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Di März 31st, 2015

Köln ehrt Sigmar Polke – Museum Ludwig mit großer Retrospektive

Das Museum Ludwig zeigt noch bis zum 5. Juli 2015 eine Ausstellung in der rund 250 Werken aus den Sparten Malerei, Grafik, Zeich­nun­gen, Sk­izzen­büch­er, Ob­jekte, Skulp­turen, Fo­to­gra­fien, Filme, Di­ain­s­tal­la­tion und Fo­tokopierar­beit­en von Polke gezeigt werden. Viele Werke waren bisher noch nie in Deutsch­land zu sehen. Auf diese Weise wird deut­lich, wie Polke die Me­di­en mitei­nan­der verknüpfte und sich ge­gen­seitig durch­drin­gen ließ: In sei­nen Gemäl­den set­zte er fo­to­gra­fische Sub­s­tanzen ein; Raster aus Druck­ver­fahren ver­wan­delte er in Gemälde; Fo­to­gra­fien wur­den durch den ma­nip­ulierten En­twick­lungsprozess zu Unikat­en; seine filmischen Erkun­dun­gen in­spiri­erten sein Ge­samtw­erk. Der Ti­tel der Ausstel­lung spielt auf die­sen neuen Kün­stler­ty­pus an, der sich allen Er­war­tun­gen widerset­zt und entzie­ht.

Zu­gleich lenkt der Ti­tel den Blick auf den ge­sellschaft­shis­torischen Kon­text sein­er Ar­beit­en. Denn wie kein an­der­er Kün­stler beobachtete Polke das Zeit­gesche­hen der al­ten Bun­des­re­pub­lik und re­flek­tierte ihre ver­drängte Geschichte des Na­tio­n­al­sozial­is­mus. Greifen seine Gemälde der 1960er Jahre die Kon­sum- und Waren­welt des bun­des­deutschen Wirtschaft­sauf­sch­wungs ironisch auf, so lassen sich in sei­nen von Massenkul­tur aufge­so­ge­nen, und in un­ter­schiedlich­sten Me­di­en umge­set­zten, kol­lab­o­ra­tiv­en Ar­beit­en der 1970er Jahre viele An­spielun­gen auf die neuen sozialen Be­we­gun­gen und ihre Sub­kul­turen fin­d­en. In sei­nen groß­for­mati­gen ab­s­trak­ten Gemäl­den sind es seit den 1980er Jahren die neuen Ma­te­rialien, wie pho­to­chemische, wärme- und feuchtigkeit­sempflindliche, aber auch giftige Sub­s­tanzen, die eine verun­sich­ernde und am­bi­va­lente Wirkung auf den Be­trachter haben. „Die Dinge se­hen, wie sie sind,“ lautet ein Ti­tel sein­er Werke. Bezeich­nen­der­weise er­scheint der Ti­tel im Bild spiegelverkehrt. Ein­deutigkeit des Sicht­baren umzukehren und in Frage zu stellen, trieb Sig­mar Polke zu im­mer neuen kün­st­lerischen Er­probun­gen von Ma­te­rialien und Tech­niken. Die aus­gestell­ten Werke wer­den am Ort ihres Ent­ste­hens – denn Köln war mehr als 30 Jahre Sig­mar Polkes Lebens­mit­telpunkt – eine be­son­dere Brisanz ent­fal­ten.

Dies gilt insbe­son­dere für Sig­mar Polkes Filme, die im Rah­men der Ret­ro­spek­tive in Köln um­fassend vorgestellt wer­den. Ab Mitte der 1960er Jahre bis zu seinem Tod war die Filmkam­era in­te­graler Be­s­tandteil sein­er kün­st­lerischen Praxis. Nur in vere­inzel­ten und aus­gewähl­ten Präsen­ta­tio­nen machte er seine Filme öf­fentlich. Im Rah­men ein­er Ta­gung, die das Mu­se­um Lud­wig ge­mein­sam mit der Uni­ver­sität Köln vom 12. bis 14. Ju­ni 2015 aus­richtet, wer­den Polkes Filme im Kon­text der lebendi­gen Film­szene des Rhein­lan­des in den 1960er und 70er Jahren un­ter­sucht.

Ein weit­er­er Bezug wird durch die Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig hergestellt. Denn das Mu­se­um Lud­wig wurde im­mer wied­er mit großzügi­gen Schenkun­gen von Polke-Werken be­dacht. Bere­its 1974 ge­langte das frühe Raster­bild Kopf von 1966 über eine Ju­biläumsspende in die Samm­lung. Außer­dem befin­d­en sich eine un­betitelte Ar­beit von 1986, Ruine von 1994 und aus dem gleichen Jahr das Trans­par­ent­bild Fen­ster­front in der Samm­lung des Mu­se­ums. 2009 er­hielt das Mu­se­um Lud­wig die na­hezu voll­ständig zusam­menge­tra­gene Samm­lung der Edi­tio­nen von Sig­mar Polke. Diese Schenkun­gen wer­den in die Präsen­ta­tion im Mu­se­um Lud­wig ein­be­zo­gen.

Die Ausstel­lung wird or­gan­isiert vom Mu­se­um of Mod­ern Art, New York, zusam­men mit der Tate Mod­ern, Lon­don. Sie wurde ini­tiiert und or­gan­isiert durch Kathy Hal­breich, stel­lvertre­tende Di­rek­torin des Mu­se­um of Mod­ern Art mit Mark God­frey, Ku­ra­tor für in­ter­na­tio­nale Kunst der Tate Mod­ern und Lan­ka Tat­ter­sall, ku­ra­torische As­sis­tentin der Abteilung für Gemälde und Skulp­turen des Mu­se­um of Mod­ern Art. Die Präsen­ta­tion am Mu­se­um Lud­wig wird von Bar­bara En­gel­bach, Ku­ra­torin, Samm­lung Zeit­genös­sische Kunst, Fo­to­gra­fie und Me­di­enkunst, Mu­se­um Lud­wig, or­gan­isiert.




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