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Sa Oktober 5th, 2013

Kunsthalle Karlsruhe zeigt Kunstausstellung Unter vier Augen

Die staatliche Kunsthalle Karlsruhe zeigt eine Portraitausstellung unter dem Titel „Unter vier Augen“. Die Idee der Ausstellung ist interessant und befremdlich zu gleich.

Interessant, weil die Aus­stel­lung gut 50 Spit­zen­wer­ke der Karls­ru­her Samm­lung aus 500 Jah­ren in einer Ausstellung zusammenfasst. Die nie­der­län­di­sche, deut­sche und fran­zö­si­sche Por­trät­ma­le­rei von etwa 148o bis 198o speisst diese Ausstellung. Vom Konzept her wird der Frage nachgegangen, was diese stummen Zeugen ihrer jeweiligen Epoche zu sagen haben. Gesicht, Kleidung, Hände, Farbe alles „sagt“ etwas, hat seine Bedeutung, die der Kunsthistoriker lernt zu entziffern, die der normale Besucher vielleicht nicht entschlüssel kann.

Das wird zum Anlass genommen, die fehlende Kommunikation zwischen Betrachter und Werk zu überwinden. Und nicht irgendwie, durch einen „normalen“ Audioguide, nein, man hat nam­haf­te deutsch­spra­chi­ge Schrift­stel­ler/-in­nen, In­tel­lek­tu­el­le, Kunst- und Kul­tur­wis­sen­schaft­ler/-in­nen gebeten sich von Por­träts zu Tex­ten in­spi­rie­ren zu las­sen. So sind unterschiedliche Blickwinkel zu Stande gekommen.

In Form von Es­says, Ge­schich­ten und Ge­dich­ten, ver­fasst u.a. Autoren (u.a.) Zoë Beck, Wilhelm Genazino, Nora Gomringer, Katharina Hacker, Paulus Hochgatterer, Angelika Klüssendorf, Ursula Krechel, Brigitte Kronauer, Michael Kumpfmüller, Thomas Lehr, Olga Martynova, Friederike Mayröcker, Eva Menasse, Herta Müller, Markus Orths, Karl-Heinz Ott, Angelika Overath, Hans Pleschinski, Antje Rávic Strubel, Laurence Rickels, Peter Sloterdijk, Anna und Hans Joachim Schädlich, Silke Scheuermann, Norbert Schneider, Lutz Seiler, Alain Claude Sulzer, Christine Traber und Ingo Schulze, Barbara Vinken, Juli Zeh;
und mit Arbeiten von folgenden Künstlern (u. a.) Jan Vermeyen, Hans Burgkmair, Govaert Flinck, Jean-Simon Berthélemy, Quentin de La Tour, Johann David Welcker, Henri-Pierre Danloux, Eugène Delacroix, Peter Paul Rubens, Jean-Etienne Liotard, Georg Scholz, Hyacinthe Rigaud, Friedrich Overbeck, Anton Raphael Mengs, Adolph von Menzel, Edouard Manet, Auguste Renoir, August Macke, Anton Graff, Georg Philipp Schmitt, Ernst Ludwig Kirchner, Lucas Cranach d. Ä., Fritz Klemm, Rembrandt Harmensz van Rijn, Adam Manyoki, Wladimir Lukianowitsch von Zabotin, Quentin Massys, James Tissot, Karl Philipp Schwab, Louis Gauffier, Oskar Kokoschka, Otto Dix, Alexander Kanoldt.

Promis sprechen über gemalte Promis sozusagen und lassen den Schleier ihrer Gedanken durch die gesprochenen Texte zu einer weiteren Ebene des Wirkens werden. Hier ein Film der Kunsthalle zum Tuchfühlung aufnehmen:

Und jetzt das befremdliche: Wenn schon das Verstehen der Portraits über die Jahrhunderte verloren gegangen und die visuelle Kraft in dem Betrachter etwas auszulösen, verschwunden ist, wird durch das literarische Who is Who einmal scheinbare Nähe wieder hergestellt. Aber auch hier sind Promis die Erzähler und der Betrachter wird weiter „zugetextet“ und kann nicht Fragen stellen und im besten Sinne Lernen.

Muss Kunst als lahme Ente jetzt auch noch akustisch aufgepeppt werden? Durch Highendliteraturgranden. Kunst kann doch so viel, aber vielleicht ist das mit dem befremdlich auch nur ein Reflex, der gut gemachte Kunst und gute Museumspädagogik denkt, die vielleicht so nicht mehr vorhanden sind?

Wie dem auch sei, die Ausstellung Unter vier Augen wird von den Fragen geleitet: Wovon er­zäh­len Por­träts? Wie kön­nen wir über sie spre­chen? Die Kunst­hal­le in Karlsruhe wird noch bis zum 20.10.2013 dieser Frage nachgehen. Es gibt zur Ausstellung Literatur, einen Audioguide und Apps.

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