KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Di Mai 20th, 2008

Pure Phantasie – 50 Jahre Phantastischer Realismus der Wiener Schule

Man glaubt es kaum. Vor ziemlich genau 50 Jahren fanden sich im noch kriegszerstörten Wien junge Künstler zusammen, die Traum und Alptraum, Reales, Phantastisches und Unterbewußtes vom Surrealismus ausgehend weiterentwickeln wollten.

hbenedikt-detail-melancholie-1977.jpgBildquelle: Herbert Benedikt, Melancholie 1977, © Lieselotte Benedikt

So entstand der Phantastische Realismus, der in einer großen Retrospektive vom 20.Mai bis zum 14. September im Unteren Belvedere in Wien gezeigt wird.

leherb-fruhstuck-web.jpgBildquelle Unteres Belvedere: Helmut Leherb Déjeuner chez Leherb, 1965-67,© Lotte Profohs-Leherb

brauer-winter-web.jpgBildquelle Unteres Belvedere: Arik Brauer , Mein Vater im Winter, 1983, © Arik Brauer


Die Ausstellung wird von den Ausstellungsmachern als Rückschau auf eine der erfolgreichsten „Exportmarken“ österreichischer Kunst gewertet. Neben den Hauptwerken der fünf großen Meister – Arik Brauer, Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden – werden auch Vorgeschichte und Kontext dieser speziellen Strömung spätmoderner Kunst präsentiert.

Die Wurzeln des Phantastischen Realismus als ein spezifisch wienerisches Phänomen reichen zurück bis in die 1920er Jahre, als sich die Moderne in eine breite Palette divergierender Strömungen aufspaltete – neben Kubismus und Konstruktivismus entstanden damals auch der Surrealismus und der magische Realismus.
In der Aufbruchsbewegung der unmittelbaren Nachkriegszeit in Wien formierten sich die „Phantasten“ im Freundeskreis um „Art Club“-Präsident Albert Paris Gütersloh. Der „Art Club“ illustriert die undogmatische Vielfalt dieser Zeit, als expressionistische, kubistische und surrealistische Positionen junger Künstler, wie Maria Lassnig, Arnulf Rainer, und diejenigen der späteren „Phantasten“ konfliktfrei nebeneinander existierten.

foto-atelier-guetersloh-web.jpg Bildquelle Unteres Belvedere: Ernst Fuchs (rechts) und Albert Paris Gütersloh (Mitte) im Atelier an der Akademie der bildenden Künste, 1950;© Ernst Fuchs WerkvermittlungsgmbH

Mit den Publikationen des Kunstkritikers Johann Muschik und der Belvedere-Ausstellung zur Jahreswende 1959/60 erlangte der „Phantastische Realismus“ schließlich als „andere Seite“ der Moderne, als eine Alternative zur abstrakten Malerei der 1950er und 1960er Jahre, weltweite Aufmerksamkeit. Weitere Künstler dieser und der folgenden Generationen sind dem Umfeld und der Wiener Schule im speziellen zu zurechnen. Der gebürtige Wiener Künstler Herbert Benedikt, der in den 60er Jahren nach Deutschland ging, gehört dazu. In Westfalen hat sich ebenfalls eine Hochburg des Phantastischen Realismus auch dank Wiener Entwicklungshilfe gefunden. Im Mutterland kann eine kleine Auswahl von Bildern Herbert Benedikts im Schlosshotel Bernstein bewundert werden.





4 Kommentare to “Pure Phantasie – 50 Jahre Phantastischer Realismus der Wiener Schule”

Anton Höger zeigt große Formate in Bamberg | kunstfreunde sagte:

[…] im Kunstmarkt wieder eine größere Käufer und Sammlergruppe erschließt. Die große Jubiläumsausstellung in Wien tut ein übriges, um diese Kunstströmung wieder in den Fokus des öffentlichen […]

So 27. Juli 2008 at 11:21

Murry sagte:

Hallo,

ich bin zugebenermaßen kein echt Kunstkenner aber ich finde das Bild „mein Vater im Winter“ schon sehr beeindruckend.
Der Schnee wirkt auf mich schon leicht plastisch und das blaue Gewand von dem Mann wirkt irgendwie lebendig. Gibt das Bild auch in einer großen Auflösung?

Di 5. August 2008 at 12:21

Räubertochter sagte:

Liebe Kunstfreunde, ich habe die Ausstellung vor 1 1/2 Jahren besucht u mir Namen von Malern bzw. Titel von Bildern notiert, die mir besonders gut gefallen habe. Diese „Notizen“ finde ich aber natürlich nicht mehr. An ein Bild kann ich mich besonders gut erinnern, und zwar war darauf eine „Stadt unter der Stadt“ (Wien) abgebildet. Seitdem bin ich auf der Suche nach dem Maler. Vielleicht kann mir hier jemand weiterhelfen? Vielen Dank im Voraus! Beste Grüße, Eveline

Fr 5. Februar 2010 at 13:07

Museum Würth zeigt Rudolf Hausner – Revival der Phantastischen Kunst | kunstfreunde sagte:

[…] nach einer Phase des scheinbaren “Verschwundenseins” im ihren 2008 in der großen Belvedere Ausstellung in Wien wieder kam verwundert nicht. Auch Zeitgenossen und Studienkollegen, die nicht die Bekanntheit und […]

Do 18. Dezember 2014 at 15:41

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