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Fr Juli 28th, 2017

Lechner Museum Ingolstadt öffnet seine Tore

In der ersten Ausstellung nach dem Tod des Künstlers im Februar 2017, ANFANG UND KEIN ENDE (18. Mai bis 17. September 2017) im Lechner Museum Ingolstadt
geben zahlreiche Zeichnungen und Aquarelle, darunter Landschaften, Interieurs bis hin zu großen abstrakten Kompositionen, Einblick in Sichtweisen und Wirklichkeitserfahrungen des Künstlers. Zum ersten Mal im Lechner Museum zu sehen sind Zeichnungen vom Anfang seiner künstlerischen Laufbahn, die seine späteren monumentalen Skulpturen kaum vermuten lassen. Frühe kleinformatige Zeichnungen aus den Jahren 1945/46 werden dem zeichnerischen und skulpturalen Spätwerk des Künstlers (2000-2012) gegenübergestellt. Dies zeigt auf spannende Art und Weise, wie Lechner es vermochte innere Emotion nicht nur in stimmungsvollen Landschaftszeichnungen festzuhalten, sondern auch die gleiche emotionale Intensität in den fast ein halbes Jahrhundert später entstandenen abstrakten Zeichnungen und Skulpturen zu transportieren. Komplettiert wird die Heraushebung vom frühen Anfang und Ende im Grafischen Werk Lechners durch die letzte realisierte Skulpturengruppe Würfelschnitte 2014. Lechner hat bis zu seinem Tod dieses Jahr an weiteren Modellen zu Skulpturen der Werksgruppe der
Würfelschnitte gearbeitet. Die Werkschau wird kuratiert von Alf Lechners Sohn, Daniel McLaughlin. Daniel McLaughlin widmet sich nach seiner Galeristentätigkeit in New York und
seinen Jahren im Managementteam der Kunstmesse Art Basel jetzt der Aufarbeitung des Nachlasses von Alf Lechner und unterstützt den Arbeitsauftrag der Alf Lechner Stiftung.

Komplexität der Einfachheit
Einige der ausgestellten frühen zeichnerischen Skizzen aus den Jahren 1945/46 offenbaren bereits einen Wesenszug von Lechners Arbeiten: eine Vorliebe für Vereinfachungen. Einfachheit war Lechners selbstdefiniertes Lebensziel: „ In der Einfachheit steckt soviel Kompliziertes, dass man gar nicht einfach genug sein kann. Wirkliche Entdeckungen macht
man nur in der einfachsten Form“, sagte der Künstler. Die frühen Zeichnungen zeigen nicht nur starke Reduktionen, sondern es lässt sich auch bereits ein Sensor für physikalisch-geometrische Momente, ein zentrales Thema Lechners späterer skulpturaler Arbeiten, zum Beispiel in dem Werk „Maiskraut im Schnee“ erkennen. Dass diese frühen Arbeiten Lechners Entwicklung zu einem Künstler zwischen konstruktiven Konzepten, Konkretem und Minimal Art bereits intendieren, wäre eine gewagte These. Zur Entstehungszeit der gezeigten Zeichnungen und Aquarelle ist Alf Lechner gerade mal 20 Jahre alt. Künstlerisch unterrichtet hatte ihn seit seiner Jugend der Landschaftsmaler Alf Bachmann, dessen Atelier sich im Dachgeschoss des Elternhauses in München befand. Bis Alf Lechner als Künstler den Schritt vom traditionellen Zeichner und Landschafts-Maler zum konstruktiv denkenden und gestaltenden Bildhauer machte, vergingen nochmals mehr als zehn Jahre. In dieser Zeit absolvierte Alf Lechner eine Schlosserlehre, gründete die Firma Litema, Lichttechnik und Metallverarbeitung und entwickelte als Industriedesigner u.a. Operationsleuchten und Spezialleuchten für die Zahnmedizin. Der Verkauf der Firma 1963 verlieh Alf Lechner die nötige Unabhängigkeit, die ihm zeitlebens ermöglichte, sich als Bildhauer einzig und allein mit der Eigengesetzlichkeit des Werkstoffes Stahl und seinen mannigfaltigen und vielseitigen Formen auseinander zu setzen

Bild: Ansicht-Skulpturenpark3-©-Alf-Lechner-Stiftung-Foto-Werner-Huthmacher-Berlin

Double Feature: Museum und Skulpturenpark

Sonntag, 30. Juli um 14.00 Uhr: Beginn mit der Führung im Lechner Museum Ingolstadt durch die Ausstellung ALF LECHNER | ANFANG UND KEIN ENDE. Zum ersten Mal zeigt das Lechner Museum zarte Zeichnungen vom Beginn der künstlerischen Laufbahn Alf Lechners, wie sie seine späteren monumentalen Skulpturen kaum vermuten lassen. Die frühen, kleinformatigen Zeichnungen aus den Jahren 1945/46 werden in Dialog zu dem zeichnerischen Spätwerk des Künstlers (2000-2016) gesetzt. Eine der letzten vom Künstler geschaffenen Skulpturengruppen ergänzt die Ausstellung.

Ab 16.00 Uhr: Fortsetzung der Führung im privaten Alf Lechner Skulpturenpark Obereichstätt, der nur im Rahmen von Führungen öffentlich zugänglich ist. An keinem anderen Ort kann man so eindrucksvoll in den künstlerischen Kosmos Alf Lechners eintauchen wie im Skulpturenpark in Obereichstätt. Hier verwirklichte der Künstler seinen Wunsch, die meterhohen Stahlskulpturen wie in einem Museum unter freiem Himmel aufzustellen. Tonnenschwere, rostüberzogene Skulpturen stehen heute auf den terrassenförmig angeordneten steinernen Plateaus vor der dramatischen Kulisse der Felswand eines Steinbruchs. Das Papierhaus auf dem Gelände widmet sich ganz Lechners graphischem Werk. Etwa 4.500 Zeichnungen und mehrere druckgrafische Mappenwerke hat der zu Beginn diesen Jahres verstorbene Künstler hinterlassen. Diesen Sommer noch werden die wichtigsten Editionen von Alf Lechner aus den Jahren 1982 bis 2000 sowie Radierungen aus dem Jahr 1995 im Papierhaus ausgestellt.

Exklusive Sonderführungen im Alf Lechner Museum und Lechner Skulpturenpark

Sonntag 30. Juli / Sonntag 27. August

Beginn jeweils 14.00 Uhr Lechner Museum, Ingolstadt, Esplanade 9

Fortsetzung 16.00 Uhr Skulpturenpark, Obereichstätt, Allée 3

Kombi-Tageskarte: 7,50 € / Tageskarte Kinder: 3 €

www.lechner-museum.de




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