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Mo Juli 27th, 2009

Gisèle Freund die Fotografin des 20. Jahrhunderts – Ausstellung im Focke Museum

Noch bis zum 4. Oktober 2009 zeigt das Bremer Focke Museum, die Fotoausstellung Gisèle Freund – Porträts und Reportagen. Vielleicht kennt nicht jeder den Namen Gisèle Freund, aber ihre Portraits von  Bertolt Brecht, Anna Seghers, Alexej Tolstoi, Simone de Beauvoir, Walter Benjamin, Hermann Hesse, Stefan Zweig und vielen anderen, kennt man. In den 30igern fotografierte die gebürtige Berlinerin Gisèle Freund bereits mit der Leica, die sie als Geschenk zum Abitur von ihren Eltern erhalten hatte.

Politisch engagiert dokumentierte sie die Demonstrationen zum 1. Mai 1932. Während ihres Studiums der Soziologie beschäftigte sich Gisèle Freund zunächst eher theoretisch mit der Fotografie. 1936 reichte sie als Dissertation eine kulturhistorische Untersuchung zum Medium Fotografie an der Pariser Sorbonne ein, die bis heute als Standardwerk der Fotografiegeschichte gilt.

Fockemuseum-Plakat

Bildquelle: Plakat Gisèle Freund, Focke Museum Bremen

Nach ihrer Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland 1933, wurde die Fotografie für sie zum Broterwerb, da ihre ebenfalls aus Deutschland geflohenen Eltern sie nicht mehr finanziell unterstützen konnten. Eindrucksvoll sind ihre Aufnahmen vom „1. Internationalen Schriftsteller-Kongreß zur Verteidigung der Kultur“, der im Juni 1935 in Paris stattfand.

Als Porträtfotografin von Malern, Bildhauern und vor allem Schriftstellern machte sie sich in den 1930er Jahren einen Namen. Bemerkenswert war ihr Einfühlungsvermögen, die Persönlichkeit des Abgebildeten einzufangen und nicht nur oberflächliche Posen abzubilden. Die Aufnahmen entstanden fast beiläufig, während sich die literaturbegeisterte und belesene Gisèle Freund mit den Schriftstellern über deren Werke unterhielt. So achteten diese nicht auf die Kamera und gaben sich ganz natürlich und nah.

Früh kam sie auch zur Farbfotografie, die sie bereits 1938 einsetzte. Ein eindrucksvolles Farbporträt von James Joyce erschien 1939 auf der Titelseite des Time Magazin. Von der kamerascheuen Virginia Woolf schuf sie die einzigen existierenden Farbaufnahmen.

Berühmt wurde Gisèle Freund auch durch ihre Reportagen aus Südamerika, wohin sie 1940 erneut vor den Nationalsozialisten geflüchtet war. Zeitschriften wie Life, Time Magazin und Picture Post veröffentlichten ihre Reportagen. Von 1947 bis 1954 war sie das erste weibliche Mitglied der Fotoagentur MAGNUM. Ihre enthüllenden Fotos über das luxuriöse Privatleben Evita Peròns lösten 1950 diplomatische Verwicklungen zwischen Argentinien und den USA aus. Von ergreifender Authentizität sind ihre Aufnahmen von Frida Kahlo, zu der sie eine freundschaftliche Beziehung pflegte.

Wie viele andere Emigranten kehrte Gisèle Freund nicht nach Deutschland zurück und lebte seit den 1950er Jahren in Paris. Dort starb sie im Alter von 91 Jahren im Jahr 2000.

Sie führte genauestens Buch über ihre Aufnahmen, so dass die Ausstellung auf einen reichen Fundus an Selbstzeugnissen der Künstlerin schöpfen kann. Ein Filminterview und Bilder aus ihrem persönlichen Umfeld tragen in der Ausstellung dazu bei, neben ihrem fotografischen Lebenswerk auch noch andere Facetten der Grande Dame der Fotografie kennenzulernen. Die Künstlerin steht damit quasi für ein Jahrhundert, das durch die Nazibarbarei zutiefst unmenschlich und kulturlos erschüttert wurde und das durch die Kunst und die Menschlichkeit wieder ans Licht gelangt ist.

“Ich habe immer nur meiner Wahl vertraut”, wird als Credo für ihre Portraitkunst als Zitat überliefert. Mit über 140 zum Teil handsignierten Arbeiten ist die Ausstellung im Bremer Focke Museum als umfassende Retrospektive und als tolle Fotoausstellung angelegt. Nebenbei ist es auch noch ein Kapitel Fotogeschichte vom Feinsten.

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