Do Oktober 1st, 2009
Meluhn unterwegs – Kunst is the answer
Bisher konnte man den Eindruck gewinnen, nur Menschen mit einer religiösen Motivierung hätten die Stärke, die Verrücktheit, das Getriebensein oder die Mission, sich mit ihrem Glaubenssatz auf Plätze zu stellen und sich dem Gespött der Leute auszusetzen.
Wer kennt sie nicht, die Menschen mit den Bibeln oder ähnlichem in der Hand, früher gerne auch mal rot gewandet, die in den Metropolen der Welt oder auch in Fußgängerzonen vor Ort zu sehen sind. Was immer man denkt, es muss eine starke Kraft sein, die den Menschen die Kraft gibt sich herauszustellen mit ihrer Botschaft, im immer kommunikationsloser werdenden öffentlichen Raum. Wenn ein Künstler diesen Weg geht, muss der Impuls deshalb nicht weniger stark sein. Er bringt sich und seine Botschaft auch zu den Menschen, ist mitten unter ihnen.
Und was hat er in der Hand? Einen Kunstkatalog mit nichts drauf außer dem Satz Kunst is the answer. Wolfgang Meluhn ist dieser Künstler, der vor einer weiteren guerilliaartigen Aktion nicht zurück schreckt. Auf dem Weg um die Welt, wie das Video zeigt.
Meluhn ist Künstler mit Leib und Seele und will diese Wertschätzung in die Welt zurückverankern und bedient sich bei heutigen Werbeformen, neudeutsch Marketing genannt, um genauso wie die Produktindustrie, sein Produkt “Kunst” an den Mann und die Frau zu bringen. Und wo sind die Menschen? Eben überall, gerne in der Nähe von Kulturgütern erkennbar, universell und individuell.
Das Marketingkonzept wird so zum kunstpolitischen Statement, zum Hinweis auf die essentielle Wichtigkeit von Kunst in unserem hier und jetzt und vorallem von der Berührbarkeit von Kunst, Künstler und Betrachter. Das ist auch ein Wirtschaftskreislauf, aber vor allem ein Sehnsuchts- und Gefühlskreislauf. Die Künstler schaffen Welten die für die anderen Horizonte, Gefühle und Weisheiten bündeln, anrühren und offenlegen. Egal welche Position, aber die Phantasie braucht diese Mittler zwischen den Welten, so wie Musiker die Klänge schaffen, die Literaten mit Worten Bilder im Kopf erzeugen, die Filmemacher Welten auf die Leinwand zaubern. Das ist der Mensch, der nicht alleine rational oder irrational nur an Zahlen und Banknoten glauben kann. Die Menschen sind viel mehr und diese Weite ist das Thema, mit all ihren Facetten. Diese Facetten heissen auch: Phantasie muss Nahrung haben, und Nahrung müssen die haben können, die diese Phantasie auf Reisen schicken.
Keine Arbeit ist besser als die anderen, nur die gesellschaftliche Wertigkeit lässt hier mehr Wert zu als da. Und das ist beweglich, das ist nicht “schon immer so gewesen”. Und jeder und jede kann das für sich im kleinen ändern, das nennt man neudeutsch “Konsumverhalten”. Wie sich was ändern kann, haben wir in Deutschland vor 20 Jahren mit dem Mauerfall erlebt, haben wir in den letzten Wochen mit der Bundestagswahl erlebt, warum soll das nicht auch woanders wirken. Kunst kann so viel und da hat Meluhn recht, wenn er seinen Glaubenssatz “Kunst is the answer” herausträgt in die Welt.
Was die Bedeutung und Kraft von Kunst vermag, wird übrigens auch in anderen künstlerischen Auseinandersetzungen deutlich. Das MARTa Herford veranstaltet jetzt eine Ausstellung zum Thema “Pittoresk” und beschäftigt sich in der Ausstellung mit dem neuen Landschaftsbild in der Kunst. Aber auch das “alte Landschaftsbild” wird betrachtet und siehe da, was kommt raus: Das Landschaft erst stattfindet, als es ein königliches Privileg ist auf einen gestalteten Garten, also einen “guten” Naturraum zu schauen. Dieser bedroht den Menschen nicht, wie der ungestaltete Rest, sondern er ist durch Königs Geld und Gärtner Hand domestiziert. Der König guckt drüber und hat so den Überblick und die Macht den Überblick zu haben.
