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Mo August 10th, 2009

Otto IV. – Traum vom welfischen Kaisertum Landesausstellung in Braunschweig

Es ist schon eine Weile her, dass sich Braunschweig mit der Heinrich der Löwe-Ausstellung (1995)  ”seiner” Welfen erinnerte. Jetzt kommt der Sohn dran, mit einer großen Landesausstellung. Otto hat er geheissen, war der einzige Welfe der es auf den Kaiserthron geschafft hat und stand eigentlich immer im Schatten seines Vaters, Heinrichs des Löwen.

Otto IV. (ca. 1175 -1218) wurde als erster und einziger Welfe am 4. Oktober 1209 zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt. Mit seiner Geschichte und vorallem dem staufisch-welfischen Gegensatz, verbindet sich nicht nur niedersächsische Geschichte, sondern die ganz Europas. Aber da er den Konflikt letztendlich verloren hat, ist dieser Aspekt immer wenig beachtet worden, obwohl er ein klassischer Europäer des 13. Jh. war. In England aufgewachsen, in Italien seine Macht gefestigt, mit einer Schwäbin und einer Belgierin verheiratet, seine Macht in Frankreich (Schlacht von Bouvines) verloren.

siegel otto

Bildquelle: Logo und Siegel Kaiser Ottos VI

Drama auf der ganzen Linie und immer im “ChampionsLeague-Format”. Das zeigt die Landesausstellung in Braunschweig jetzt noch bis zum 8. November 2009 an insgesamt drei Orten.

Ein ganz besonderes Highlight ist der „Ptolemäer-Kameo” aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien. Ein Kameeo ist ein erhaben geschnittener, also erhöhter (Schmuck-)Stein. Der ausgestellte Kameo stammt aus dem 3. Jahrhundert vor Chr. und wurde von Otto IV., neben der erforderlichen Menge Gold, für die Herstellung der Stirnseite des Kölner Dreikönigenschreins gestiftet. Otto bedankte sich mit dieser Zustiftung für die Unterstützung der Kölner Bürger und des Kölner Erzbischofs, die maßgeblich zu seiner Königswahl im Jahr 1198 beigetragen hatten.

Der Kameo wurde im Jahr 1574 vom Schrein gestohlen und tauchte nach mehreren Zwischenstationen schließlich im Jahr 1668 in Österreich wieder auf, wo er seitdem verwahrt wird. Weitere Highlights der Ausstellung sind z.B. das Testament sowie der Kaisermantel Ottos IV.

Der Mantel aus der Zeit um 1200 gehört aufgrund der verwendeten kostbaren Materialien -Goldstickerei auf Purpurseide- und der künstlerischen Verarbeitung zu den hochrangigen Beispielen der Textilkunst des beginnenden 13. Jahrhunderts. Die auf dem Mantel dargestellten Leoparden verweisen deutlich auf die enge Bindung Ottos zum englischen Königshof, an dem er seine Jugend verbrachte.

Hochwertige Objekte der Hofkultur, wie z.B. ein Aquamanile, ein zur Handwaschung genutztes Wassergefäß, aus dem Rijksmuseum in Amsterdam, geben Einblicke in das weltliche Umfeld des Kaisers. Mehrere Stücke aus dem Welfenschatz, die von Otto IV. in seinem Testament an den Dom St. Blasii vererbt worden sind, vermitteln einen Einblick in die Bedeutung und künstlerische Qualität der Reliquienverehrung des Mittelalters.

Zahlreiche illustrierte Handschriften, Chroniken und Urkunden runden das Bild eines bis heute weitgehend unbekannten Kaisers ab, dessen Leben und Wirken ab. Ausstellungsorte sind das Braunschweigische Landesmuseum, die Burg Dankwarderode und der Dom St. Blasii.

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