Mi Februar 18th, 2009
Goldene Zeit in den Niederlanden – Frans Hals und die neuen Motive
Das hätten sich die Macher der Ausstellung “Frans Hals” vermutlich auch anders vorgestellt, aber die Ausstellung “Frans Hals und die Haarlemer Meister der goldenen Zeit” die in Zusammenarbeit mit dem Frans Hals Museum in Haarlem entstand, macht deutlich, dass Krisenzeiten auch immer Potential für erstaunliche Veränderungen in sich bergen.
Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung zeigt noch bis zum 7. Juni 2009 erstmals eine Ausstellung mit Meisterwerken aus der Goldenen Zeit der niederländischen Tafelmalerei. Für die Neuerungen in der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts spielten die Künstler in Haarlem eine führende Rolle. Über 120 Arbeiten von Frans Hals und vielen anderen Künstlern verdeutlichen, wie sich in jenen Jahren erstmals ein freier Kunstmarkt und damit Spezialisten für die verschiedenen Bildthemen entwickelten. Alles ist dabei was Spaß macht, Portraits, Landschaften, Seestücke, Architektur und Stillleben.
Bildquelle: Frans Hals, Gruppenporträt der Regentinnen des Altmännerhospizes in Haarlem, 1664, Öl/Leinwand, 170,5 x 249,5 cm, Frans Hals Museum, Haarlem erstmals in Deutschland zu sehen
Das “Warum gerade Haarlem?”, wird auch sehr schön und unaufdringlich vorgestellt. Die niederländische Stadt erlebte zwischen 1610 und 1630 eine grundsätzliche Neuentwickelung der Künste. Die Grundlagen hierzu stammten schon aus dem 16. Jahrhundert. So bedeutete der 80-jährige Krieg (1568-1648) gegen Spanien, der erst im Friedensschluss von Münster 1648 offiziell beendet wurde, für die Nördlichen Provinzen 1588 defacto die Freiheit. Die Nördlichen Provinzen wurden unabhängige Republik.
Einige Städte erlangten dabei ungeheure Macht, Einfluss und Reichtum. Vom fortdauernden Krieg in den südlichen Niederlanden profitierte der Norden durch einen unablässigen Strom von Emigranten mit Erfahrung, Handelskontakten und Kapital. So blühte ab 1590 die Haarlemer Textilindustrie, wovon auch der Mittelstand profitierte.
An diese neue Situation passten sich auch die Künstler an, da zwar die Kirche als Auftraggeberin wegfiel, aber viele Einzelpersonen oder Institutionen oder Städte schwer reich wurden. Die Städte beauftragten die Künstler, auch hatten reichgewordene Patrizier und Handelsleute einen großen Bedarf nach Kunst. Aber auch einfache Bürger erwarben nun Bilder. Eine Boomzeit der Kunst sozusagen.
Neue Themen wurden populär: der Stadt, ihrer abwechslungsreichen ländlichen Umgebung, dem täglichen Leben, Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen galt nun das Interesse. Aber auch der Bürger selbst, aus allen sozialen Schichten wurde in Porträts und Alltagsdarstellungen festgehalten.
Die Porträtmalerei revolutionierte der in Antwerpen geborene Frans Hals (um 1581-1666). Seit seiner Kindheit in Haarlem prägte er hier als genialer Meister seines Fachs die ganze Bildgattung, indem er Bewegung und Individualität der Dargestellten hervor hob. Diese Tradtion griffen nach ihm Johannes Verspronck (1606/11-1662) und Jan de Bray (um 1627-1697) auf.
In der Landschaftsmalerei etablierten sich um 1610 Esaias (1590/91-1630) und Jan van de Velde (1568-1623) sowie Willem Buytewech (1591/92-1624) in Haarlem. Sie studierten in der Tradition von Pieter Breughel die Umgebung der Stadt und hielten ihre Eindrücke in Zeichnungen fest. Sie vertrieben auch Stiche, die das Haarlemer Umland pittoresk verherrlichten. Die realistischen Landschaftsmaler Jan van Goyen (1596-1656), Salomon van Ruysdael (1600/03-1670) und Pieter Molijn (1595-1661) gaben der holländischen Landschaft dagegen ihr wirkliches Gesicht. In der nächsten Generation dramatisierte Jacob van Ruisdael (1628/29-1682) dann das Genre.
Gartenpartien und fröhliche Gesellschaften waren die Spezialität von Esaias van de Velde, Willem Buytewech und Dirck Hals (1591-1656). Auf diesen neuen Typ der Genremalerei bauten Jan Miense Molenaer (um 1610-1668), Judith Leyster (1609-1660) und Hendrick Pot (um 1585-1657) auf. Zwischen 1627 und 1628 war der aus Oudenaarde stammende Adriaen Brouwer (1605/06-1638) in Haarlem tätig. In dieser kurzen Zeit führte er hier das Bauernstück mit Darstellungen von raufenden, saufenden und Karten spielenden Bauern ein. Adriaen van Ostade (1610-1685) und sein Bruder Isack (1621-1649) griffen dieses Thema auf, das außerordentlich populär wurde. Jan Steen (1626-1679) gehörte zur nächsten Generation der Genremaler und während seines Aufenthalts in Haarlem, zwischen 1660 und 1670, schuf er seine besten Arbeiten.
Alles in allem zeigt die Kunsthalle der Hypo Kulturstiftung ein “Who is who” der niederländischen Malerei.

Christiane Hoffmann, ist Inhaberin der






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