KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Fr August 28th, 2009

Jürgen Stollhans zeigt Arbeiten im Kunstverein Gütersloh

Zur Eröffnung der Ausstellung Jürgen Stollhans führte der profunde Stollhans-Kenner Roland Nachtigäller, seines Zeichens Chef des MARTa Herford im Kunstverein Gütersloh ein.

Vor allerlei Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gelang es Nachtigäller die Ausstellung, deren Grundbestand aus den Arbeiten des Ausstellungsprojektes „Wir schalten zurück nach Rheda-Wiedenbrück“ bestand (und zu dem ein Katalog vorliegt), in die Gütersloh-Anpassung zu bringen.

Die großformartigen Arbeiten, die Stollhans mit Kreide auf Tafeluntergrund gemalt hat, sind einen Mischung aus Hyperrealismus und Sepiafotografie. Es gibt die Orte tatsächlich, und sie machen Sinn für den Betrachter oder den Künstler, wenn man sich auf die Erzählungsfäden einlässt. Natürlich überwiegt das subjektive Erleben des Künstlers und seine Erinnerung, aber die Arbeiten sind so offen und stark, dass sie auch außerhalb der Region Ostwestfalen-Lippe bestehen können.

Stollhans, der auf der documenta 12 mit Arbeiten vertreten war, die sich dort auf die lokale Verortung der Ausstellung bezogen, macht das mit dieser Ausstellung ähnlich. Nachtigäller betonte, dass der Künstler in seinem Atelier in der „Sinnwerkstatt“ arbeitet und dem Betrachter die Chance eröffnet, einmal die poetischen Seiten seines „normalen“ Alltages zu erleben, in dem der Künstlerblick, mit dem eigenen Blick des Betrachters konfrontiert wird.

Auch die skurrilen Seiten des Daseins werden von den Künstlern wahrgenommen, während der „alltägliche Wahnsinn“ durch seine Alltäglichkeit von dem erlebenden Teilnehmer oft nicht mehr wahrgenommen wird. Menschen brauchen Kunst, nicht als Zeitvertreib, sondern immer wieder zum Erleben der eigenen Phantasie, der Relativität der eigenen Sichtweise und der Möglichkeit mal aus seiner eigenen Existenz heraus, einen Schritt zurück zu  machen und zu sehen, dass Leben auch ganz anders seinen kann. Natürlich ist das vielleicht manchmal auch erschreckend, aber auch das ist eine menschliche Reaktion, die zum gesunden Rundum-Empfinden des Menschen an sich gehört.

Und genau dieses ist keine „freiwillige Aufgabe“ von Kunst in Städten, Gemeinden und dem ganzen Land, sondern das gehört zum Leben dazu. Gemeinschaften und Staaten, die meinten nur mit Wirtschaft oder Krieg oder Zerstörung anderer vorwärts kommen, sind alle untergegangen.

Die Ausstellung von Jürgen Stollhans im Kunstverein Gütersloh läuft noch bis zum 11. Oktober 2009.

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3 Kommentare to “Jürgen Stollhans zeigt Arbeiten im Kunstverein Gütersloh”

Kultur- und Medienminister Bernd Neumann im Kunstverein Gütersloh zu Gast | Die Ostwestfalen sagte:

[…] Hubert Deittert, schaute sich Neumann das Domizil des Kunstvereins und die aktuelle Ausstellung von Jürgen Stollhans an. Wie wichtig die Rolle der Kunstvereine als lebendige Kultureinrichtungen vor Ort für die […]

Sa 12. September 2009 at 13:59

Museum Ostwall mit dem zweiten Blick und Jürgen Stollhans | kunstfreunde sagte:

[…] des NRW-Kultursekretariats “Transfer France-NRW 2008-2010″ teil. Seine Arbeit “Wir schalten zurück nach Rheda-Wiedenbrück” reflektierte die Geschichte seines Heimatortes […]

Sa 14. Januar 2012 at 15:06

Verleihung des Konrad von Soest-Preises 2015 an Jürgen Stollhans | Die Ostwestfalen sagte:

[…] (LWL) zeichnet in diesem Jahr den aus Rheda-Wiedenbrück gebürtigen und jetzt in Köln lebenden Künstler Jürgen Stollhans aus. Der Konrad-von-Soest-Preis ist mit 12.800 Euro dotierten und zeichnet Stollhans für seine […]

Do 15. Januar 2015 at 16:41

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