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Sa Mai 16th, 2009

Raffael von Urbino – auch Klischees müssen erfunden werden

Raffael und Urbino so heisst die aktuelle Ausstellung im italienischen Urbino, die dem wohl bekanntesten Sohn der Stadt, dem Renaissancekünstler Raffael gewidmet ist.

Wer wenig von Raffaelo Santi wie er eigentlich hiess weiss, kennt zumindest die beiden Engelchen am Fuss der Sixtischen Madonna, die August der Starke im 18. Jh. für seine Sammlung erworben hat. Heute ist sie in der Sammlung Alter Meister im Dresdner Zwinger zu Hause.

raffaello_autoritratto_1506_firenze_uffiziBildquelle: Uffizien Florenz, Raffael Selbstbildnis

Der Renaissancemeister Raffael galt bis weit ins 19. Jahrhundert als größter Maler aller Zeiten und eben als Universalgenie. Er wirkte vor allem in Rom und Florenz. Da er aber in Urbino geboren ist und auch dort die Schau stattfindet, heisst sie korrekter Weise „Raffael in Urbino“ und findet im dortigen Palazzo Ducale noch bis zum 12. Juli 2009  statt.

Schon der große Chronist der Zeit Giorgio Vasari beschreibt eine Menge über Raffael in seinen berühmten „Lebensbeschreibungen berühmter Künstler“. Ob und wie Vasari richtig berichtete ist schon lange angezweifelt worden. Die Schau in Urbino hat indes eine Menge Interessantes hervorgebracht. So z.B. das die Historiker der Universität Urbino unter der Leitung von Anna Falcioni im Staatsarchiv nachgeforscht haben und dabei festgestellt haben, dass die Dokumente der Familie Santi seit fast zwei Jahrhunderten, seit dem Jahr 1829 nicht mehr konsultiert worden waren. Anna Falcioni:  „Kaum zu glauben aber wahr. Dabei ist das Staatsarchiv von Urbino eine wahre Fundgrube mit Dokumenten über die Familie Santi von den Anfängen bis zu unserem Raffael. Und aus diesen Dokumenten geht zum Beispiel hervor, dass die Werkstatt von Giovanni Santi nicht etwa, wie immer behauptet wurde, mit seinem Tod eingeht, sondern weiter existiert und auch mit Raffael aktiv bleibt.“

Die Werkstatt wurde zunächst von einem Freund der Familie treuhänderisch weiter geführt. Aber Raffael wuchs schnell in die Rolle des leitenden Künstlers hinein. Und er bewies auch unternehmerisches Talent.

„Er zeigte sich als ein wohlhabender Mann, der sich ausgiebig um seine Besitztümer in Urbino kümmerte. Auch das Haus sein Vaters hat er weiter geführt und auf seinen Namen eintragen lassen. Die Akten bezeichnen es so.“

Die Ausstellung im Palazzo Ducale von Urbino präsentiert jetzt rund 120 Exponate, darunter viele Gemälde und Zeichnungen des jungen Raffael selbst wie etwa die sogenannte „Madonna Cowper“ aus Washington oder den „Traum eines Ritters“ aus London. Sie werden mit Arbeiten von Zeitgenossen aus dem Umfeld Urbinos in Beziehung gebracht. Dabei stellt sich vor allem heraus, dass der Vater, Giovanni Santi ein hochtalentierter und stilsicherer Künstler gewesen war, anders als es Vasari einschränkend beschreibt. So ist dies auch eine Ausstellung über eine Vater-Sohn-Beziehung. Kontakte, flämische Einflüsse in der Malerei, die Landschaft um Urbino herum, der kleine, aber gelehrte Hof und immer wieder die Literatur, die der Vater dem Sohn mit vermittelte.

Wer im Sommer Richtung Süden unterwegs ist, sollte sich diese Schau in Urbino nicht entgehen lassen, da die Ausstellung nicht nur eindrucksvoll mit ihren herrlichen Exponaten ein Stück Renaissance lebendig werden lässt, sie schreibt auch noch nebenbei ein Kapitel der Kunstgeschichte neu.

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