London und noch nie gezeigte Reportagen aus Moskau und Polen, die in den 1960er Jahren entstanden sind.

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