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Sa Februar 23rd, 2008

Malende Frauenzimmer in Frankfurt – Impressionistinnen im Schirn

In der Kunsthalle Schirn werden jetzt Künstlerinnen des Impressionismus vorgestellt. kunsthalle-schirn-impressionistinnen.jpg Foto: Kunsthalle Schirn

In den Vorankündigungen der Ausstellung „Impressionistinnen“ in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt klingt zu recht Stolz mit, dass man mit diesem Ausstellungsprojekt mit dem Vorurteil aufräumt, dass es nur malende Männer gegeben hätte, die den Impressionismus erfunden haben. Dieser Malstil, der ja weltweit so populär ist. Aber wie das mit Mythen ist, die oft die Quelle im guten Marketing haben, so z.B. das Phänomen des Vincent van Goghs dank Julius Meier-Graefe. Wenn es an die Fleischtöpfe der Kunst geht, funktionieren eben die Netzwerke.

Die Kunsthalle Schirn zeigt noch bis zum 01. Juni 2008 die Arbeiten der Künstlerinnen Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzalès und Marie Bracquemond. Wer waren diese Malerinnen, von denen Morisot und Cassatt für Eingeweihte schon bekannte Namen waren?

Berthe Morisot (1841-1895) war Gründungsmitglied der Gruppe der Impressionisten. Sie entstammte einer reichen französischen Familie und erhielt wie für die Zeit üblich Privatunterricht im Malen und Zeichnen. In den 1860er-Jahren war sie eine Schülerin von C. Corot und stellte erfolgreich im Salon aus, wodurch Manet auf sie aufmerksam wurde. Morisot nahm bis auf eine Ausnahme an allen „Impressionisten-Ausstellungen“ teil und beeinflusste durch ihren lockeren Pinselstrich auch ihren zukünftigen Schwager Manet, der sich bei den Impressionisten immer zurück hielt. Sie widmete sich bevorzugt Familienszenen, Frauen- und Kinderporträts, Interieurs, Landschaften und Hafenbildern. 1877 heiratete sie Eugène Manet, den Bruder Édouard Manets, mit dem sie eine Tochter hatte, Julie, die ihr häufig als Modell diente.
Mary Cassatt (1844-1926) begann 1861 ihr Studium an der Pennsylvania Academy of the Fine Arts in Philadelphia. Ab 1874 lebte sie in Frankreich und schloss sich in Paris den Impressionisten an. Sie erfuhr von den Zeitgenossen hohen Respekt und Aufmerksamkeit. Ihr Hauptthema sind Porträts, Szenen in der Oper (ähnlich wie Degas) und Mutter-Kind-Beziehungen, die ohne Sentimentalität gemalt sind. Besonders Cassatts Pastelle gehören zu den herausragenden Werken ihrer Epoche. Berühmt sind auch ihre grafischen Arbeiten, die sich mit ihren flächigen, klar umrissenen Formen von japanischen Holzschnitten beeinflusst zeigen. Als sie 1914 erblindete musste Sie ihre künstlerische Tätigkeit aufgeben.

Eva Gonzalès (1847-1883) ist die eigentliche „Neuentdeckung“ der Ausstellung. Bisher wurde ihr Werk nur rudimentär und zusammen mit Morisot und Cassatt in kleinere Gruppenausstellungen einbezogen. Im Alter von 16 Jahren begann Eva Gonzalès ihre Ausbildung als Zeichnerin und Malerin im Atelier des Malers Charles Chaplin, der ausschließlich weibliche Schülerinnen hatte. Obwohl Eva Gonzalès dem Impressionismus zugerechnet wird, hielt sie sich den Gruppenausstellung fern. In ihren Gemälden porträtierte sie häufig Frauen. Darüber hinaus entstanden Stillleben und Landschaftsbilder. Nach der Geburt ihres Sohnes starb Eva Gonzalès 1883 an einer Embolie, ähnlich wie fast 25 Jahre später die Malerin Paula Modersohn-Becker.

Marie Bracquemond (1840-1916) war die Frau des Porzellanmalers und Grafikers Félix Bracquemond. Sie schuf Entwürfe für Porzellan und Wanddekorationen. Einer ihrer Entwürfe, ausgestellt im Pariser Salon 1874, erregte die Aufmerksamkeit von Degas, der die Künstlerin mit Renoir und Monet bekannt machte. Mehrfach beteiligte sie sich mit eigenen Gemälden an den Ausstellungen der Impressionisten. Félix Bracquemond hatte wenig Verständnis für die künstlerische Produktion seiner Frau und war eifersüchtig auf ihren Erfolg. Zermürbt von seiner Kritik, beschränkte sie ihre künstlerische Tätigkeit auf das engste Umfeld und gab sie nach 1890 ganz auf. Ihr Lebenslauf ist typisch für die nicht vorhandende Wertschätzung der Umgebung und zeigt, dass nach dem Tod der Künstlerinnen das Werk komplett vergessen wurde. Nur die Besitzer und Sammler der Arbeiten freuten sich still über ihre Schätze.

Eine tolle und wegweisende Schau und für die Rezeption der Malerei des Impressionismus wegweisend, da auch diese Malepoche aus Künstlerpersönlichkeiten beiderlei Geschlechts besteht. 




1 Kommentar to “Malende Frauenzimmer in Frankfurt – Impressionistinnen im Schirn”

High Society - Amerikanischer Sommer im Bucerius Kunst Forum | kunstfreunde sagte:

[…] Emil Noldes aus den gleichen Wurzeln speisen lassen und anders herum ist Mary Cassatt erst in der Impressionistinnen-Schau in Frankfurt groß […]

So 30. März 2008 at 23:24

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