Mit der bürgerlichen Gesellschaft fällt der Überblick eine Etage tiefer und verkommt zum Durchblick. Der Durchblick im z.B. englischen Landschaftsgarten ist das Maß der Dinge. Nicht mehr Überblick, sondern Teilansicht und Durchblick von gleichhohen Perspektiven in einer durch und durch artifiziellen Landschaft, sind das Maß. Aber das stört niemanden. Landschaft “verkommt” zum Massenphänomen.
Und heute wo eigentlich jeder Zipfel der Welt für fast jeden und fast jede erreichbar wird, werden wieder beschränkte Ressourcen interessant, die eben nicht für jeden und jede zugänglich gemacht werden. Privatgärten, vergangene Blicke auf Landschaft, die durch andere Kulturphänomene (Zersiedlung, Erosion, Zerstörung im allgemeinen) interessant werden, Klöster usw.
Und genauso verhält es sich mit der Gesellschaft. Bürgerlich zu sein, ist nicht mehr das Maß der Dinge, wichtig ist zu einer Gruppe von wenigen zu gehören. Superreich, Medienstar, Adel sind die neuen Leitsterne der sich im 21. Jahrhundert suchenden Gesellschaft. Und da ist Adel wieder tres chic, weil man eben nicht einfach dazugehören kann, weil Jahrhunderte lang geübte Überheblichkeit und ein Name der auf keine Scheckkarte passt, scheinbar toll sind. Nicht umsonst, ist das beste Wahlergebnis eines Bundespolitikers ausgerechnet einem Adeligen gelungen. Die Menschen und da gehören die Wähler ja zu, möchte eben Helden, egal ob der Mensch dahinter was taugt oder nicht. So dicht kommt man ja meist nicht ran, bis man das beurteilen kann.
Und wenn wir im 21. Jahrhundert schon einen Massstab brauchen, wäre doch eine brauchbare Alternative in der Gruppe der Künstlerinnen und Künstler zu finden. Gebt ihnen Öffentlichkeit, bewundert ihre Kreativität, ihre Kraft, ihr getrieben sein und ihren Habitus, lasst Euch bezaubern von den Bildern, Skulpturen, Videos, Zeichnungen, ihrer Musik und ihrer Worte. Lasst sie kochen im Fernsehen, holt sie in die Talkshows, bezahlt ihnen viel Geld für ihre Werke, nehmt teil an den privaten Dramen, jubelt ihnen auf der Strasse zu und freut euch, wenn Ihr welche von ihnen seht. Lasst Euch die Welt erklären durch Künstlerinnen und Künstler und der Unterhaltungswert und die Freude in der Öffentlichkeit wären grösser. Ermutigt Eure Kinder Künstler zu werden und macht Fernsehfilme wie “das Erbe der Rembrandts”, oder die “Lüpertz-Saga”, oder “Die Immendorff-Klinik”.
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Christiane Hoffmann, ist Inhaberin der






2 Kommentare to “Meluhn unterwegs – Kunst is the answer”
[...] Im Missionare entsenden waren die Gütersloher schon immer gut. Jetzt ist mit Wolfang Meluhn ein Künstler aus dem Kreis Gütersloh als “Bibelverkäufer” losgezogen, um in der Welt um sein Anliegen zu werben. Die einfache Botschaft lautet “Kunst is the answer”. Egal wo, in Bielefeld vor der Kunsthalle, in Herford vor dem MARTA, in Paris vor dem Louvre, in München vor dem Rathaus oder in Venedig vor dem Markusdom. Wolfgang Meluhn macht mit seinem Kunstprojekt “Kunst is the answer” auf sich aufmerksam. Hier der Beweis als Film und zur künstlerischen Diskussion weiter hier. [...]
Do 8. Oktober 2009 at 21:14
[...] Zuhause im Kreis Gütersloh zur Biennale nach Venedig und machte auch sein Kunstprojekt “Kunst is the answer” aufmerksam. Doch was ist eigentlich die [...]
So 18. Oktober 2009 at 22:59
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