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Mo Juli 30th, 2007

Himmelsträume – Kloster Dalheim – Museum für Klosterkultur

Kloster Dalheim

Wenn der Landschaftsverband Westfalen-Lippe ein Museum für Klosterkultur einrichtet, kann man gespannt sein, was sich dahinter verbringt. Das 1803 säkularisierte und danach als Domäne weitergeführte, ehemalige Augustiner Chorherren- Kloster Dalheim ist alleine durch seine sehr gut erhaltene ehemalige Klosteranlage eine Schau. Großräumig, repräsentativ und so aufgebaut, wie es in seiner Blütezeit im 18. Jahrhundert an Originalbestand gehabt haben wird. Seit Mai 2007 ist das Museum geöffnet und hat Dank seiner großzügigen Finanzierung, Marketingmittel die es schon lange auf die überregionale Museumslandkarte hieven. Natürlich kann ein Museumsbestand zur Klosterkultur, wenn das Kloster schon fast 200 Jahre nicht mehr bestanden hat, nicht so üppig sein. Und natürlich ist es legitim, im hier und jetzt mit noch bestehenden Klöstern wirtschaftliche Partnerschaften zu pflegen. Immerhin gibt es bald das 6. Museumsfest, bei dem „Gutes aus Klöstern“ angeboten wird, wie im Museumsshop übrigens! Da ist es vielleicht auch ok, wenn ein privatwirtschaftlich arbeitender Edelversender, diese Produktspezifika schon länger im Programm hat. Was allerdings befremdet ist, dass das Augenscheinlich noch im Werden begriffene Museum, seine „Dauerbaustellen“ dem Besucher nicht als solches da bringt. Zwei Sonderausstellungen gibt es im laufenden Jahr, die sich beide wenig mit Klosterleben beschäftigen. Die Gartenausstellung und die Bezugnahme auf die Originalbemalungen im Inneren noch mehr, aber die Klostergut-Ausstellung, nimmt den (nicht katholischen) Besucher nicht an die Hand, was Leben im Kloster bedeutet. Der Tagesablauf im Kloster wird nicht thematisiert. In einer Videowand kommen aktuelle Nonnen und Mönche zu Wort, aber die muss man finden und die muss man dann auch noch sehen wollen,…Gebetsrhythmen, Tagesabläufe, Wer macht Was, die letzten Konventualen, alles Dinge die nicht vorkommen. Wenn man es von Seiten der Museumsforschung nicht wüsste, wäre es ok, wenn man es mitteilen würde, aber der Bezug findet nur auf Basis von Quellen anderer ebenfalls säkularisierter Klöster statt (Gesinde des Klosters Böddeken, nach der Aufhebung; Die Namen des letzten Konventes in der Kirche, aber wo sind die Biografien?). Ein komplizierter Audioguide soll den Besuch erleichtern. Erst kämpft die ausgebende Museumskraft mit dem Gerät, dann kämpft man selber mit dem Gerät, dann werden Personen vorgestellt die begleiten sollen. Die sind so „inszeniert“, dass das auseinanderhalten schwierig wird und der Mitteilungsdrang leider nicht im Verhältnis zum Besucherverhalten steht. Ganz schwierig ist die Stimme für die Kinderführung?! Warum man eine jugendliche Stimme eines „Novizen“ vermieden hat und einen altklugen Prior dafür im Einsatz hat, ist auch nicht ganz klar. Verwirrung auch im zentralen Treppenhaus, wo geht welcher Weg hin. Warum eine Betonkonstruktion die das offenliegende Mauerwerk der Originalsubstanz an die Wand spielt und keine Erklärungen bietet, was sicher möglich wäre, mutet komisch an.

Vermutlich alles in Bau – auch das wäre Ok, wenn’s dem geneigten Besucher erklärt würde.

Die Größe der Schrift, die Parallelität von Akustik und Audioguide, scheint noch niemand getestet zu haben und die interaktiven Elemente sind grafisch und technisch toll, aber leider doch etwas unkompatibel mit dem Besucherverhalten (zu kompliziert, zu weit weg, zu laut, zu klein).

Der Standort ist zwar an der A 44 nicht ganz schlecht, aber auch eher in der “Gegend” von Paderborn, nicht so richtig gut zu erreichen. Daher erstaunt die inhaltliche Ferne zu Paderborn, in der mit Luise Hensel und ihrer Nähe zu Clemens von Brentano auch viel Potential für Literaturgeschichte stecken würde.

Das erfreuliche war, eine Menge Leute kommen, auch wenn die Mitarbeiter wenig Begeisterung über „kreative Einlassungen der Besucher“ oder über möglichen „ökonomische Erfolge“ entwickeln. („Es ist 18 Uhr wir haben geschlossen, das höre ich immer wieder, dann wäre ich um 20 Uhr noch hier“, O-Töne aus dem Museumsshop)

Ein Fazit, viel öffentliches Geld für einen interessanten Ansatz, der Potential hat, wenn Kinderkrankheiten und Fehlentwicklungen rechtzeitig verändert werden. Noch ist die Öffentlichkeit guter Dinge. Hoffen wir das es so bleibt!

Posaunenengel Kloster DalheimHand in DalheimKreislicht Dalheim

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