Sa Juni 30th, 2007
HB in Potsdam – Ausstellung zu Hedwig Bollhagens 100ten Geburtstag
Die beiden Buchstaben “HB” stehen für die große Dame der deutschen Keramikkunst, die es verstanden hat, bis zu ihrem Tod im Jahre 2001, Unikate in Serie herzustellen. Legende ist ihre persönliche Vita als Mensch und Künstlerin. Die Unternehmerin kam 1934  mit der Gründung der HB-Werkstätten für Keramik dazu. Immer auch während der DDR-Zeit hat sie Dinge für den täglichen Bedarf im Auge gehabt, die schön und praktisch seinen sollten. Das ist ihr in unnachahmlicher Weise gelungen. Nach der Wende, und 20 Jahre nach der Verstaatlichung ihres Betriebes, übernahm sie 1992 wieder ihren eigenen Betrieb. Damals 85 Jahre alt und im sicheren Bewußtsein, dass wenn sie es nicht tut, der Betrieb eingegangen wäre. 44 waren es damals, heute immerhin noch 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zum Teil schon Jahrzehnte bei HB beschäftigt sind.
1995 lernten wir sie persönlich kennen. Zur Vorbereitung einer kleinen Ausstellung im westfälischen Rheda-Wiedenbrück wurden Kontakte geknüpft, Lieferabläufe vereinbart und eine kleine Galeriedelegation brach nach Marwitz auf.
Ein unvergessenes Erlebnis bis heute. Bei einer herrlichen Tasse Tee plauderte die Seniorin über Leben und Arbeit, zeigte und lies später zeigen, was sich hinter “Unikaten in Serie” verstand. Wir gingen durch die Arbeitsräume, über den verwunschenen und verwilderten Hof und hatten langsam eine Ahnung wie vor 50 oder 100 Jahren Keramik hergestellt wurde.
Aussen dominierte die Baukeramik, innen die Dinge des täglichen Bedarfs. War das äußere schon unglaublich beeindruckend, einfach und doch funktional, waren die Dekore, rotes Fadenkaro, 159, blau weiss, etc unglaublich schön und elegant, die Abläufe, Öfen und der Malraum mit den Malerinnen eine Welt für sich, beeindruckte doch die Chefin selber am meisten.
Gemeinsam gingen wir unter ihrer Führung in das Lager und wir durften für die Ausstellung auswählen, was da war. Kein Tabu. Zu jedem Dekor oder zu jedem Entwurf erfuhren wir neues und es freute HB sichtlich, wenn wir uns für ihre Gebrauchskeramik, ihre Welt und die vielen kleinen Dinge die sie mitteilte, begeisterten. Das war auch einfach: die Dinge waren toll, die Atmosphäre einzigartig und HB die als stiller und freundlicher Begleiter bei uns war, war der Fels in der Brandung.
Und was es für Geschichten gab. Wie der Kanadabecher zu seinem Namen und seinem Entwurf kam: ein Kanadier bestellte diese Form des Henkelbechers bei HB, sie entwickelte die Form, dann wurde er hergestellt und bekam den Namen. Ganz einfach.
Am 10.November 2007 wäre Hedwig Bollhagen 100 Jahre alt geworden. Neben den vielen Festreden und Würdigungen (aus der Triftstrasse 60 wurde die Hedwig-Bollhagen-Strasse 4 in Marwitz) hat das Haus der Brandenburgisch Preußischen Geschichte in Potsdam nun eine grosse Hedwig Bollhagen Retrospektive “Hedwig Bollhagen – ein Leben für die Keramik” als Sonderausstellung eingerichtet. Noch bis zum 13. Januar 2008 ist die Ausstellung in Potsdam zu sehen.
Die Ausstellung ist gut gemacht und zeigt die vielen schönen Dinge die Hedwig Bollhagen “gegen die Verkitschung des Alltags, lies sie mit sicherem Stilgefühl Dinge für den Alltag entstehen, deren Wertschätzung nicht vom sich wandelnden Zeitgeist abhängt”. Das ist ihr ohne Umschweife gelungen. In diesem Sinne arbeiten die Werkstätten bis heute, immer noch in Handarbeit und daher eben “Unikate in Serie”. Es bleibt zu wünschen, dass die Werkstätten auch weiterhin diesen Weg erfolgreich gehen können. Selber denke ich mit Dankbarkeit und Freude an die damaligen Begegnungen zurück. Anbei noch ein paar Bilder die damals in Marwitz entstanden.
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Christiane Hoffmann, ist Inhaberin der






2 Kommentare to “HB in Potsdam – Ausstellung zu Hedwig Bollhagens 100ten Geburtstag”
<p><p>In schöner Regelmässigkeit wird bei der Berichterstattung unterschlagen, daß Hedwig Bollhagen nicht aus dem Nichts ihre keramischen Werkstätten in Marwitz aufbaute, sondern daß da schon vorher etwas oder besser gesagt jemand war: Grete Loebenstein geborene Heymann, die in der Keramikklasse am Bauhaus in Weimar studiert hatte.</p><br />
<p>Hedwig Bollhagen profitierte von der Arisierungspolitik der Nazis und hat sich nie davon distanziert, sondern diesen Tatbetand stets verschleiert.</p><br />
<p>Grete Loebenstein hat unter massiven Druck, der von einem persönlichen freund und Förderer von Frau Bollhagen veranlaßt wurde, ihre Werkstätten in Marwitz weit unter Wert verkaufen müssen.</p><br />
Mehr dazu hier
So 15. Juli 2007 at 15:32
Hallo Juebe,
danke für diese Infos! Die offizielle Geschichte lässt dieses Kapitel in der Tat aus und auch bei dem persönlichen Kontakt, kam nie die Sprache auf mögliche Arisierungen oder ähnliches. Eher die Einschätzung, dass es sich bei dem Betrieb um eine marode und/oder bankrotte Vorgängerveranstaltung gehandelt hat.
Do 19. Juli 2007 at 22:54
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