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Mi März 14th, 2012

Kulturrat weist Experten in die Schranken – Danke Kulturrat

Just im erschienen neuen Spiegel findet sich die Promotion zu einem Buch, geschrieben von vier Kulturexperten zum Thema Kulturförderung, mit der provokanten These, dass doch die Hälfte aller Theater, aller Museen und Musikeinrichtungen in Deutschland reicht. Schnell und klug hat der deutsche Kulturrat eine lesenswerte Erwiderung geschrieben.

Ohne zu viel wiederholen zu wollen, ist doch erstaunlich, das ausgerechnet vier Nutznießer der Kulturwirtschaft mit staatlicher Prägung die Halbierung wollen, zu einer Zeit, in der die eigenen Berufstätigkeit bei fast allen bald in ein stattliches Pensionärsleben überführt wird. Typische Form von „Nach mir die Sinflut,…“.
Chefs die klagen, dass sie ja alles anders machen würden wenn sie könnten, sind immer unglaubwürdig, da doch eben Chefs diese Möglichkeiten haben. Zumindest in ihren Institution. Oder gleich ganz aussteigen?

Egal, das ist der Schlüssel des Ganzen. Auch kleine Veränderungen bewirken, wenn sie überall gemacht werden eine Bewegung. Und die ist am Puls der Zeit, nicht die generalistischen Überbauten, die so gerne genommen werden, weil dann endlich mal „Masse bewegt wird“.

Vielleicht ist die vielfältige kleine Förderung nicht ideal. Aber wer das meint und nur auf Leuchttürme setzt, der hat sich mit der kleinen Struktur eben noch nicht beschäftigt. Dort kommt die Unterstützung an, weil es eben oft die dreistelligen Beträge sind, die fehlen, die die für Akteure sowie Schulen, Kitas oder Jugendhäuser Aktionen möglich machen. Für die Akteure sind das dann keine Monatsgehälter, aber auch jeden dritten Tag ein Honorar wäre dann auch was.

Die Entwicklung ist nämlich überproportional weg vom Aktiven hin zum verbleibenden Moment der Berufsskala. Das ehemalige Intendantenprinzip der großen Museen z.B. hat bei vielen längjährigen Stelleninhabern zu guten bis sehr guten Einkünften geführt. Mit vielen Errungenschaften der Arbeitsplatzsicherung, Freizeit, Pensionsansprüchen, etc. diese werden und wurden für die nachrückenden Stellenneubesetzungen immer mehr zurück gefahren. Und da je tiefer in der Hierachie, die Bezahlung und die anderen sozialen Leistungen immer schon niedriger waren und dort die Fluktuation allgemein deutlich größer ist, ist dort die Lage bereits deutlich schlechter geworden, weil das Abbauprinzip dort auch greift. Bis hin zu Wissenschaftskarrieren, die nach dem Uniabschluss bis zur Rente komplett in Honorar und Werkverträgen ablaufen.

Da nimmt es nicht Wunder, dass der Beruf des Künstlers mit einem Jahreseinkommen von 12.000 Euro so schlecht bezahlt wird.

Wir waren mal ein Land der Dichter und Denker und die Fotomontage der vielen tollen Theaterräume, die der Spiegel als Beleg für „zu viel“ bringt, ist einmal eindrucksvoll und verteilt sich ja über das ganze Land. Und das ist doch toll, das es diese Räume noch gibt, dort wo der Kunst gehuldigt wird, ihr ein kostbarer Rahmen gegönnt wird. Wertvoll, erhaben, alt und eine andere Sphäre.

Da kann man sich doch vorstellen, wie das Herz und die Seele in so einem Raum angesprochen werden und schneller klopfen, wenn man da erstmals hinein kommt. Und das geht genauso bei alten tollen Museen, die ihre Würde und Schönheit bewahren konnten. Auch moderne Gebäude schaffen das, wenn man sie den pflegt und nicht vergammeln lässt. Respekt, Würde und Wertschätzung und nicht Publikumsheischen für den schnellen Bucherfolg.

Schön das es noch Menschen gibt, die für andere Kultur als etwas wertvolles weitergeben und teilen wollen und sich nicht als Sargnagelhalter für alternde Profilneurosen hergeben. Danke Kulturrat!




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