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Fr April 7th, 2017

Retrospektive Rik Wouters in Brüssel RMFAB

Die Ausstellung „Rick Wouters“, die noch bis zum  2 Juli 2017,  in dem wunderschönen und sehr sehenswerten Königlichen Museum der Schönen Künste in Brüssel (Royal Museums of
Fine Arts of Belgium (RMFAB)), die in Zusammenarbeit mit dem im Moment geschlossenen Königlichen Museum der Schönen Künste Antwerpen (Royal Museum of Fine Arts Antwerp (KMSKA)) entstand, hat einen für deutsche Verhältnisse unbekannten Künstler zum Thema.

Rick Wouters (1882-1916) ist für die Belgier ein nationaler Künstler. Sein Name und sein Werk kennt in Belgien jedes Kind. Ein Nationalheiliger eigentlich. Als Künstler hat Wouters in der Tat eine hohe Qualität und die Dichte seines Werkes und seine tragische Biografie taugen für ein Künstlergenie. Auch für Freunde und Freundinnen der klassischen Moderne in Deutschland.

Das Wouters so unbekannt in Deutschland ist, liegt an seiner wenig glamourösen Lebenswirklichkeit. In Mechelen geboren, kam Wouters erst 1912 wirklich mal aus Belgien heraus und sah in Paris die französischen Kollegen, die heute weit bekannter sind als er. Er hatte 1 Muse, die in seinen bildhauerischen Werken und in seiner Malerei sehr präsent ist. Und er wurde nur 33 Jahre alt.

Sein Werk ist nicht weit verteilt, da seine Muse, die ihn überlebte, das Werk zwar pflegte, aber nicht über die Grenzen Belgiens hinaus verteilte. So kommt es, dass das Meister der gezeigten Arbeiten in zwei zentralen belgischen Museen zu sehen ist. In Brüssel und in Antwerpen. Zwar kommen andere Stücke aus letztlich 30 Häusern in Brüssel zusammen, aber eigentlich ist alles sehr zentral und nicht in der Welt verteilt zu Hause. Dadurch ist der Name eben nicht so bekannt, wie die anderen Heroen der klassischen Moderne, die auf der ganzen Welt zu sehen sind.

Für die Kuratorin Dr. Inga Rossi-Schrimpf, sind alle wesentlichen Arbeiten jetzt in Brüssel zu sehen. Und die Belgier kommen, um die Meisterwerke zu sehen. Und das zu recht.

Wouters, der als ausgebildeter Bildhauer ein excellentes Auge für Proportionen, für die Volumen und die 3Dimensionalität hatte, konnte dieses technische Vermögen auch in seine Malerei umsetzen, die er sich autodidaktisch aneignete. Lange wirtschaftlich am Existenzminimun wurden für ihn erst die Jahre ab 1912 interessant, als seine Zusammenarbeit mit einer Galerie auch Verkaufserfolge seiner Arbeiten und Aufträge für Bronzeplastiken brachte.

Alltagssituationen und Motive eines nicht mehr rein ländlich geprägten Alltags sind seine Themen. Das Leben was Wouters führte und was er studierte, ist geprägt durch das industriell-vorstädtischen Leben. Belgien als eines der Vorreiterländer der industriellen Revolution, mit seiner Umweltverschmutzung, mit den unmenschlichen Arbeitsbedingungen des Proletariates und den Lebensveränderungen aller Schichten im Industriezeitalter, findet sich bei Wouters wieder.

Aber auch die ewigen Themen, der Liebe, der Freude, der Weiblichkeit und des Werden und Vergehens. Durch einen Freund lernte er „Cezanne in schwarz-weiß kennen“. Durch Kunstzeitschriften die Arbeiten von Cezanne schwarz-weiß abbildeten. Stillleben auf Tischen sind zu finden und Menschen im Raum, die sich in Ornamente auflösen. Der Betrachter ist an Matisse erinnert, ohne dass Wouters Matisse wirklich kannte.

Seine produktive Zeit war kurz bemessen. 1912 bis 1914 und dann als Soldat vom 1914 bis 1915 und die letzten beiden Jahre, in denen er durch eine Krebserkrankung im Holländischen Exil bis zu seinem frühen Tod 1916 verbrachte. Er wurde nur 33 Jahre alt und hatte nicht mal 10 produktive Jahre, in denen Wouters aber ständig malte und bildhauersisch Tätig war. Daher werden in Brüssel noch bis zum 2. Juli 2017 über 200 Arbeiten gezeigt. Im Blick der klassischen Moderne drückt Wouters eine internationale Strömung in der Kunst aus, in dem Zusammenhang seiner Belgischen Heimat ist es überraschend, wie konsequent sich Wouters von den eigentlich herrschenden Strömungen des Jugendstil absetzte. Um diese Verortung auch noch vornehmen zu können, was war zeitgleich in Belgien angesagt, hat das Museum noch eine zeitgenössische Vergleichssequenz in die Ausstellung integriert. Wirklich sehenswert und eine schöne Idee.

Danke an die Kuratorinnen: Francisca Vandepitte,, PhD, Art History, (University of Ghent, 1996); Senior Curator of Modern Sculpture & Constantin Meunier Museum at the Royal Museums of Fine Arts of Belgium, Coordinator of restorations modern art und Dr. Inga Rossi-Schrimpf curator of modern works on paper at the Royal Museums of Fine Arts of Belgium and coordinating curator of the Fin-de-Siècle Museum, die die Ausstellung konzipiert haben und tolles Inzenierungsideen hatten.

Auch zum Mitmachen ist eine „Eigenkreativecke“ in der Ausstellung geschaffen worden, so dass es wirklich ein lohnender Besuch der Ausstellung für Jung und Alt und sogar für Familien mit Kindern sein kann. Und wer unschlüssig ist, hier der Blick in die Website und der Blick in die Ausstellung als Video:
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