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Fr April 29th, 2016

Niki de Saint Phalle und das Theater in Rüsselsheim

Bislang ungewürdigt blieb die Theaterarbeit von Niki de Saint Phalle (1930‒2002). 1966, nachdem die Künstlerin mit einer begehbaren, liegenden und bunt bemalten Frauenfigur im Moderna Museet in Stockholm ihr erstes Großprojekt schuf, wurde Niki de Saint Phalle vom damaligen Theaterregisseur Rainer von Diez nach Kassel eingeladen, um Bühnenbild und Kostüme für seine Inszenierung der „Lysistrata“ von Aristophanes am Staatstheater zu entwerfen. Schnell identifizierte sich Niki de Saint Phalle mit dem Stück, in dem sich Frauen aus ganz Griechenland gegen ihre Männer und den Krieg verschwören. Die Künstlerin lernte das Theater auch als Ort der aktiven Beteiligung des Publikums schätzen und begann ein eigenes Theaterstück namens „ICH“ zu schreiben, das dann 1968 anlässlich der documenta in Kassel in Zusammenarbeit mit Rainer von Diez uraufgeführt wurde. Die Ausstellung wird ab dem 7. Dezember 2016 bis März 2017 in Rüsselsheim in den Opelvillen zu sehen sein

Niki de Saint Phalle sitting in front of Lysistrata poster, 1966

Bildquelle: Niki de Saint Phalle vor dem Plakat zu »Lysistrata« sitzend, 1966
© 2016 NIKI CHARITABLE ART FOUNDATION, all rights reserved

Niki de Saint Phalles Theaterstück:
In ihrem Stück ergreift eine weibliche Figur namens ICH die Macht über die Menschheit, die von „Monsteranern“ repräsentiert wird. Zunächst bringt ICH als junges Mädchen ihre Eltern um, dann erreicht sie in verschiedenen Disziplinen, unter anderem als Rennfahrerin oder Sängerin, Weltruhm. Schließlich heiratet ICH sich selbst. Als die „Monsteraner“ versuchen, ihre Herrschaft abzuschütteln, ist es zu spät. ICH regiert die Welt und wird von allen dafür angebetet. Mit der Inszenierung des humorvollen, erotischen, aber auch grausamen Stücks wurde beabsichtigt, Fantasie und Kritik des Publikums gleichermaßen anzuregen. Niki de Saint Phalles entfaltete ihre Kreativität in den optischen und bildnerischen Formen wie auch in den Sprach- und Bewegungsabläufen. Kaskadenhaft – bunt und auch schrill ‒ breiteten sich die verschiedenen Beiträge in Farben, Formen und Tönen auf der Bühne aus. Teil des Darbietung war auch ein Trickfilm mit einer von der Künstlerin gemalten Traumsequenz, in der ICH davon berichtet, wie sie sich im Traum auf einem Baum von einer Schlange verfolgt sah, wie die Schlange Eltern und Brüder fraß und auch eine Kirche verschlang, in der ICH sich versteckt hatte. Schließlich siegte ICH, da ein Vogel ihr ein Ei zeigte, in dem sich ein Dolch befand. ICH erstach die Schlange und verzehrte sie. Einzelne Bildelemente begleiteten fortan das bildnerische Werk von Niki de Saint Phalle.




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